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Griechische Unternehmer : Die Erfolgreichen schweigen

Unternehmerisch erfolgreich: Der Grieche Vassilios Katsos Bild: privat

Es gibt sie – erfolgreiche Unternehmer in Griechenland. Aber sie meiden die Öffentlichkeit. Ihnen schlägt eine feindselige Stimmung entgegen. Oligarchen haben den Ruf freier Unternehmer nachhaltig beschädigt.

          Die Gegend, die mit ironischem Unterton „das Athener Manhattan“ genannt wird, hat nichts Repräsentatives, nicht einmal einen Hauch von Glamour. Das Zentrum heißt „der Ring“ und ist ein großer vierspuriger Kreisel über der Kreuzung der achtspurigen Athener Ausfallstraße „Kifissias Avenue“ mit der sechsspurigen Autobahn „Attika Highway“ sowie einer Bahnlinie. Und doch wird hier wohl ein Viertel des griechischen Volkseinkommens erworben, gestaltet und verwaltet – vielleicht auch mehr. Hier sitzen die Zentralen von Staatsunternehmen und Privatkonzernen, Niederlassungen von ausländischen Unternehmensgruppen oder internationale Bilanzprüfer.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Nur einen Block entfernt vom „Ring“ in Athens Vorstadt Maroussi empfängt Vassilios Katsos im obersten Stock eines schmucklosen Bürohauses mit spiegelnder Glasfassade. In den aufwendig gestalteten Unternehmensbilanzen seines Unternehmens Pharmathen findet sich zumindest auf den ersten Blick keine Spur von der sechsjährigen griechischen Wirtschaftskrise. Im Gegenteil: Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit 2007 fast verdreifacht, von 360 im Jahr 2007 auf nunmehr 980 Ende 2014. Der Umsatz ist noch schneller gewachsen, von 44 Millionen Euro für 2007 auf rund 180 Millionen Euro im Jahr 2014. Die letzten Bilanzen zeigen eine begrenzte Nettoverschuldung mit abnehmender Tendenz, Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 14 Prozent des Umsatzes und eine Ertragsquote von 9 Prozent. „In diesem Umfeld, mit einem riesigen Rückgang des Volkseinkommens von 25 Prozent, muss ein griechisches Unternehmen, das sich dennoch entwickelt, natürlich besondere Charakteristika haben“, sagt Pharmathen-Präsident Katsos. Für ihn liegt der Grund des Erfolges in der frühzeitigen Orientierung an Auslandsmärkten. Eine Erfahrung in frühen Jahren war ihm eine Lehre: 1997 strich die griechische Regierung ohne Vorwarnung die beiden meistverkauften Produkte seines Pharmaunternehmens aus der Liste der erstattungsfähigen Medikamente. Katsos beschloss, in den folgenden Jahren lieber im Ausland zu expandieren. Heute kann er Wachstumschancen in mehreren Nischen nutzen: Pharmathen hatte sich zunächst auf Generika konzentriert, und für diese Sparte von Arzneimitteln wächst nun die Nachfrage, weil die Gesundheitssysteme fast überall auf der Welt sparen wollen. Inzwischen sieht sich Katsos gerüstet, mit seinen 163 wissenschaftlichen Mitarbeitern in drei eigenen Forschungslabors Generika schneller auf den Markt zu bringen als andere; wenn das wichtigste Patent für ein Arzneimittel ablaufe, könne man alle anderen weiter bestehenden Schutzmechanismen mit eigener Entwicklung umgehen. Inzwischen werden auch eigene Medikamente weiterentwickelt oder Darreichungsformen, damit etwa Antidepressiva nicht jeden Tag eingenommen, sondern nur noch alle drei Monate gespritzt werden müssen. Zwei eigene Fabriken, die letzte eröffnet 2010, mitten in den Krisenjahren, brachten mehr Arbeitsplätze und mehr Ertrag. „Zwar freut es mich, wenn wir nun zu den 50 wichtigsten einheimischen Unternehmen gezählt werden, doch zugleich wünschte ich mir für mein Land, ich hätte noch 1000 griechische Unternehmen oberhalb von uns.“

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