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Griechenland : Banken warnen vor Zwangs-Umschuldung

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Im Poker um den griechischen Schuldenschnitt wird mit immer härteren Bandagen gekämpft: Zunächst drohte der niederländische Finanzminister, die Gläubiger notfalls zur Umschuldung zu zwingen. Der Unterhändler der Banken antwortet nun kühl: „Ich kann davor nur warnen.“

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          Der Internationale Bankenverband (IIF) hat vor einer erzwungenen Umschuldung der Verbindlichkeiten Griechenlands gewarnt. Einige in der Europäischen Union würden möglicherweise die mit einem solchen Schritt verbundenen Risiken unterschätzen, sagte IIF-Geschäftsführer Charles Dallara am Dienstag in Zürich. „Ich kann davor nur warnen“, sagte Dallara, der im Auftrag der wichtigsten Banken, Versicherungsgesellschaften und Hedge-Fonds mit der Regierung in Athen verhandelt.

          Warnung vor ungeordnetem Staatsbankrott

          Der angestrebte Schuldenschnitt müsse „ordentlich abgewickelt“ werden und im Einvernehmen aller beteiligten Seiten erfolgen, betonte Dallara. Zugleich appellierte er an die europäische Politik, eine einvernehmliche Lösung anzustreben, um einen ungeordneten Staatsbankrotts Griechenlands zu vermeiden. „Es ist wichtig, dass alle Parteien erkennen, wie viel auf dem Spiel steht.“

          Griechenland verhandelt seit Monaten mit dem internationalen Bankenverband IIF über den Schuldenschnitt. Im Oktober war vereinbart worden, dass die privaten Gläubiger auf 50 Prozent des Nennwertes ihrer Anleihen – das entspricht rund 100 Milliarden Euro – verzichten. Sie sollen im Gegenzug neue Anleihen mit 30 Jahren Laufzeit erhalten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen.

          Zurück an den Verhandlungstisch

          Die konkrete Höhe der Zinsen für diese neuen Staatsanleihen ist allerdings seit vielen Wochen strittig. Am Wochenende war ein Modell ausgearbeitet worden, wonach Griechenland für die neuen Bonds im Schnitt vier Prozent Zinsen zahlen müsste - was gegenüber der ursprünglich vereinbarten Zinshöhe auf einen Forderungsverzicht von etwa 65 bis 70 Prozent hinausgelaufen wäre. Die Eurogruppe hatte diesen Vorschlag am Montagabend gegenüber dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos jedoch als zu teuer abgelehnt und ihn zurück an den Verhandlungstisch geschickt. Er solle den Zinssatz „klar unter 4 Prozent bringen“. Wie auch der Internationale Währungsfonds (IWF) will sie Berichten zufolge maximal 3,5 Prozent akzeptieren.

          IIF-Geschäftsführer Charles Dallara: „Es ist wichtig, dass alle Parteien erkennen, wie viel auf dem Spiel steht.“
          IIF-Geschäftsführer Charles Dallara: „Es ist wichtig, dass alle Parteien erkennen, wie viel auf dem Spiel steht.“ : Bild: Reuters

          Für den Fall, dass sich die Banken nicht weiter bewegen, hatte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager am Montag in Bezug auf den Schuldenschnitt erklärt: „Wir haben niemals gesagt, es müsse freiwillig geschehen.“ Er war damit der erste Finanzminister, der einen erzwungenen Schuldenschnitt offiziell in die Diskussion brachte.

          Gesetzliche Schritte angedroht

          Selbst wenn sich der Bankenverband mit der Regierung in Athen einigen sollte, bedeutet das aber noch nicht, dass sich tatsächlich genügend Gläubiger freiwillig an der Umschuldung beteiligen. Auch für diesen Fall hatte der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos bereits mit gesetzlichen Schritten gedroht. Die Eurogruppe hatte bislang aber auf eine freiwillige Lösung gepocht.

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