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Gorch-Fock-Kommentar : Ein Marinekrimi

  • -Aktualisiert am

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor dem verhüllten Segelschulschiff „Gorch Fock“ Bild: dpa

Warum ist die ganze Geschichte von Misswirtschaft, Korruption und Untreue um die „Gorch Fock“ nie jemandem aufgefallen? Es mussten schon Minister für weniger gehen.

          Wenn sich Autoren von Kriminalromanen treffen, fallen gelegentlich scherzhafte Bemerkungen, dass die Wirklichkeit ihre Phantasie und ihre Werke deutlich übertreffe. Was in den vergangenen Wochen rings um die Sanierung der „Gorch Fock“ bekannt geworden ist, bestätigt das.

          Da steigen Sanierungskosten von 10 auf mittlerweile geschätzte 135 Millionen Euro. Werftvorstände sollen ungestört durch dubiose Firmengeflechte und merkwürdige Kredite Geld veruntreut haben. Ein Honorarkonsul spielt mit, und eine „Soko Wasser“ ermittelt. Die neue Unternehmensführung entdeckt Millionenlücken in den Büchern. Zeitpläne werden nicht eingehalten. Das Verteidigungsministerium winkte derweil Kostensteigerungen munter durch. Die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen hat ja ohnehin schon Probleme mit überhöhten Beraterhonoraren und nicht einsatzfähigen Streitkräften.

          Man braucht nicht viel Phantasie, um daraus eine ganze Krimiserie „Neues aus dem Bendlerblock“ zu machen. Manches spricht dafür, die „Gorch Fock“ jetzt unter neuer Führung der Werft nach einer Insolvenz in Eigenverwaltung und strenger Kostenkontrolle fertig zu bauen. Die Ministerin allerdings muss sich die Frage gefallen lassen, warum diese ganze Geschichte von Misswirtschaft, Korruption und Untreue nie irgendjemandem aufgefallen ist. Es mussten schon Minister für weniger gehen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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