https://www.faz.net/-gqe-80vga

Beliebtes Reiseziel : Auf nach Kreta

  • -Aktualisiert am

Bad in Kretas Sonne am Strand von Rethymnon Bild: Felix Schmitt

Kein anderes Reiseland Europas hat in der Gunst der Deutschen so stark zugelegt wie Griechenland. Die hitzige Debatte um die Euro-Zukunft des Landes kann die Urlauber nicht schrecken. Die Türkei kann nur schwer mithalten.

          1 Min.

          Viel Sonnenschein und viele Schulden - das bietet Griechenland. Doch deutsche Urlauber scheinen sich von Debatten über eine Fortführung von Hilfen und ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone nicht beeindrucken zu lassen. Kein anderes Land Europas gewinnt so stark in der Gunst der Reisenden hinzu. Bis Ende Februar lagen die Buchungen nach Branchenangaben mehr als 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Trüber sind die Aussichten für das Land am gegenüberliegenden Ufer der Ägäis: die Türkei. Preisnachlässe sollen es richten.

          Eine Woche im Fünf-Sterne-Hotel ab 300 Euro - für Termine außerhalb der Schulferien hat eine Rabattschlacht begonnen. „Der Türkei-Urlaub wird bei uns so günstig wie seit langem nicht mehr“, wirbt der Reiseanbieter Alltours mit Nachlässen von bis zu 24 Prozent. Wettbewerber liebäugeln mit noch stärkeren Rabatten. Dabei ging es über Jahre für das Reiseland nur aufwärts, die Türkei ist zum zweitliebsten Flugziel der Deutschen nach Spanien aufgestiegen.

          Türkei lockt mit Rabatten

          Auch die Scheu vor Ägypten-Reisen lenkte Urlauber an die Strände von Bodrum und Antalya. Die Hoteliers dort witterten ein großes Geschäft. Sie hätten aber den Fehler gemacht, ihre Preise zu stark anzuheben, sagt Alltours-Geschäftsführer Markus Daldrup. Mittlerweile wurde nachverhandelt. „Aus den Zielgebieten kommen deutliche Preisnachlässe“, sagt DER-Touristik-Geschäftsführer René Herzog. Türkische Hoteliers fürchten, dass Zimmer leer bleiben. Russische Gäste - neben Deutschen eine wichtige Urlaubergruppe - kommen aktuell nur spärlich.

          Für die Hoteliers von Korfu bis Kreta läuft es besser - auch ohne Rabatte. Vom Plan der neuen Regierung, die Mehrwertsteuer für Hotels von 6 auf 13 Prozent zu erhöhen, scheint nichts geblieben. Der Tourismusverband Sete zählte 2014 insgesamt 24,5 Millionen Gäste, ein Plus von 23 Prozent. Darunter waren 2,5 Millionen Deutsche. 2,9 Prozent aller Reisen von Bundesbürgern führten dorthin, 2012 waren es laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen 1,9 Prozent. Obwohl nach dem Wahlsieg von Ministerpräsident Tsipras erst einmal weniger Buchungen eingingen, rechnen deutsche Reisekonzerne für das Gesamtjahr mit einer zweistellige Wachstumsrate. Der Verband Sete sagt mehr als 25 Millionen Gäste voraus, obwohl auch Hellas spüren dürfte, dass weniger russische Urlauber eintreffen.

          Griechische Arbeitskosten steigen

          Mehr als fünf Jahre lang waren die Löhne in Griechenland gesunken, nun hat sich der Trend offenbar gedreht. Wie eine am Mittwoch vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Übersicht ausweist, waren die Arbeitskosten in Griechenland im dritten Quartal des vergangenen Jahres um 7,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Anstieg war damit in dem Zeitraum so stark wie in keinem anderen Land der EU. In Deutschland stiegen die Kosten um 2,3 Prozent, in Frankreich um 0,5 Prozent, in Spanien, Portugal und Italien noch etwas langsamer.

          Dagegen stiegen die Arbeitskosten in den meisten östlichen EU-Staaten um 3 bis 6 Prozent. Zwar sind Quartalswerte oft mit Unsicherheiten behaftet. Doch das griechische Statistikamt hatte schon zuvor gemeldet, dass die Löhne (ohne Nebenkosten) im dritten Quartal 2014 um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen seien. Für das vierte Quartal meldete es einen Lohnanstieg um 0,3 Prozent. Die Daten sind nicht um die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage in den Quartalen bereinigt, was die Schwankungen erklären kann. Doch scheint sich zu bestätigen, dass sich die leichte Konjunkturerholung in Griechenland 2014 auch auf die Löhne ausgewirkt hat. Noch liegen die Arbeitskosten unter Vorkrisenniveau: 2009 kostete die Arbeitsstunde in Durchschnitt 17 Euro, Ende 2013 waren es 14,10 Euro. Eine Stunde in Frankreich kostete 35 Euro, hierzulande 31,70 Euro. tp./dc.

          Weitere Themen

          Im Schatten Chinas

          FAZ Plus Artikel: Indiens Wirtschaft : Im Schatten Chinas

          Die Handelsbeziehungen zu Indien sind ein schwieriges Kapitel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Erst die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes sorgte für Schwung. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.