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Griechenland : Auf Rettungsreise zum überdüngten See

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Kastoria-See: Aus der Ferne betrachtet, ist er ein Idyll, doch der Teufel steckt im Detail, zum Beispiel im Wasser. Bild: Jan Grossarth

Auch der Kastoria-See in Griechenland ist ein Rettungsfall. Millionen Euro haben ihm nicht geholfen. Jetzt helfen Deutsche. Sie wollen ihn zu einer Art Bodensee machen. Doch es gibt Zweifel, ob dies gelingen kann.

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          „Und nun noch ein kleiner Muntermacher“, sagt Hans-Joachim Fuchtel. Er hält einen Prospekt von Lidl aus seiner Heimatzeitung hoch. Darin werden „griechische Spezialitäten“ beworben. Der deutsche Staatssekretär Fuchtel will seinen griechischen Zuhörern zeigen, dass es langsam aufwärts geht, dass die Deutschen Griechenland noch lieben, zumindest in Gestalt von Oliven und Fetakäse. Es ist jedoch gut, dass niemandem die Details auffallen. Das beworbene Gyros wird von einem Unternehmen mit dem Namen Oldenländer hergestellt, und der „Patros“-Fetakäse kommt von der „Hochland Deutschland GmbH“ aus dem Allgäu.

          Die Stadt Kastoria frisst sich auf einer Halbinsel in den See, die Landschaft ist idyllisch, aber aus der Nähe betrachtet wirkt vieles, als sei der Ort im Abstieg begriffen. Es gibt Bauruinen, bröckelnde Fassaden, die meisten Häuser sind Zweckbauten aus den Siebziger Jahren. Und auch der See krankt. Das soll besser werden. Deshalb ist Fuchtel hier. Der Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete für die CDU aus dem Schwarzwald koordiniert im Auftrag der Bundesregierung die Deutsch-Griechische Versammlung. Sie soll Bürger, Vereine und Kommunen vernetzen, damit sich diese selbst helfen, nachdem Subventionen und Fördermillionen die Probleme nicht gelöst haben - weder die Griechenlands, noch die des Sees.

          Was kann bürgerschaftliche Hilfe bringen in einem Land, das politisch und wirtschaftlich am Rand des Abgrunds steht? Kann sie wenigstens einen See retten?

          Bild: F.A.Z.

          Das Wasser des Sees ist grün vor Algen, Schaumbläschen schwimmen darauf. Niemand badet darin, die Touristen bleiben weg - 80 Prozent weniger Gäste als im Vorjahr kamen in diesem Frühling angeblich. Das lag nicht nur an der schlechten Wasserqualität, sondern vor allem an der Krise. Die meisten Gäste waren aus Thessaloniki gekommen, doch viele haben nun keine Arbeit mehr oder ein Drittel weniger Einkommen; und dann ist auch noch der Spritpreis wegen Steuererhöhungen auf 1,85 Euro gestiegen, was die zweistündige Anreise für viele unbezahlbar macht. Was die Seenot betrifft, machen die Kommunalpolitiker in Kastoria „die Landwirtschaft“ verantwortlich. Die Bauern düngen ringsum und spritzen Pestizide auf Apfelbäume und Bohnenbüsche. Wenn die EU mehr Geld für den Öko-Anbau zahlen würde, ginge es dem See gut, sagt man im Rathaus. Aber es gibt auch andere Gründe als fehlende Förderung, über die nicht gern gesprochen wird. Zum Beispiel ist die Abwasserklärung schlecht organisiert. Viele Haushalte leiten ihre Fäkalien direkt in den See. Das erfuhr ein Mitglied der Fuchtel’schen Delegation beim letzten Besuch zufällig von Bürgern.

          Schon als Fuchtel, ein barocker Herr mit grauem Schnauzbart, braunen Locken und rosa Krawatte, im Winter erstmals Kastoria besuchte, dachte er: Dieser herrliche See, er müsste werden wie unser Bodensee. Mit klarem Wasser, Radwegen und Bauernhofpensionen. Es müsste nur alles etwas besser organisiert sein. Deswegen hat Fuchtel auf diese Seerettungs-Reise nun also Gewässer- und Obstfachleute mitgebracht, wie auch seinen Parteifreund Lothar Riebsamen, der die Bodenseeregion im Bundestag vertritt.

          Griechische Woche: Rettungs-Koordinator Hans-Joachim Fuchtel (rechts) mit einem kleinenMuntermacher macht Mut.
          Griechische Woche: Rettungs-Koordinator Hans-Joachim Fuchtel (rechts) mit einem kleinenMuntermacher macht Mut. : Bild: Jan Grossarth

          Fuchtel war schon vier Mal in Griechenland. Er merkte schnell, dass es nicht nur an guten Ideen fehlt. Es gibt Widerstand gegen jede Reform. Der Bürgermeister von Thessaloniki etwa strich seinen Beamten die Bezahlung für (angeblich selten wirklich geleistete) Überstunden, woraufhin Unbekannte 1000 Reben auf seinem Weingut zersägten. Ob die Staatsbeamten oder die Gewerkschaften - irgendjemand scheint mit Mafiamethoden um die Macht zu kämpfen.

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