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Grenzen des Marktes : Nicht alles sollte für Geld zu haben sein

Selbst, wer bei Polizeiautos mit Werbung keine Bedenken hätte, wäre sicherlich dagegen, dass man Stimmen bei einer Wahl für Geld kaufen kann. Die Würde einer Regierung, ja eines Staates ist dahin, wenn ihre konstituierende Veranstaltung käuflich wird. Es ist nichts Geringeres als das Prinzip der Demokratie, das hier das Markt-Prinzip schlägt: Jeder soll bei einer Wahl mit seiner Stimme die gleiche Möglichkeit haben, über die künftige Politik im Staat mitzuentscheiden - und zwar gerade unabhängig von seinem Vermögen.

Der „Crowding out“-Effekt beim Bluthandel

Es gibt sogar Fälle, in denen die Einführung eines Preises für Dinge dazu führt, dass weniger angeboten wird. Ökonomen sprechen von „Crowding out“, einer unerwünschten Verdrängung von moralischem durch marktmäßiges Verhalten. Als Musterbeispiel gilt der Bluthandel: Ein Vergleich des Sozialforschers Richard Titmuss 1970 zwischen England, wo Blutkonserven nur von freiwilligen Spendern kamen, und Amerika, wo dafür gezahlt wurde, zeigte: Das System in England klappte besser. Die Mittelschicht in Amerika fühlte sich offenbar nicht mehr moralisch verpflichtet, Blut zu spenden, weil das ja kommerziell geregelt war. Menge und Qualität des gespendeten Blutes nahmen ab. Was für ein Rückschritt!

  • Menschliche Organe: 70.000 Euro für eine Niere?

Der Organspende-Skandal hat die Diskussion wieder aufgebracht: Bei Organen für Transplantationen gibt es erheblich mehr Nachfrage als Angebot. 12 000 Menschen warten allein in Deutschland auf eine Niere – viele sterben, bevor sie drankommen. Es gibt Ökonomen, die vorschlagen, den heute illegalen Handel mit Organen zu legalisieren. Auf dem Schwarzmarkt werden Nieren für 50 000 bis 70 000 Euro angeboten – es soll auch Fälle geben, in denen Organempfänger den Spendern Erbschaften in Aussicht stellen.

Würde dieser Handel legalisiert, hätte das vermutlich zwei Folgen: Mehr Menschen würden Organe spenden, weil es Geld dafür gibt. Zugleich würde der Preis gegenüber dem Schwarzmarkt sinken. Es könnten also mehr Leben gerettet werden. Bislang ist allerdings herrschende Auffassung unter Juristen, dass Organhandel gegen Geld mit der Menschenwürde unvereinbar ist. Arme Menschen könnten gedrängt sein, aus Not ihre Organe zu verkaufen. Heikel wäre auch, wenn sich nur noch Reiche neue Nieren leisten könnten. Das allerdings könnte man verhindern, wenn die Krankenkasse die Kosten für den Organkauf übernimmt.

  • Der Staat: 750 Millionen Dollar für Wählerstimmen?

Geld wird bei Wahlen immer wichtiger. Besonders auffällig ist das in Amerika: Dort wird der Wahlkampf gerade wieder zur Materialschlacht. Sie konzentriert sich vor allem auf die sogenannten „Battle States“ – jene Staaten, in denen mal die Republikaner, mal die Demokraten gewinnen. Für diese Schlacht bekommen die Kandidaten gewaltige Summen an Spenden: Immerhin 750 Millionen Dollar standen Barack Obama beim letzten Wahlkampf zur Verfügung, etwa drei Dollar je Wähler. Herausforderer John McCain brachte es „nur“ auf 450 Millionen Dollar. Bereits jetzt ist absehbar, dass der gegenwärtige Wahlkampf wieder alle Rekorde brechen dürfte.

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