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Im Überlebenskampf : Das Great Barrier Reef leidet unter der dritten Hitzewelle

Einzigartig und bedroht: Das Great Barrier Reef in Australien Bild: dpa

Nach der deutlichen Erwärmung in den vergangenen Monaten fehlt dem größten Korallenriff der Welt die Kraft. Das ist für Umwelt und Wirtschaft dramatisch.

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          Die Rekordhitze der vergangenen Monate in Australien zerstört das Great Barrier Reef weiter. Zum dritten Mal in kurzer Zeit wird das Riff von einer großen Korallenbleiche heimgesucht. „Wir können bestätigen, dass das Great Barrier Reef seine dritte Massenbleiche innerhalb von fünf Jahren durchleidet“, sagte David Wachenfeld, der Chefwissenschaftler der staatlichen Riffbehörde.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das warme Wasser lässt die Korallen ihre Algen und damit ihre Farbe verlieren, viele von ihnen sterben. „Der Klimawandel bleibt die größte einzelne Herausforderung für das Riff“, erklärten die Beamten.

          Australien setzt unter anderem weiter massiv auf Kohlekraft, die zum Klimawandel beiträgt. Schon im vergangenen Jahr, vor dieser Hitzewelle, sah sich die Regierung gezwungen, den Ausblick für das Riff von „ärmlich“ auf „sehr ärmlich“ herabzustufen.

          Im Februar erreichten die Wassertemperaturen wiederum ein Rekordhoch. Sie lagen 1,25 Grad über dem Normalwert und wurden getrieben von demselben Wettermuster, das auch die verheerenden Brände in Australien noch einmal angeheizt hatte. „Das Riff bleibt unter dem Hitzestress, der sich über den Sommer 2019/20 gebildet hat, insbesondere im Februar und März dieses Jahres, und der zu den Bleichen führt“, heißt es von Seiten der Behörde.

          „Stärkster möglicher Kampf gegen den Klimawandel“

          Schon in den Jahren 2016 und 2017 war es durch wärmeres Seewasser zu großen Bleichen gekommen, die zwei Drittel des Riffs ernsthaft beschädigt hatten. Wissenschaftler erklärten damals, das Riff brauche nun zehn Jahre, um zu heilen. „Das Riff hatte gerade erst begonnen, sich von den Ereignissen 2016 und 2017 zu erholen und jetzt haben wir die dritte Welle. Der Klimawandel lässt sie häufiger auftreten und härter ausfallen“, sagte Wachenfeld. „Wir müssen solche Wärmeereignisse als weltweiten Ruf nach dem stärksten möglichen Kampf gegen den Klimawandel verstehen.“

          Im vergangenen Jahr schon hatte der bekannte Riff-Forscher Terry Hughes von der australischen James Cook Universität gewarnt: „Tote Korallen bekommen keine Babys.“ Er fürchtete, dass dem Riff bei einer weiteren Hitzewelle die Kraft zu Regeneration genommen werde. „Die Zahl neuer Korallen, die sich im Great Barrier Reef niederlassen, ist nach dem noch nie dagewesenen Verlust erwachsener Korallen durch die Hitzewellen 2016 und 2017 um 89 Prozent gesunken“, sagte Hughes.

          Das ist eine Umweltkatastrophe von Weltrang, aber auch eine wirtschaftliche Krise. Das Riff trägt jährlich rund 6,4 Milliarden Australische Dollar (3,5 Milliarden Euro) zur Wirtschaft Australiens bei und gibt 70.000 Menschen Arbeit. Die Regierung des Bundesstaates Queensland schätzt, dass über zehn Jahre 16 Milliarden Dollar zum Schutz des Riffs benötigt werden.

          Nach der dritten Bleiche wird es für Australien schwierig, weiterhin zu vermeiden, dass das gut 2300 Kilometer lange Naturwunder in seiner Obhut nicht doch auf die Liste der gefährdeten Naturdenkmäler der Vereinten Nationen gesetzt wird. Zuletzt hatte Australien enormes diplomatisches Geschick aufwenden müssen, um die rufschädigende Einordnung noch zu vermeiden.

          Wie viel geschützter Wald den Flammen der vergangenen Monate zum Opfer gefallen ist, ist derweil weiterhin offen. Im vergangenen Jahr hatte die Riffbehörde ihren Fünfjahresbericht vorgelegt. Schon darin hieß es, dass rund 40 Prozent „in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand“ seien und „einige kritische Funktionen des Ökosystem seit 2014 schwinden“.

          Bei zu hohen Wassertemperaturen stoßen die Nesseltiere die für die Färbung sorgenden Algen ab, mit denen sie sonst in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Nutzen zusammenleben. Ohne die Zooxanthellen aber können sie nicht überleben.

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