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Grenzen des Marktes : Nicht alles sollte für Geld zu haben sein

Ist das schlimm? Man könnte argumentieren, auch Parteien müssen sich irgendwie finanzieren, ein hohes Spendenaufkommen schont den Geldbeutel des Steuerzahlers. Zugleich kann man sich aber vermutlich relativ leicht darauf verständigen, dass es dem Prinzip einer demokratischen Wahl widerspricht, wenn das Geld, das jemand zur Verfügung hat, über die Zahl der Wählerstimmen entscheidet.

Die Idee der demokratischen Wahl ist schließlich, dass jeder den gleichen Einfluss auf die künftige Politik haben soll, unabhängig von seinem Geldbeutel. Bei Wahlen soll das Prinzip der Demokratie gelten – nicht das Marktprinzip. Doch je aufwendiger eine Wahlkampagne ist, desto leichter erreichen die politischen Argumente den Wähler. Der finanzielle Einsatz kann die Wahl beeinflussen.

In Deutschland erhielt die Debatte um die Käuflichkeit von Politik und Staat neuen Auftrieb durch die Vorgänge um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff. Das ganze Land empörte sich. In Erinnerung geblieben ist vor allem ein Satz des Filmunternehmers David Groenewold aus der Zeit, als Wulff noch Ministerpräsident in Niedersachsen war: „Ich sehe jetzt den Ministerpräsidenten. Soll ich etwas plazieren?“ Das klang sehr nach Käuflichkeit der Politik.

  • Geschützte Tiere: 150.000 Dollar für eine Nashornjagd?

Für 150.000 Dollar kann man in Südafrika Jagd auf eines der vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner machen. Die geschützte Tierart darf zwar eigentlich nicht geschossen werden. Die Regierung hat aber Ranchern, die sich um die Tiere kümmern, den Verkauf von begrenzten Jagdrechten erlaubt.

Die Idee: Zwischen 1970 und 1992 sank die Population dieser Nashörner in Afrika von 65 000 auf weniger als 2500. Obwohl die Jagd verboten war, waren die meisten afrikanischen Regierungen nicht in der Lage, die Tiere vor Wilddieben zu schützten. Südafrika ließ deshalb den Verkauf einer begrenzten Zahl von Nashorn-Jagden zu, um privaten Ranchern einen Anreiz zu geben, besser auf die wertvollen Tiere aufzupassen und ihnen Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Angeblich funktionierte das Ganze, wie Michael Sandel in dem Buch „What Money can’t buy“ schreibt. Zumindest ging die Population weniger stark zurück als in Kenia, wo die Jagd verboten ist, aber der Lebensraum für die Nashörner schwindet. Für die Nashornjagd wurde damit geworben, dass man ein unvergleichbares Erlebnis habe und zugleich etwas Gutes für den Bestand der Nashörner tue. Trotzdem bleibt ein komisches Gefühl dabei: reiche Russen, die einen Kick brauchen (solche gehörten zu den Jägern), für viel Geld geschützte Tiere abschießen zu lassen.

  • Leben und Tod: 200 Millionen Euro für Wetten auf die Restlebenszeit von Menschen?

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat kurz vor seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank noch mit einer umstrittenen Praxis aufgeräumt: Die Bank zahlt Anleger eines Fonds namens „Kompass Life 3“ aus, mit dem man auf die Restlebenszeit von Menschen wetten konnte. Der Fonds (Volumen: 200 Millionen Euro) war der umstrittenste von drei Lebensversicherungsfonds der Bank. Normalerweise kaufen solche Fonds die Lebensversicherungen von Menschen auf, die Geld brauchen, um nach deren Tod die Versicherungsprämie zu kassieren. Das ist ein Geschäft, das makaber klingt, von dem aber beide Seiten profitieren. Schließlich ist es sonst manchmal gar nicht so einfach, eine Lebensversicherung ohne Verluste wieder aufzulösen.

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