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Glosse Wirtschaft : Verschluckt

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nf. Kräftiger hätte der Schluck aus der Lohnpulle kaum ausfallen können. Wer erwartet hatte, die Chemiegewerkschaft würde mit einer maßvollen Lohnzahl ein Zeichen für die Tarifrunde 2007 setzen, wurde gleich doppelt enttäuscht.

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          nf. Kräftiger hätte der Schluck aus der Lohnpulle kaum ausfallen können. Wer erwartet hatte, die Chemiegewerkschaft würde mit einer maßvollen Lohnzahl ein Zeichen für die Tarifrunde 2007 setzen, wurde gleich doppelt enttäuscht. Gegenüber der vorigen Runde hat die IG BCE nicht nur das Gesamtvolumen von 3,9 auf 4,3 Prozent nach oben geschraubt. Sie hat auch den tabellenwirksamen Teil von 2,7 auf 3,6 Prozent aufgestockt, der nun als dauerhafter Kostensockel die Betriebe belastet. Das Ergebnis wird nicht einmal durch eine lange Laufzeit versüßt. Die Konsequenzen sind bedrohlich. Zum einen scheint es nun nahezu aussichtslos, in der viel größeren Metall- und Elektroindustrie noch auf einen Abschluss ohne Vier vor dem Komma zu hoffen, zumal diese Runde durch personal- und organisationspolitische Erwägungen zusätzlich belastet wird und die IG Metall schon immer den Ehrgeiz hatte, die Chemiegewerkschaft zu übertrumpfen. Zum anderen - und das wiegt langfristig schwerer - konterkariert der Chemieabschluss alle Bemühungen, die Zweiteilung in moderate dauerhafte Lohnerhöhungen und hohe Einmalbeträge als konstitutives Prinzip in der Tarifpolitik zu verankern. Niemand will den Arbeitnehmern einen ordentlichen Schluck aus der Pulle vorenthalten. Doch diesmal haben sie den Mund zu voll genommen. Daran könnte sich nicht nur die Chemie verschlucken.

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