https://www.faz.net/-gqe-ad2ga

Weltwirtschaft : Die Zukunft der Globalisierung

  • -Aktualisiert am

Tieridyll im Nationalpark Nairobi: ein Tourismusmagnet, doch für Afrikas tragfähige Integration in die Weltwirtschaft braucht es mehr. Bild: Reuters

Ohne internationale Arbeitsteilung wäre die Welt ärmer und ungleicher. Doch Öffnung und Integration stoßen zunehmend auf Ablehnung, das Bedürfnis nach Autonomie und Renationalisierung wächst. Was ist zu tun?

          9 Min.

          Die Globalisierung, lange Jahre weltweit Garant wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung, hat ihre Selbstverständlichkeit verloren. Die ökonomische Dynamik, die nach der Öffnung Chinas und vor allem nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit voller Kraft wirksam wurde, ist spürbar geschwächt. Die gesellschaftliche Akzeptanz, lange durch den Gewinn an Freiheit und globaler Sicherheit sowie den Ausblick auf eine Demokratisierung zuvor verschlossener Teile der Welt getragen, ist geschwunden. In der Pandemie wurde durch die Lockdown-Beschlüsse und die Grenzschließungen im Frühjahr 2020 die globale Arbeitsteilung unterbrochen. Die Nachwirkungen dieses Stillstands reichen bis weit in dieses Jahr. Die aus als übertrieben bewerteter Spezialisierung der Produktion und der Beschaffung folgenden Abhängigkeiten boten so zusätzlich Anlass, grundsätzlich über die Weltwirtschaft nachzudenken.

          Dabei scheint gelegentlich vergessen zu werden, dass die Welt ohne den Fortschritt in der globalen Arbeitsteilung in den vergangenen Jahrzehnten ärmer, ungleicher und weniger chancenreich gewesen wäre. Die Globalisierung der vergangenen vier Jahrzehnte wirkte zwar differenzierter, als es ein naiver Marktglaube nahelegte, aber doch grundsätzlich positiv auf die volkswirtschaftlichen Einkommen. Die Öffnung einer Volkswirtschaft verschärft die Intensität des Wettbewerbs und sorgt für Anpassungslasten – doch genau so beginnt der Pfad zu einer wirtschaftlichen Entwicklung auf Augenhöhe mit den Besten, definiert durch globale Standards der Qualität, der Lieferverpflichtung, der Kundenorientierung, des Serviceversprechens. Verlierer im global forcierten Strukturwandel, vor allem geringer Qualifizierte mit indus­triespezifischen Kompetenzen für lokale Wertschöpfung, stehen indes vor beachtlichen Problemen. Diese zu ignorieren hat viel Vertrauen gekostet.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die Ästhetik von rechtsextremen Influencerinnen passt in die heile Instagram-Welt aus modisch gekleideten Menschen, Tierjungen und Traumstränden. (Symbolfoto)

          Rechtsextreme Influencerinnen : Das nette Nazi-Mädchen von nebenan

          Rechtsextreme Influencerinnen suchen in den sozialen Medien nach Anhängern. Mit Frisurentipps, Backrezepten und Aufnahmen vor grünen Landschaften wirken sie zunächst unverfänglich – doch der Schein trügt. Eine Recherche.
          Alles so schön bunt hier: eine Gasse in Basel. In der Schweizer Stadt fanden im vorigen Jahr Demonstrationen der Black-Lives-Matter-Bewegung statt, die Martin R. Dean ermutigten, über seine Erfahrungen als „nichtweißer“ Autor zu sprechen.

          Was die Sprache verändert : Ade, du weiße Selbstverständlichkeit

          Der Schriftsteller Matthias Politycki hat kürzlich begründet, warum er Deutschland verlassen hat: Politisch korrekte Sprachregelungen mache ihm das Schreiben unmöglich. Ihm antwortet nun ein Freund und Kollege.