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Überraschende Glücks-Studie : Die Deutschen lieben ihre Häuser

69 Prozent der Deutschen sind stolz auf ihr Zuhause. Bild: dpa

Die Deutschen hegen und pflegen gerne Haus und Hof – und sind auch sehr zufrieden damit. Nur eine andere Nation empfindet beim Anblick des eigenen Zuhause mehr Stolz als sie. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

          Trotz heftiger Debatten über steigende Mieten und fehlende Wohnungen sind fast alle Deutschen mit ihrer persönlichen Wohnsituation zufrieden. Das geht aus der neuesten Studie des „Happiness Research Institute“ in Kopenhagen hervor. Die dänischen Glücksforscher haben für ihren „The GoodHome Report 2019“ in zehn Staaten insgesamt 13.500 Menschen nach ihrem Zuhause befragt. Und die tausend interviewten Deutschen sind in fast jeder Hinsicht deutlich glücklicher als die anderen Europäer.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Im Detail gaben 97 Prozent der Deutschen an, dass sie mit ihren Badezimmern zufrieden sind. Auch mit der Luftqualität, dem natürlichen Licht und der Feuchtigkeit im Haus sind neun von zehn Deutschen einverstanden. Außerdem bescheinigen sieben von zehn Deutschen ihrem Zuhause, insgesamt in einem guten Zustand zu sein.

          Allerdings sind die Deutschen nicht nur mit der Bausubstanz ihres Hauses oder ihrer Wohnung einverstanden, auch emotional sind sie den eigenen vier Wänden sehr verbunden. In ihrer Studie reduzieren die Forscher die vielfältigen Gefühle und Aussagen der Befragten auf fünf Kernelemente („core emotions“), die den Blick der Menschen auf ihr Zuhause prägen. Dabei kommt dem „Stolz“ eine besonders hohe Bedeutung zu. Wenn die Menschen mit Stolz an ihr Zuhause denken, sind sie meist auch glücklich damit (und umgekehrt).

          „Die Deutschen sind eben ein Volk von Heimwerkern“

          Worauf der Stolz beruht, ist dabei nicht entscheidend. Viele Eigentümer sind sehr stolz darauf, dass sie ihr Häuschen durch ihre eigene Arbeit abbezahlt haben. Andere sind glücklich, dass sie den Garten selbst angelegt oder etwas im Haus verbessert haben. Allerdings können auch Mieter stolz auf ihr Zuhause sein, beispielsweise darauf, wie sie es eingerichtet haben oder in welch tollen Farben sie die Wände angemalt haben. So kommt es, dass lediglich 51 Prozent der Deutschen eine eigene Immobilie besitzen, aber trotzdem 69 Prozent der Deutschen stolz auf ihr Zuhause sind. Das sind sechs Prozentpunkte mehr, als andere Nationen im Durchschnitt angeben. „Je mehr Zeit und Energie man in sein Haus steckt, desto zufriedener ist man gewöhnlich damit. Und die Deutschen sind eben ein Volk von Heimwerkern“, kommentiert Studienautor Alexander Gamerdinger das Ergebnis.

          Allerdings sind die meisten Deutschen nicht nur stolz auf ihr Zuhause, sie fühlen sich auch überdurchschnittlich wohl darin. 90 Prozent der Deutschen kommen mental runter, wenn sie zu Hause sind, sie betrachten die eigenen vier Wände als stressfreien Hafen, in den sie sich guten Gewissens zurückziehen können. Dazu trägt bei, dass sich 88 Prozent der Deutschen in ihrer Immobilie sicher fühlen. Sie haben keine große Angst vor einem Einbruch oder davor, dass sie dort körperlich zu Schaden kommen.

          Nicht zuletzt identifizieren sich sieben von zehn Deutschen mit ihrem Heim. Damit ist gemeint, dass viele Menschen großen Wert darauf legen, dass die eigenen vier Wände ihr Leben und ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Glückliche Eltern hängen im Haus Bilder ihrer Kinder auf. Ein Kunstsammler stellt Plastiken ins Wohnzimmer, ein reicher Mensch zeigt  durch die Größe seines Hauses, den Swimmingpool und die Marmorwände seine wirtschaftliche Potenz.

          Nur in einer Hinsicht kommen die Deutschen in der Umfrage auf einen leicht unterdurchschnittlichen Platz: Wenn es um die „Kontrolle“ geht. Wenn Mieter beispielsweise eine Wand einreißen wollen, doch der Eigentümer verbietet es ihnen, macht das die Bewohner unglücklicher. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass es mit der „Kontrolle“ im Mieter-Land Deutschland etwas schlechter steht als in den Nachbarländern. Dort sind die Eigentümerquoten meist deutlich höher und damit auch die Freiheit, das Haus nach den eigenen Bedürfnissen umzubauen. Allerdings können auch Eigentümer die Kontrolle über ihre Immobilie verlieren, beispielsweise wenn die monatliche Belastung durch Zinsen, Tilgung oder Reparaturen zu hoch wird.

          Die Frage, ob man selbst Eigentümer ist oder zur Miete wohnt, spielt für das Glücksgefühl zu Hause zwar eine Rolle, sie ist aber nicht entscheidend. In der Studie rangiert die Eigentumsfrage erst an vierter Stelle. Wichtiger ist den meisten Menschen, dass ihr Zuhause in einem guten baulichen Zustand ist, dass es ihre Bedürfnisse vermutlich auch in den nächsten Jahren noch erfüllt und dass es groß genug ist.

          Hinzu kommt, dass das deutsche Mietrecht sehr umfangreich ist und den Mietern weit entgegenkommt. „Wenn der Mietwohnungsmarkt so gut reguliert ist wie der deutsche, sehen wir, dass Mieter eindeutig glücklicher sind als in anderen Ländern“, sagt Institutsleiter Meik Wiking dazu. All diese Faktoren führen dazu, dass die Deutschen mit ihren vier Wänden sehr zufrieden sind. Auf einer Skala von null (unzufrieden) bis zehn (glücklich) erreichen sie den zweithöchsten Durchschnittswert von 7,6 Punkten. Nur in den Niederlanden ist die Gesamtzufriedenheit noch höher, wenn auch nur um 0,09 Punkte.

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