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Golf : Kaymer sichert Europa den Ryder Cup

  • -Aktualisiert am

Team Europa hat den Cup: der Deutsche Kaymer (im Foto rechts) und seine siegreiche Mannschaft Bild: REUTERS

Deutschlands Golfstar Martin Kaymer führt das Team Europa abermals zum Sieg beim Ryder Cup. Mit einem Putt aus knapp zwei Metern Entfernung sorgt er für den entscheidenden Punkt gegen Gastgeber Amerika.

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          Martin Kaymer ballte die Fäuste, sprang dem aufs 18. Grün gelaufenen Spanier Sergio Garcia in die Arme. Die restlichen Mannschaftskameraden führten ein Freudentänzchen auf. Der 27-jährige Profi aus Mettmann hatte gerade am späten Sonntagnachmittag die größte Nervenprobe im Golf mit Bravour bestanden. Er versenkte auf dem 18. Grün aus zwei Metern den Putt, der diesen 39. Ryder Cup in Medinah entschied. Dank seines Pars holte der Rheinländer mit einem „1 auf“-Sieg (ein mehr gewonnenes Loch) gegen Steve Stricker den entscheidenden 14. Punkt, der zum Gleichstand gereicht hätte – und damit war klar, dass der Titelverteidiger aus Europa den kleinen Goldpokal auf jeden Fall wieder mit nach Hause nehmen darf.

          Dass wenig später Tiger Woods im allerletzten Einzel einen kurzen Par-Putt am Loch vorbei schob und dann dem Italiener Francesco Molinari seinen Par-Putt und damit ein Remis „schenkte“, war nur noch eine nette Zugabe. So hieß es am Ende der zwölf Einzel in diesem nordwestlichen Vorort von Chicago 14 ½ : 13 ½ für Europa.

          Der Deutsche Martin Kaymer (l) und der Spanier Sergio Garcia feiern

          Die von dem Spanier José Maria Olazabal angeführte Auswahl aus acht Ländern (vier Engländer, zwei Nordiren, je einer aus Belgien, Deutschland, Italien, Schottland, Schweden und Spanien) vom alten Kontinent gelang ein Kunststück: Sie holte einen 6:10-Rückstand nach den Vierern auf. Das war zuvor nur 1999 den Amerikanern in Brookline bei Boston gelungen. Damals musste der Spanier Olazabal mit ansehen wie der Amerikaner Justin Leonard den entscheidenden Monster-Putt im Einzel gegen ihn ins Loch bugsierte und die amerikanischen Teamkameraden gegen alle Benimmregeln aufs Grün stürmten und Freudentänze aufführten, obwohl der zweimalige Masters-Sieger noch einen Putt hatte, um das Loch zu teilen.

          Die Erfahrung aus Neu-England hatte Olazabal am Samstagabend verkünden lassen, dass er daran glaube, sein Team könne das Defizit am Sonntag in den Schlusseinzeln noch wettmachen: „Es ist ja schon einmal passiert, deshalb ist es machbar.“

          Dass das auch an diesem herrlichen Spätsommertag im Nordwesten von Chicago wirklich passierte – noch dazu in einem Auswärtsspiel gegen 40.000 patriotische Fans – hatte viel damit zu tun, dass sich die Europäer, die noch in den Vierern, ihrer eigentlichen Domäne, ungewohnte Schwächen offenbart hatten, sich von einer ganz anderen Seite zeigten.

          „Hier standen alle hinter mir“

          Das letzte Matches am Samstagabend, als Ian Poulter für seinen nordirischen Partner Rory McIlroy mit fünf Birdies auf den letzten fünf Löchern das Bestball-Duell gegen Jason Dufner und Zach Johnson noch gedreht hatte, verpasste dem Team das Selbstvertrauen, dieses scheinbar verlorene Prestige-Duell doch noch wenden zu können.

          Am Sonntag lief es für die Europäer von Anfang an perfekt, ganz wie Olazabal, der seine vermutlich stärksten Spieler gleich zu Anfang auf die Runde geschickt hatte, geplant hatte: Luke Donald (gegen Bubba Watson), Ian Poulter (gegen Webb Simpson), Rory McIlroy (gegen Keegan Bradley), Justin Rose (gegen Phil Mickelson) und Paul Lawrie (gegen Brandt Snedeker) gewannen zum Teil mit furiosen Comebacks auf den letzten beiden Löchern die ersten fünf Partien. Und als dann auch der Spanier Garcia auf den letzten beiden Löchern Jim Furyk den Sieg entriss und der Engländer Lee Westwood sein Match gegen Matt Kuchar sicher gewann, war klar, dass die Entscheidung in den beiden letzten Matches des Tages, in den Partien zwischen Kaymer und dem 45-jährigen amerikanischen Team-Senior Stricker sowie zwischen dem Italiener Molinari und Woods, fallen würde.

          Kaymer dankt Bernhard Langer

          „Am 16. Loch ist Olazabal zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass das Team, egal wie, meinen Punkt brauche“, sagte Kaymer. „Ich habe es als Ansporn genommen, dass ich am Samstag nicht eingesetzt wurde. Ich wollte den Kameraden zeigen, dass ich auch etwas beitragen kann.“ Als es vollbracht war, Kaymer mit Deutschland-Fahne über den Schultern seine Runden machte und jeden herzte, der in seine Nähe kam, sagte er: „Dieser Sieg steht noch eine Stufe über einem Major. Das gewinnt man nur für sich alleine. Hier aber standen alle hinter mir. Jetzt weiß ich, wie es sich wirklich anfühlt, den Ryder Cup zu gewinnen.“

          Der PGA-Champion von 2010, der im Frühjahr des Vorjahres für acht Wochen die Weltrangliste angeführt hatte, bedankte sich bei Bernhard Langer, bei jenem Kollegen, der vor 21 Jahre beim Ryder Cup in Kiawah Island den entscheidenden Putt zum Remis, der Europa zum Gewinn des Pokal gereicht hätte, vorbei geschoben hatte: „Am Samstagmorgen habe ich mit Bernhard hier zusammen gesessen. Das hat mir unheimlich geholfen. Da habe ich gemerkt, dass meine Einstellung zum Ryder Cup nicht in Ordnung war. Aber jetzt, nach dem Match gegen Steve Stricker, weiß ich, wie wichtig der Ryder Cup ist.“ Umso schöner, wenn man in diesem Mega-Spektakel auch noch den alles entscheidenden Putt zum Gewinn des Pokals ins Loch bugsiert.

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