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Jörg Kukies : Deutschlandchef von Goldman geht ins Ministerium

Jörg Kukies ist bislang einer von zwei Deutschland-Chefs der berühmten Bank Goldman Sachs. Bild: Rainer Wohlfahrt

Von der Investmentbank an die Seite von Olaf Scholz: Dieser Banker kümmert sich künftig in der Regierung um Finanzmärkte und die Europapolitik. Er hat einen schillernden Weg hinter sich – und etwas mit Andrea Nahles gemein.

          Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat seine Führungsmannschaft zusammen. Dabei sind zwei handfeste Überraschungen: Zum einen sichert er sich die Dienste eines der beiden Deutschlandchefs der Investmentbank Goldman Sachs, Jörg Kukies. Zum andern kehrt Werner Gatzer von der Bahn ins Bundesfinanzministerium zurück.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Schon länger war bekannt, dass seine langjährigen Vertrauten, Wolfgang Schmidt und Rolf Bösinger, aus Hamburger Diensten in die des Bundes wechseln werden. Scholz kann als Vizekanzler sein Haus mit vier beamteten Staatssekretären führen. Bisher hatte das Bundesfinanzministerium nur drei. Noch offen ist, ob das Kabinett die Personalien diese oder nächste Woche beschließen wird.

          Ein Veteran für den Haushalt

          Kukies wird sich unter Scholz um die Europapolitik und Finanzmarktregulierung kümmern. Der 50 Jahre alte Ökonom hat ein wahrhaft schillernden Weg zurückgelegt. Er war vor Andrea Nahles Vorsitzender der Jungsozialisten in Rheinland-Pfalz. Der Sozialdemokrat studierte in Harvard und promovierte an der renommierten Universität von Chicago. Anschließend startete er seine Karriere bei Goldman Sachs, für die er London und Frankfurt arbeitete.

          In Amerika ist es üblich, dass Manager Verantwortung für das Land übernehmen – und möglicherweise hinterher wieder in die Wirtschaft wechseln. In Deutschland ist das eher die Ausnahme. Man kann davon ausgehen, dass Kukies einige Gehaltsabstriche für seine neue Arbeit in Kauf nehmen muss.

          Der frühere und künftige Haushalt-Staatssekretär Gatzer dürfte ebenfalls wieder mit weniger Geld auskommen müssen. Doch er war gerade einmal drei Monate bei der Bahn-Tochtergesellschaft, die sich um die Bahnhöfe und den Servicebereich kümmert. Der mittlerweile 59 Jahre alte Jurist ist entscheidungsfreudig, zupackend und lebenslustig zugleich. Er war im  Ministerium geschätzt.

          Die Initiative, ihn zurückzuholen, soll von Scholz ausgegangen sein. Dieser kann den Erfahrungsschatz Gatzers gut gebrauchen. Viel Zeit hat der SPD Politiker nicht, um den Haushaltsentwurf für das laufende Jahr vor zu legen. Gatzer wurde unter dem Sozialdemokraten Peer Steinbrück Haushalts-Staatssekretär. Zu allgemeiner Überraschung blieb das SPD-Mitglied auf der Position, als Wolfgang Schäuble (CDU) das Haus übernahm. Zudem wird Gatzer für die Abteilungen Zentrales  und Privatisierungen/Beteiligungen verantwortlich sein.

          Schmidt wird als Staatssekretär die Koordinierung der von SPD-Politikern geführten Ressorts übernehmen. Außerdem fallen in seinen Aufgabenbereich volkswirtschaftliche Grundsatzfragen und die internationale Finanz- und Währungspolitik. Bösinger wird die Abteilungen für Zoll, Umsatzsteuer, Verbrauchsteuern, Steuern  und föderale Finanzbeziehungen leiten.

          Korrektur: Das Finanzministerium hat die Schreibweise von Rolf Bösinger korrigiert. Er heißt nicht Boesinger, sondern Bösinger.

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