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Glosse Wirtschaft : Kollektiver Vertragsbruch

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ama. Man kann der IG Metall nicht vorwerfen, ein Thema anzupacken, das sie nichts angeht. Die Gewerkschaft hat ihre Mitglieder dazu aufgerufen, gegen die "Rente mit 67" zu protestieren und nicht wie früher gegen Rechtsextremismus, den Irak-Krieg oder die Atomenergie.

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          ama. Man kann der IG Metall nicht vorwerfen, ein Thema anzupacken, das sie nichts angeht. Die Gewerkschaft hat ihre Mitglieder dazu aufgerufen, gegen die "Rente mit 67" zu protestieren und nicht wie früher gegen Rechtsextremismus, den Irak-Krieg oder die Atomenergie. In welchem Alter ein Fließbandarbeiter in Rente geht, ist eine sozialpolitische Frage, bei der die IG Metall zu Recht Flagge zeigt. Aber mit welchem Recht werden die Proteste in die Arbeitszeit verlegt? Man nehme Störungen der Produktion in Kauf, ist von der IG Metall zu hören: "Die Leute sind stinkig über diese Sozialpolitik." So zahlen die Arbeitgeber die Rechnung für den Stunk, dessen Urheber der Gesetzgeber ist. Nicht Ford oder Thyssen-Krupp planen die Rente mit 67, sondern Sozialminister Franz Müntefering. Vom Grundgesetz ist dieser Aufruf zum kollektiven Vertragsbruch nicht mehr gedeckt. Macht das Beispiel Schule, könnten die Gewerkschaften zwischen Frühschicht und Mittagspause noch viele Proteste abhalten: gegen die Reform des Kündigungsrechts, gegen die Dienstleistungsrichtlinie, gegen die Gesundheitsreform - und irgendwann vielleicht wieder gegen den Irak-Krieg. Aber vielleicht hat die Wahl des Zeitpunkts einen ganz anderen Grund: Lassen sich die Mitarbeiter während der Arbeitszeit leichter für Demonstrationen motivieren als am Sonntagnachmittag?

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