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Mega-Mine in Südafrika vor Aus : Am Kap des endenden Goldrausches

Arbeiter in einer von South Deep betriebenen Mine (Archivbild) Bild: Reuters

Eine der größten Goldminen der Welt streicht mehr als 1500 Stellen. Spekulationen über die Schließung der südafrikanischen Mine werden laut. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

          Dort, wo einst der Goldrausch in Südafrika seinen Anfang nahm, ruht bis heute tief in der Erde ein Milliardenschatz: 66 Millionen Unzen oder rund 2000 Tonnen Gold. Mehr als die Hälfte davon ist zugänglich und könnte zutage gebracht werden. Es ist eine der größten Goldlagerstätten der Welt.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der südafrikanische Förderer Gold Fields jedoch versucht schon seit zwölf Jahren vergeblich, mit dem Bergwerk South Deep nördlich von Johannesburg Geld zu verdienen. Jetzt teilte das Unternehmen mit, mehr als 1500 Arbeitsplätze abzubauen, das ist etwa jeder dritte. Der Aktienkurs stürzte ab, denn Gold-Fields-Chef Nick Holland ließ durchblicken, dass damit nicht alle Probleme gelöst seien.

          Es handle sich um einen Rettungsversuch vor dem „letzten Atemzug“. Umgerechnet 2 Milliarden Euro hat der Konzern für den Kauf und Umbau des Riesenbergwerks ausgegeben. Doch South Deep verschlingt jeden Monat weiteres Geld, während der Ausstoß sinkt.

          Zehntausende Stellen sollen wegfallen

          Die Nachricht kommt genau in der Zeit, in der Rohstoffinvestoren mit Sorge den fallenden Goldpreis verfolgen. Das gelbe Edelmetall kostet 1184 Dollar je Feinunze, vor vier Monaten waren es 1350 Dollar. In Südafrika aber betrachten Branchenfachleute South Deep als repräsentativ für den schon lange währenden Niedergang der Goldbranche.

          Der Fachinformationsdienst Mining-MX schrieb von einem „unheilvollen Läuten der Totenglocken“ für einen Wirtschaftszweig, der das Land einst groß gemacht hatte. Jahrzehntelang war es der wichtigste Goldlieferant auf der Welt, heute rangiert Südafrika nach einer Studie von Thomson Reuters nur noch an achter Stelle hinter Peru und Indonesien.

          Gold

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          Die Entlassungspläne von Gold Fields sind derweil nur eine von vielen unheilvollen Mitteilungen aus Südafrikas Bergbaubranche. Wie berichtet hat vor kurzem der Platinförderer Impala den Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen über mehrere Jahre bekanntgegeben. Bei dem Rivalen Lonmin sollen 12.500 Stellen wegfallen. Der Platinpreis ist auf das tiefste Niveau seit zehn Jahren gefallen.

          Mehr Maschinen im Einsatz

          Zwischen den Bergbaukonzernen, der Regierung und Gewerkschaften verschärft sich deswegen der Ton. Am Gedenktag des Massakers an Minenarbeitern der Lonmin-Grube Marikana vor sechs Jahren drohte der Anführer der Gewerkschaft Amcu, Joseph Mathunjwa, die gesamte Platinbranche lahmzulegen.

          Man sei bereit, auch ein Jahr lang zu streiken, wenn die Unternehmen weiter Personal abbauen wollten. Bergbauminister Gwede Mantashe warf den Platinförderern wie auch Gold Fields Verantwortungslosigkeit vor. Sie preschten mit Restrukturierungen voran, ohne mit der Regierung nach anderen Lösungen zu suchen.

          Die Betreiber der südafrikanischen South-Deep-Mine streichen rund jeden dritten Arbeitsplatz.

          Gold Fields hatte die South Deep Mine 2006 von dem international größten Förderer Barrick Gold übernommen. Da die Goldkonzentration im Gestein niedriger ist als in benachbarten Bergwerken, entschied man sich, von der traditionellen, arbeitsintensiven Fördermethode auf eine mechanisierte Methode mit einem höheren Einsatz von Maschinen umzustellen. Damit haben Minenkonzerne in Australien und Kanada Erfolg.

          Analyst spricht von Debakel

          Doch die geologischen Gegebenheiten in Südafrika entpuppten sich als vertrackt. Scharen von externen Beratern, unzählige Umstrukturierungspläne, Schichtmodelle und Trainingsprogramme halfen nicht, South Deep in eine Erfolgsgeschichte zu verwandeln. Allein in den vergangenen sechs Monaten sei die Produktion um fast ein Fünftel gesunken, sagt Holland. „Unsere Aktionäre haben auf die Investitionen in die Mine bisher keine Rendite erhalten.“ South Deep ist das größte Bergwerk von Gold Fields und das einzige verbliebene des Konzerns in Südafrika.

          Ein Analyst der Investmentbank Bank of America Merrill Lynch sprach von einem Debakel und fragte, ob Manager zurücktreten. Von der südafrikanischen Bank Nedbank hieß es, der jüngste Restrukturierungsplan zeige, dass der Konzern das Bergwerk schon aufgegeben habe, aber nicht wisse, was er damit tun solle. Eine Schließung oder ein Verkauf werden derzeit nicht in Erwägung gezogen.

          Letzterer dürfte wohl auch an der überschaubaren Zahl von Interessenten scheitern. Ende der vergangenen Woche sank der Kurs der Gold-Fields-Aktie weiter, seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als ein Drittel an Wert verloren.

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