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„Biologisch weniger geeignet“ : Google feuert Mitarbeiter nach umstrittenem Manifest

Google-Chef Pichar unterbrach wegen der Debatte sogar seinen Urlaub. Bild: Reuters

Frauen seien biologisch weniger für Erfolg in der Tech-Industrie geeignet als Männer, schrieb ein Google-Mitarbeiter und sorgte für eine Debatte über Sexismus. Nun wurde ihm gekündigt.

          Der amerikanische Internetkonzern Google hat einen Mitarbeiter gefeuert, der zuvor mit einem Manifest eine neue Debatte über Sexismus losgetreten hatte. Der Mitarbeiter bestätigte seine Kündigung in der Nacht zum Dienstag dem Finanzdienst Bloomberg. Er vertrat die Meinung, Frauen seien biologisch weniger für den Erfolg in der Technologieindustrie geeignet als Männer.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In einer internen Nachricht argumentierte er, der niedrige Anteil von Frauen in der Branche erkläre sich nicht nur mit Diskriminierung, sondern auch mit „biologischen Differenzen“. Er schrieb, Frauen seien im Schnitt neurotischer als Männer und mehr „auf Gefühle und Ästhetik als Ideen ausgerichtet“. Er nannte Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen einen „Mythos“ und beklagte eine „politisch korrekte Monokultur“ in seinem Unternehmen. Er kritisierte außerdem die verschiedenen Programme rund um Förderung von Vielfalt („Diversity“) der Belegschaft bei Google. Das Schreiben wurde anonym verbreitet, es soll aber von einem Softwareentwickler verfasst worden sein.

          Entrüstung in sozialen Medien

          Die Nachricht sorgte sowohl intern als auch in sozialen Netzwerken für einen Sturm der Entrüstung. Mehrere Führungskräfte von Google sahen sich gezwungen, Stellung zu beziehen. Ari Balogh, zu dessen Mitarbeitern der Autor offenbar gehört, sagte, er sei „tief beunruhigt“ von der „Stereotypisierung“ in dem Text. Danielle Brown, die erst kürzlich von Google zur „Diversity“-Verantwortlichen im Unternehmen berufen wurde, sagte, das Schreiben propagiere „inkorrekte Annahmen über das Geschlecht“.

          Google-Chef Sundar Pichar unterbrach daraufhin seinen Urlaub und verschickte eine E-Mail an die Belegschaft, die der Konzern später auch veröffentlichte. Der Text habe gegen interne Verhaltensregeln verstoßen. „Es sei beleidigend und nicht Okay“ zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten. Mit der Verbreitung solcher Stereotypen über die Geschlechter habe der Mitarbeiter eine Linie überschritten. Zu der Kündigung äußerte Pichar sich nicht direkt.

          Die Aufregung um den Google-Mitarbeiter bringt die Technologieindustrie ein weiteres Mal wegen Sexismus-Vorwürfen in die Schlagzeilen. Die Branche ist schon seit geraumer Zeit als ein schwieriges Revier für Frauen bekannt. In Google und anderen Unternehmen wie Facebook sind kaum mehr als 30 Prozent der Belegschaft weiblich.

          Nach einer Studie der amerikanischen Gleichstellungsbehörde EEOC aus dem vergangenen Jahr liegt der Frauenanteil in der Technologieindustrie weit unter dem Durchschnitt aller Branchen. In diesem Jahr schlug ein Blogeintrag einer früheren Mitarbeiterin des Fahrdienstes Uber hohe Wellen, die ein frauenfeindliches Umfeld in dem Unternehmen beklagte. Google ist zum Gegenstand von Ermittlungen des amerikanischen Arbeitsministeriums geworden und wurde von ihm beschuldigt, Frauen weniger zu bezahlen als Männern.

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