https://www.faz.net/-gqe-9k1e4

Gorch-Fock-Kommentar : Ein Marinekrimi

  • -Aktualisiert am

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor dem verhüllten Segelschulschiff „Gorch Fock“ Bild: dpa

Warum ist die ganze Geschichte von Misswirtschaft, Korruption und Untreue um die „Gorch Fock“ nie jemandem aufgefallen? Es mussten schon Minister für weniger gehen.

          Wenn sich Autoren von Kriminalromanen treffen, fallen gelegentlich scherzhafte Bemerkungen, dass die Wirklichkeit ihre Phantasie und ihre Werke deutlich übertreffe. Was in den vergangenen Wochen rings um die Sanierung der „Gorch Fock“ bekannt geworden ist, bestätigt das.

          Da steigen Sanierungskosten von 10 auf mittlerweile geschätzte 135 Millionen Euro. Werftvorstände sollen ungestört durch dubiose Firmengeflechte und merkwürdige Kredite Geld veruntreut haben. Ein Honorarkonsul spielt mit, und eine „Soko Wasser“ ermittelt. Die neue Unternehmensführung entdeckt Millionenlücken in den Büchern. Zeitpläne werden nicht eingehalten. Das Verteidigungsministerium winkte derweil Kostensteigerungen munter durch. Die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen hat ja ohnehin schon Probleme mit überhöhten Beraterhonoraren und nicht einsatzfähigen Streitkräften.

          Man braucht nicht viel Phantasie, um daraus eine ganze Krimiserie „Neues aus dem Bendlerblock“ zu machen. Manches spricht dafür, die „Gorch Fock“ jetzt unter neuer Führung der Werft nach einer Insolvenz in Eigenverwaltung und strenger Kostenkontrolle fertig zu bauen. Die Ministerin allerdings muss sich die Frage gefallen lassen, warum diese ganze Geschichte von Misswirtschaft, Korruption und Untreue nie irgendjemandem aufgefallen ist. Es mussten schon Minister für weniger gehen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ford streicht 7000 Stellen Video-Seite öffnen

          Sanierungsprogramm : Ford streicht 7000 Stellen

          Durch den Sparkurs sollen pro Jahr etwa 600 Millionen Dollar eingespart werden. Neben dem Abbau Tausender Stellen sind auch Werksschließungen nicht ausgeschlossen.

          Kein Android mehr für Huawei? Video-Seite öffnen

          Google-Boykott : Kein Android mehr für Huawei?

          Google kappt in weiten Teilen seine Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Hightech-Konzern Huawei. Damit beugt sich Google nach eigenen Angaben dem neuen Dekret von Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zur Telekommunikation. Das könnte weitreichende Folgen für Huawei-Nutzer haben.

          Topmeldungen

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte der dreimalige Weltmeister Erfolge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.