https://www.faz.net/-gqe-73m5x

Griechenland : Drücker am Werk

  • -Aktualisiert am

Den „Rettern“ Griechenlands geht es nur noch darum, zu möglichst geringen eigenen politischen Kosten Griechenland abermals Finanzhilfen zu ermöglichen. Damit die Steuerzahler in den Geberländern weiter mitspielen, muss das griechische Zahlenwerk so aussehen, als gebe es nennenswerte Fortschritte.

          1 Min.

          Einen „Staatsbankrott“ Griechenlands hat der Bundesfinanzminister jetzt wortwörtlich ausgeschlossen. Das erstaunt, weil Griechenland einen Teilbankrott bereits hinter sich hat, schließlich wurden dem Land erst zu Jahresbeginn durch einen Schuldenschnitt Verbindlichkeiten in dreistelliger Milliardenhöhe erlassen. Ohne weiteren Erlass (sprich „Bankrott“) wird das Land nicht auf die Beine kommen, weil seine Staatsverschuldung mit mehr als 170 Prozent der Wirtschaftsleistung immer noch viel zu hoch ist, um tragbar zu sein.

          Deswegen hat Jörg Asmussen, der deutsche Vertreter im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), angeregt, die Griechen sollten ihre Schulden zum aktuell niedrigeren Kurs zurückkaufen - natürlich mit geliehenem Geld vom neuen dauerhaften Rettungsfonds ESM. Das drückte die Last, und formal leisteten die Gläubiger keinen Verzicht. Ratingagenturen dürften dies trotzdem und mit gutem Grund als „teilweisen Zahlungsausfall“ werten, doch viel tiefer kann Griechenlands Bonität ja ohnehin nicht mehr sinken. Und ob mit diesem oder einem anderen Trick - den „Rettern“ geht es erkennbar nur noch darum, zu möglichst geringen eigenen politischen Kosten Griechenland abermals Finanzhilfen zu ermöglichen. Damit die Steuerzahler in den Geberländern weiter mitspielen, muss das Athener Zahlenwerk so aussehen, als gebe es nennenswerte Fortschritte, flössen die Kredite nicht nach wie vor ins Bodenlose. Es ist ein Treppenwitz: Mussten die Griechen ihr Rechenwerk früher selbst schönen, assistieren ihnen beim Zahlendrücken nun die illustren Euro-Retter in den europäischen Hauptstädten, samt EZB und Internationalem Währungsfonds.

          Wolfgang Schäubles Glaubwürdigkeit ist im Bemühen, den Euro um jeden Preis zu bewahren, auf der Strecke geblieben. Was immer der Minister heute auch sagt - garantiert ist, dass er morgen ein Argument finden wird, das Gegenteil für richtig zu erklären. Sollten den Griechen also demnächst doch wieder Schulden erlassen werden müssen, wird Schäuble erklären, dass ein Teilbankrott natürlich kein Staatsbankrott sei, oder so ähnlich. Fatalerweise scheint die Entscheidung des Nobelkomitees, der EU den Friedenspreis zu verleihen, so manchen Euro-Retter noch in dem Glauben zu bestärken, ökonomische Gesetzmäßigkeiten könnten im Bemühen um den Erhalt der Währungsunion nun vollends außer Acht bleiben. Doch friedlicher wird das Zusammenleben nicht, wenn das wirtschaftliche Fundament nicht stimmt.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.
          Brachte Dänemark mit einem Distanzschuss in die Spur: Mikkel Damsgaard

          Spektakel gegen Russland : Furioses Dänemark erreicht EM-Achtelfinale

          Schon wenige Augenblicke vor dem Schlusspfiff liegen sich im Stadion fast alle in den Armen: Nach dem dramatischen EM-Auftakt um Christian Eriksen gelingt Dänemark am letzten Gruppenspieltag eine ganz große Leistung.
          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.