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Großbritannien : Keine großen Verluste in Sicht

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Die britische Regierung hat zur Rettung ihrer Banken nach jetzigem Stand 124 Milliarden Pfund an Kapitalhilfen und Krediten ausgezahlt. Die ehemaligen Bausparkassen Northern Rock und Bradford & Bingley wurden verstaatlicht. Zudem hält der Staat über Kapitalhilfen in Form von Aktien eine Mehrheit an der Royal Bank of Scotland.

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          Die britische Regierung hat zur Rettung ihrer Banken nach jetzigem Stand 124 Milliarden Pfund an Kapitalhilfen und Krediten ausgezahlt. Die Finanzierungskosten von 10 Milliarden Pfund wurden bisher durch Gebühreneinnahmen von ebenfalls knapp 10 Milliarden Pfund ausgeglichen. Der potentielle zusätzliche Betrag, für den der britische Staat bürgt und für den er im Notfall in Anspruch genommen werden könnte, beläuft sich auf 387 Milliarden Pfund. Dies ist deutlich weniger, als bei Konzeption der Rettungsmaßnahmen veranschlagt wurde. Damals lag der Garantiebetrag bei 838 Milliarden Pfund.

          Dies sind aktuelle Zahlen des National Audit Office, der dem Bundesrechnungshof vergleichbaren britischen Institution. Sie hatte im Dezember einen Bericht über die Kosten der britischen Bankenrettungen vorgelegt. Danach belaufen sich die direkten und indirekten Staatshilfen durch Eigenkapital, Kredite und Garantien auf insgesamt 512 Milliarden Pfund, etwa 600 Milliarden Euro.

          Der britische Staat hat die ehemaligen Bausparkassen Northern Rock und Bradford & Bingley verstaatlicht und hält über Kapitalhilfen in Form von Aktien eine Mehrheit von 83 Prozent an der Royal Bank of Scotland (RBS) und von 41 Prozent an der Lloyds Banking Group. Da der Aktienkurs seit Einstieg des Staates gesunken ist, trägt der Steuerzahler derzeit einen Buchverlust auf diese Aktienpositionen von 12,5 Milliarden Pfund.

          Bild: F.A.Z.

          Die bisherige Kostenposition des britischen Staates schlüsselt sich folgendermaßen auf: Für die Garantie von Risikopositionen auf Bankbilanzen ("Asset Protection Scheme") bürgt der Staat mit 131 Milliarden Pfund. Dieses System nimmt RBS in Anspruch. Für Garantien, mit denen sich Banken Liquidität bei der Bank von England besorgen können ("Special Liquidity Scheme"), beläuft sich die staatliche Bürgschaft auf 115 Milliarden Pfund. Zusätzlich bürgt der Staat für besicherte Bankemissionen ("Credit Guarantee Scheme") in Höhe von 110 Milliarden Pfund. Direkte Kredite an kleine Banken summieren sich auf 35 Milliarden Pfund.

          All diese Zahlen sind geringer als zuvor angenommen, weil die Laufzeit von einigen Risikopositionen beendet ist, der Staat die Garantiekonditionen verändert und zugunsten des Steuerzahlers verändert hat und einige Hilfsprogramme nicht in Anspruch genommen wurden. Für die Beteiligungen an RBS hat der Staat 46 Milliarden Pfund zuzüglich 8 Milliarden Pfund Wandlungskapital gezahlt, für Lloyds Banking Group 21 Milliarden Pfund. Kredite und Garantien an Northern Rock belaufen sich auf 38 Milliarden Pfund zuzüglich Wandlungskapital von 3 Milliarden Pfund. Bradford & Bingley nutzt noch Garantien von 6 Milliarden Pfund. Damit summiert sich die gesamte Bankenrettung Großbritanniens derzeit auf 512 Milliarden Pfund.

          Wie geht es weiter? Die den Banken mit Hilfe der Garantien ermöglichte Schuldenaufnahme ("Credit Guarantee Scheme") über 115 Milliarden Pfund läuft aus. Die Emissionen mit ihren kurzen Laufzeiten werden spätestens im April 2014 fällig. Bis dahin werden die Banken die Emissionen bedienen können, so dass dem Staat nach Einschätzung des Finanzministeriums aus dem Programm keine Verluste entstehen werden.

          Die mit Garantien ermöglichte Liquiditätshilfe der Banken bei der Bank von England in Höhe von 110 Milliarden Pfund wird von den Banken mittlerweile beschleunigt reduziert. Dennoch: Bis Ende 2012 werden 750 Milliarden Pfund normale und staatlich garantierte Refinanzierungen britischer Banken fällig. Da die Banken diese Mittel angesichts der hohen Refinanzierungskosten und großen Konkurrenz am Kapitalmarkt durch andere Institute und staatliche Emittenten kaum in voller Höhe refinanzieren können, reduzieren die meisten Banken ihre Bilanzsumme, allen voran die RBS und Lloyds Banking Group.

          Das Finanzministerium erwartet, dass die noch ausstehenden Kredite voll zurückgezahlt werden und dass der Staat auch aus seiner Garantie für Risikopositionen ("Asset Protection Scheme") keine Verluste erleiden wird, da die an dem Programm teilnehmende Bank RBS die ersten Verluste von 60 Milliarden Pfund schultern müsste. Es wird allerdings Jahre dauern, bis die Risikopositionen fällig und von Schuldnern zurückgezahlt wurden. Wann der Staat die großen Beteiligungen an RBS und Lloyds Banking Group verkaufen oder an der Börse plazieren wird, ist unsicher. Die Aktienkurse müssten jedes Jahr um etwa 2 bis 3 Prozent steigen, um den Staat für die Finanzierungskosten der Kapitalhilfe zu entschädigen.

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