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Tsipras trifft Merkel : Enttäuschte Griechen

  • -Aktualisiert am

Ministerpräsident Griechenlands: Alexis Tsipras. Bild: AFP

Wirtschaftlich liegt Griechenland aktuell weiter zurück als oft angenommen. Ministerpräsident Alexis Tsipras hat viele seiner Versprechen nicht eingelöst. Ein Kommentar.

          3 Min.

          Vielversprechende Rhetorik und schönen Schein wird Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras bieten, wenn Kanzlerin Angela Merkel nun zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder nach Griechenland kommt. Tsipras wird gerne darüber sprechen, dass sein Land die Sanierungsprogramme hinter sich gelassen habe. Doch hinter der Fassade sind Griechenlands Chancen auf Wachstum und wirtschaftliche Erholung viel dürftiger als oft angenommen.

          Griechenland hat nach tiefer Krise erst 2017 ein schmales reales Wachstum von 1,5 Prozent erzielt. Erwartet worden war eigentlich, dass ein Aufholeffekt zu spüren ist und damit ein paar Jahre kräftiges Wachstum. Griechenland ist aber noch weit entfernt vom Volkseinkommen vor der Krise. Dieser historische Wert im Jahr 2007 war sicher zum Teil künstlich aufgebläht, finanziert auf Pump und angeheizt durch ein riesiges Leistungsbilanzdefizit. Doch so zäh hätte die Erholung nicht sein müssen, wenn Tsipras und sein konservativer Vorgänger Antonis Samaras die Reformvorgaben der Gläubiger entschlossen angepackt hätten. Bis 2013 fiel Griechenlands reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 73,5 Prozent des Wertes von 2007. Trotz eines ersten Hoffnungsschimmers 2014 stürzte 2015 die damals neue Regierung Tsipras mit ihrer anfänglichen Ablehnung der Sanierungsprogramme und auch des Euros die Griechen wieder in die Krise. Nach Aussage von Klaus Regling, der den Rettungsfonds ESM führt, kostete dies die Griechen zwischen 86 und 200 Milliarden Euro: 45 bis 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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