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Gröhes Reform : Dynamik in der Pflege

  • -Aktualisiert am

Bislang regt sich über die geplante Pflegereform niemand sonderlich auf. Doch Gröhe wird erklären müssen, warum die Hauptlast auch künftig privat zu stemmen ist.

          Union und SPD haben im Koalitionsvertrag eine beispiellose Ausweitung der Pflegeleistungen vereinbart. Die Pflegekassen bekommen in dieser Wahlperiode 20 Prozent mehr Geld; einen solchen Sprung habe es in keiner Sozialversicherung bislang gegeben, sagt Gesundheitsminister Gröhe nicht ohne Stolz. Um das Geld muss er nicht mal betteln beim Finanzminister, es wird den Beitragszahlern in zwei Stufen abverlangt. Bislang regt sich darüber niemand sonderlich auf. Offensichtlich ist das Verständnis für den Obolus groß in einer Gesellschaft, in der die Zahl der Pflegefälle schnell wächst und sich immer mehr Menschen vor die Aufgabe gestellt sehen, die Pflege Angehöriger zu organisieren und zu bezahlen.

          Gleichwohl wird das Pflegegesetz, das Gröhe in Kürze vorlegen wird, viele enttäuschen. Denn noch dynamischer als die Einnahmen der Pflegekasse entwickeln sich die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit der Versicherung, die doch stets nur dazu gedacht war, Teile der Kosten zu decken. Die Politik hat die Erwartungen fahrlässig geschürt, indem sie einen breiten „neuen Pflegebegriff“ versprach. Gröhe wird erklären müssen, warum die Hauptlast der Pflege auch künftig privat zu stemmen ist.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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