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Großbritannien : Banknoten in Männerhand

„Nichts als Blut, Tränen, Mühsal und Schweiß“: Winston Churchill soll auf die 5-Pfund-Banknote. Bild: AP

In England soll ab dem Jahr 2016 Winston Churchill mit bärbeißigem Blick die 5-Pfund-Noten schmücken. Englands Frauen sind empört.

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          Der Brief lag am ersten Arbeitstag von Mark Carney in der Post, und sein Inhalt war politisch heikel. In dem Schreiben mit Datum 1. Juli beschwerte sich eine Parlamentarierin beim neuen Gouverneur der britischen Zentralbank darüber, dass die Bank of England die weibliche Hälfte des Vereinigten Königreichs quasi im ganz großen Stil diskriminiere: Hunderte Millionen von neuen Geldscheinen bringt Carneys Zentralbank in Umlauf. Aber es sei zu befürchten, dass demnächst keine einzige Frau mehr auf Englands Banknoten abgebildet sein werde, kritisierte die Londoner Abgeordnete Mary Macleod in ihrem Brief an Carney. Sie sitzt für die konservative Regierungspartei von Premierminister David Cameron im Unterhaus des Parlaments. „Das ist in keiner Weise repräsentativ für die Rolle, die Frauen in der Geschichte unseres Landes gespielt haben und weiter spielen“, ärgert sich Macleod - und ist damit in Großbritannien nicht allein.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was ist da schiefgelaufen? Das Missgeschick nahm seinen Lauf im April als Mervyn King, Carneys Amtsvorgänger, ankündigte, ab dem Jahr 2016 solle Winston Churchill mit bärbeißigem Blick die 5-Pfund-Noten schmücken. Das wäre an sich unproblematisch, denn der legendäre Weltkriegs-Regierungschef ist auf der Insel bis heute ein Volksheld. Der Haken daran ist allerdings: Für Churchill müsste Elizabeth Fry weichen, denn die englischen Sozialreformerin (1780 bis 1845) ist bisher auf diesen Scheinen abgebildet. Fry ist die einzige Frau in englischen Geldbeuteln - mal abgesehen vom Haupt der Königin, das selbstredend weiterhin auf Münzen und Scheinen zu sehen sein wird. Ansonsten ist das Bargeld Männersache. Die anderen historischen Figuren auf den Geldscheinen sind: der Evolutionsforscher Charles Darwin, der Ökonom Adam Smith sowie die Ingenieure Matthew Boulton und James Watt.

          Elizabeth Fry
          Elizabeth Fry : Bild: ddp images

          Sind die Herrscher über das Geld in der Londoner Threadneedle Street etwa frauenfeindlich? Der neue Notenbankchef Carney will sich keine Blöße geben und reagierte umgehend. Schon an seinem ersten Arbeitstag in der Bank of England habe er das heikle Thema mit seinen Kollegen beraten, beteuerte der Kanadier in seinem Antwortbrief an Macleod und kündigte rasche Abhilfe an, „spätestens bis Ende Juli“. Die Mitarbeiterin in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Notenbank spricht pflichtschuldig von einem „Missverständnis“. Der mittlerweile pensionierte Amtsvorgänger King habe keineswegs die Frauen ins monetäre Abseits schieben wollen. King selbst hatte sich kurz vor seinem Ausscheiden noch um Schadensbegrenzung bemüht und durchblicken lassen, dass Jane Austen gute Chancen habe, es auf einen der britischen Geldscheine zu schaffen. Die Schriftstellerin (1775 bis 1817) ist vor allem durch ihren Gesellschaftsroman „Stolz und Vorurteil“, bekannt geworden. Weitere Kandidatinnen, die Bürger der Zentralbank vorgeschlagen haben, finden sich in einer offiziellen Liste auf der Internetseite der Bank of England: Empfohlen werden dort unter anderen die Krimiautorin Agatha Christie, die Schauspielerin Helen Mirren - und das frühere Nacktmodel Katie Price.

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