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Griechenland-Rettung : Politische Griechenlandhilfe

Der IWF räumt Fehler beim ersten Hilfspaket für Griechenland ein. Er hätte es im Nachhinein wohl vorgezogen, wenn direkt zu Beginn ein Teil der griechischen Schuld erlassen worden wäre. Doch wenn es wieder so stünde, würde wohl wieder so entschieden.

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          Das im Mai 2010 aufgelegte erste Griechenlandprogramm war immer politisch bestimmt. Die Europäer wollten keinen Schuldenschnitt, also gab es ihn nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland aus dem Schuldenschlamassel herausfinden würde, war nicht hoch. Also änderte der Internationale Währungsfonds seine Regeln, um einen Großkredit geben zu können. In Europa und im IWF ging die Angst um, ein Schuldenschnitt oder ein Euro-Austritt Griechenlands stürzte die Weltwirtschaft in einen neuen Abgrund.

          Vor diesem Hintergrund ist es possierlich, dass IWF-Ökonomen nun Fehler einräumen und bezweifeln, ob der Fonds 2010 den Kredit hätte vergeben dürfen. Der IWF ist eine politische Einrichtung, in der Regierungen und nicht Ökonomen entscheiden. Wenn es wieder so stünde, würde wieder so entschieden, und die Analysen würden entsprechend angepasst.

          Eine analoge Verschleierung betreiben die Europäer im neuen Griechenlandprogramm. Jeder weiß, dass neue Schuldenerleichterungen notwendig werden, die die Euro-Staaten auch schon zugesichert haben. Darüber wollen sie aber ungern reden. Dem IWF ist zugute zu halten, dass er sie beständig daran erinnert.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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