https://www.faz.net/-gqe-rwlv

Greenspans Leistung : „Die Glaubwürdigkeit der Fed wiederhergestellt“

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Allan Meltzer, der wohl beste Kenner der amerikanischen Zentralbank, über die Leistungen und Fehltritte Greenspans.

          1 Min.

          Allan Meltzer gilt als einer der besten Kenner der amerikanischen Geldpolitik. Der bald 78 Jahre alte Ökonom, der an der Carnegie-Mellon Universität in Pittsburgh lehrt und forscht, arbeitet derzeit am zweiten Band einer Geschichte der Federal Reserve. Meltzer lobt Greenspan - und übt Kritik.

          Herr Meltzer, wie bewerten Sie die Leistungen von Alan Greenspan?

          Greenspan hat drei Dinge erreicht: Er hat die Glaubwürdigkeit der Federal Reserve als Hüterin einer stabilen Währung mit niedrigen Inflationsraten wiederhergestellt. Zweitens hat er die Geldpolitik nicht mehr prozyklisch, also zur Verstärkung des Konjunkturtrends, sondern antizyklisch zur Glättung von Konjunkturschwankungen eingesetzt. Ganz offensichtlich ist dies während der Rezession 2001 geworden, als Greenspan die Zinsen sehr schnell und sehr kräftig senkte. Das hat dem Konsum geholfen und damit den Abschwung gebremst.

          Und drittens?

          Greenspan hat zwar vielen Kritikern innerhalb und außerhalb der Regierung zugehört, aber zugleich die Unabhängigkeit der Notenbank wiederhergestellt.

          Gibt es auch irgend etwas, das Sie Greenspan vorhalten?

          Er hat es versäumt, seinen Ansatz in der Geldpolitik zu institutionalisieren, und er hat die Federal Reserve in viel stärkerem Maße und ganz ausdrücklich in die Verantwortung für internationale Entwicklungen genommen. Das ist eine der bedeutendsten Veränderungen in der Greenspan-Ära: daß die Fed Verantwortung für die Weltwirtschaft übernommen hat und sich nicht mehr ausschließlich um die Sicherung der Preisstabilität und eines hohen Beschäftigungsstands im Inland kümmert.

          Vor welchen Herausforderungen steht Greenspans Nachfolger Ben Bernanke?

          Es muß ihm gelingen, die unter Greenspan und dessen Vorgänger Paul Volcker eingeschlagene Ausrichtung der Geldpolitik auf niedrige Inflationsraten und ein stetiges Wachstum beizubehalten.

          Bernanke plädiert für eine Formalisierung der Geldpolitik in Gestalt eines direkten Inflationsziels. Was halten Sie davon?

          Eine stärker regelgebundene Geldpolitik ist mir sehr sympathisch. Der größte Vorteil einer solchen Strategie besteht in der Verläßlichkeit: Die Marktteilnehmer wissen, was sie von der Geldpolitik zu erwarten haben, und können entsprechend handeln. Außerdem können Regeln die Notenbank disziplinieren, falls diese sich vom versprochenen Pfad entfernt. Natürlich können die Währungshüter eine Abweichung vom Kurs immer damit begründen, daß unvorhergesehene Herausforderungen zu bewältigen sind, beispielsweise eine Liquiditätskrise.

          Weitere Themen

          Was Kunden jetzt wissen müssen Video-Seite öffnen

          Nach VW-Urteil : Was Kunden jetzt wissen müssen

          Fast fünf Jahre nach Bekanntwerden des VW-Dieselskandals hat der Bundesgerichtshof sein Grundsatzurteil zu Schadenersatzklagen betroffener Autokäufer verkündet. Was bedeutet dieses konkret für die Kunden?

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Bodo Ramelow

          Thüringens Vorstoß : Ramelow verteidigt seinen Corona-Kurs

          „Wir müssen aus dem Krisenstatus raus“, sagt Thüringens Ministerpräsident Ramelow. Bayerns Innenminister Herrmann nennt dessen Lockerungskurs „unverantwortlich“ – und droht vage mit Gegenmaßnahmen.
          Entscheiden ist die Einsicht, welche Verträge notwendig oder überflüssig sind: Hier heißt das Gebot der Stunde nicht Altersvorsorge, sondern Risikoabsicherung und Eigenheimfinanzierung.

          Die verlorenen Jahre : Was Gutverdiener finanziell oft falsch machen

          Bei Abschlüssen von Geldanlagen, Krediten und Versicherungen hapert es oft an der Einsicht, welche Verträge notwendig oder überflüssig sind: Gedanken an die Altersvorsorge taugen nicht, wenn das finanzielle Gerüst im Hier und Jetzt nicht passt.
          Streitgespräch über Schulen in Corona-Zeiten: „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Privatisierung der Schulpflicht

          „Vorsicht, Explosionsgefahr.“ Mit diesen Worten begann Frank Plasberg seine Sendung über die Schulen in der Coronakrise. Allerdings wurde nicht deutlich, was uns allen um die Ohren zu fliegen droht..

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.