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Goldreserve : Umzug der deutschen Barren ging 2016 rasch voran

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Goldbarren der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main. Bild: dpa

Fast die Hälfte des deutschen Goldschatzes lagert mittlerweile im Inland. Dieses Jahr wurden 200 Tonnen verlagert, sagt der Bundesbank-Präsident. Damit sei der Zielwert bald erreicht.

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          Die Bundesbank kommt einem Medienbericht zufolge beim Zurückholen der Goldreserven nach Deutschland schneller voran als geplant. Wie die „Bild“-Zeitung in ihrer Samstagausgabe schreibt, wurden in diesem Jahr knapp 200 Tonnen aus dem Ausland in heimischen Tresoren eingelagert. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte dem Blatt: „Wir haben 2016 erneut deutlich mehr Gold nach Deutschland geholt als ursprünglich vorgesehen. Mittlerweile ist knapp die Hälfte der Goldreserven in Deutschland.“

          Die deutsche Goldreserve ist mit 3381 Tonnen die zweitgrößte der Welt hinter den Vereinigten Staaten. Aktuell sind rund 1600 Tonnen in Deutschland, bis Ende 2020 sollen es mehr als 1700 Tonnen sein. Die Bundesbank werde aber „früher mit der geplanten Verlagerung fertig sein“, so Weidmann.

          Bevor die Notenbank 2013 mit der Verlagerung des Edelmetalles aus dem Ausland begann, lagen nur 31 Prozent der deutschen Goldreserven oder 1036 Tonnen in Frankfurt. Seit 2015 ist die Mainmetropole die größte Lagerstätte - vor der Fed in New York, der Bank of England in London und der Banque de France in Paris.

          Reaktion nach Zweifeln

          „Wo ist das Gold der Deutschen?“ Mit dieser provokanten Frage hatte CSU-Urgestein Peter Gauweiler im Mai 2012 einen Nerv getroffen. Ist der Milliardenschatz im Ausland sicher – immerhin ist er mit mehr als 270.000 Barren der zweitgrößte der Welt? Ist das Gold überhaupt vorhanden? Noch nie – so monierte der Bundesrechnungshof im Herbst 2012 – habe die Bundesbank die deutschen Goldreserven jenseits der Landesgrenzen „körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht“ geprüft.

          Seit nunmehr vier Jahren bemüht sich die Bundesbank um Transparenz - und versucht zugleich, den Mythos um den deutschen Goldschatz zu entzaubern. Im Januar 2013 präsentierte die Notenbank in Frankfurt vor laufenden Kameras Gold zum Anfassen - und demonstrierte mit Versuchen gleich, dass die Barren wirklich echt sind. Beim ersten Bürgerfest in der Bundesbankzentrale im Sommer 2014 durften Besucher Hand an das Edelmetall legen: Ein 12,5 Kilogramm schwerer Goldbarren konnte in einer Sicherheitsvitrine hochgehoben werden. Im Oktober 2015 dann listete die Notenbank erstmals auf mehr als 2300 Seiten öffentlich einsehbar jeden einzelnen Barren auf.

          Historische Gründe

          Das deutsche Gold, das der Bundesrepublik gehört und von der Bundesbank verwaltet wird, wurde aus historischen Gründen zum Großteil im Ausland aufbewahrt: Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 1950er und 1960er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant. Denn die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der amerikanischen -Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

          Während des Kalten Krieges war es durchaus gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren. Der Ost-West-Konflikt ist lange Geschichte. Seit 1999 rechnet Europa zudem in einer gemeinsamen Währung, dem Euro. Seither ist zumindest für den Standort Paris auch das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen. Daher gibt die Bundesbank das Lager in Frankreich ganz auf.

          Bis zur deutschen Einheit hatte die Bundesbank nur 77 Tonnen Gold in Deutschland, was seinerzeit nur zwei Prozent des Gesamtbestandes entsprach.

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