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Markenanwalt übt Kritik : Greta Thunberg will Fridays for Future als Marke schützen lassen

Ist das Ihre Marke? Greta Thunberg nimmt am 20. Dezember 2019 an einer Demonstration in Stockholm teil. Bild: dpa

Ist „Fridays for Future“ eine Marke? Greta Thunberg sieht das offenbar so und die zuständige europäische Behörde auch. Das deutsche Markenamt ist anderer Meinung. Die deutsche Bewegung war mit einem ähnlichen Versuch gescheitert.

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          Greta Thunberg will „Fridays for Future“ als Marke schützen lassen. Das geht aus dem Register des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (Euipo) hervor. „Die Zeit“ berichtete als erstes über den Vorgang.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Demnach hat die Stiftung „The Greta Thunberg and Beata Ernman Foundation“ kurz vor Weihnachten am 23. Dezember 2019 die Marke „Fridays for Future“ angemeldet. Beata Ernman ist die kleine Schwester der Klimaschutzaktivistin Thunberg. Ein Sprecher sagte der Wochenzeitung, die Stiftung sei von Thunberg und ihrer Familie gegründet worden und wolle ökologische, klimatische und soziale Nachhaltigkeit und psychische Gesundheit fördern. Es handele sich um ein wichtiges Mittel, um transparente Spenden zu ermöglichen.

          Carla Reemtsma, Sprecherin des deutschen Ablegers von „Fridays for Future“, gab sich gegenüber der F.A.Z. überrascht über den Vorgang. Man sei nicht informiert gewesen, gibt sie zu verstehen. Zudem habe man in Deutschland ähnliches versucht, sei aber gescheitert: „Es gab Überlegungen, die Marke auch in Deutschland zu schützen. Das war nicht möglich, da der Begriff zu geläufig ist“, sagte sie. Man habe so aktivem Missbrauch vorbeugen wollen und nie die Intention gehabt, T-Shirts zu produzieren.

          Markenanwalt kritisiert Entscheidung

          Der Markenanwalt Oliver Löffel erklärt gegenüber der F.A.Z.: „Das deutsche Markenamt ist viel strenger als das europäische. Deshalb ist eine beliebte Strategie unter Markenrechtsanwälten: Wenn die das in Deutschland nicht durchkriegen, ist die Chance beim Euipo viel größer.“ Offenbar ohne das abgestimmt zu haben, hat Fridays for Future diese Strategie nun kopiert.

          Löffel kritisiert die Entscheidung des europäischen Amts, die Anmeldung zu veröffentlichen und damit grundsätzlich zu bestätigen, dass die Marke „Fridays for Future“ geschützt werden kann. „Ich bin der Meinung, dass der Marke die Unterscheidungskraft fehlt“, sagt Löffel. „Warum soll die Bezeichnung einer globalen Bewegung monopolisiert werden zugunsten einer Stiftung?“ Aus markenrechtlicher Sicht sei entscheidend, wie ein Ausdruck aus Sicht des Verbrauchers wahrgenommen werde: „Aus meiner Sicht wird diese Bezeichnung immer nur als Name für die Bewegung verstanden.“

          Ein Sprecher des deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) wollte die Euipo-Entscheidung auf Anfrage der F.A.Z. nicht kommentieren. Es handele sich um voneinander unabhängige Behörden. Er bekräftigte jedoch die DPMA-Entscheidung: Die Wortfolge „Fridays für Future“ bezeichne einen Klima- oder Schulstreik. Damit handele es sich um „eine beschreibende Sachangabe“, die „nicht als Marke verstanden wird“.

          Hoher Markenwert

          Wie viel die Marke „Fridays for Future“ wert sein könnte, wurde bisher noch kaum von Fachleuten berechnet. Karsten Göbel ist Gründer und Chef der Werbeagentur Super an der Spree, die auch häufig für Nichtregierungsorganisationen und politische Parteien arbeitet. Er meint: „Der Markenwert von Fridays for Future ist höher als der der deutschen Top-Bundesligaklubs zusammen, und ein Vielfaches höher als der von Bayern München.“

          Er erläutert: „Wenn Analysehäuser den Markenwert schätzen, legen die die Markenbekanntheit und die Markenverwendung zugrunde.“ Die Markenbekanntheit von Fridays for Future sei auf der ganzen Welt sehr hoch, könne eventuell sogar an Coca Cola heranreichen. Und da die Marke angesichts der vielen Demonstrationen häufig verwendet werde, sprechen beide Faktoren für einen hohen Markenwert.

          Dass Thunberg diesen Schritt nun vermutlich wählt, um die Bezeichnung vor Missbrauch zu schützen, kann er einerseits nachvollziehen. Zudem sei ja auch Greenpeace eine Marke und auch aus der Umweltschutzbewegung sei die Marke „Die Grünen“ hervorgegangen. Allerdings werde dadurch aus einer offenen Bewegung ein geschlossener Kosmos. Das sei aus Sicht politisch Interessierter natürlich „sehr uncool“.

          „Fridays for Future“-Sprecherin Reemtsma erklärt zur Begründung, warum man die Marke in Deutschland habe eintragen lassen wollen. „Die Popularität des Namen 'Fridays For Future' wurde für Profit ausgenutzt: Es wurden beispielsweise T-Shirts zu katastrophalen Bedingungen in Asien produziert und auf Amazon verkauft“, ohne dass die Bewegung damit etwas zu tun gehabt habe. Zudem habe es intern Beratungen gegeben: „Wir haben darüber mal diskutiert: Machen wir jetzt Merchandise? Da war die Bewegung deutlich dagegen“, sagt Reemtsma. Auf der Internetseite der deutschen Bewegung steht deshalb auch, das einzige offizielle Produkt sei ein Festivalarmband. Man solle Abstand nehmen von allen anderen Produkten, die versuchten, mit dem Namen der Bewegung Geld zu verdienen.​

          Thunbergs Anmeldung auf europäischer Ebene erfolgte für unterschiedlichste Bereiche, in denen die Schwedin die Marke dann gelten machend könnte: für Werbung, das Versicherungs- und Finanzwesen und das Sammeln von Spenden, den Bildungsbereich und für die Wissenschaft.

          Schon einige Wochen davor, am 5. November 2019, hatte die Klimaschutzaktivistin Janine O’Keeffe, die als Vertraute von Thunberg gilt, die Marke für Bereiche angemeldet, die eher in Richtung Merchandise gehen, für Kleidung, Rucksäcke und Taschen beispielsweise. Man plane jedoch nicht, die Marke zu verwenden, um damit Geld zu verdienen, sagte O’Keeffe der Zeitung „Die Zeit“. Stattdessen solle der Name vor Missbrauch geschützt werden.

          Nach der Veröffentlichung der Anmeldung läuft eine Widerspruchsfrist von drei Monaten. Innerhalb derer können andere Unternehmen und Organisationen gegen die Eintragung als Marke vorgehen.

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