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Biden verändert die Welt

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18. November 2020 · Wenn der gewählte Präsident das Amt übernimmt, hat das rund um den Globus wirtschaftliche Folgen. Das sind die wichtigsten Auswirkungen.

INDO-PAZIFISCHER RAUM

Kraftprobe in Südostasien

Von CHRISTOPH HEIN

Die Staaten erwarten eine Rückkehr Amerikas – sie schauen aber auch auf China

Indien setzt auf Kamala Harris. Schließlich ist die kommende Vizepräsidentin Amerikas nicht nur indischer Abstammung. Als Senatorin trat sie für eine Lockerung der H1B-Visa ein, mit denen Zehntausende Inder in Amerika Arbeit fanden. Nun könnte sie die Beschränkungen unter Donald Trump rasch aufheben. Doch wissen die Inder auch, dass die Männerfreundschaft zwischen Trump und Narendra Modi, dem Ministerpräsidenten Indiens, nun zu einem jähen Ende kommt. Harris hatte es schon gewagt, den indischen Außenminister Subrahmanyam Jaishankar in der Kaschmir-Frage zu kritisieren – was der sicher nicht vergisst. Der Wechsel wird Indiens hindu-nationalistischer Regierung nun schwerfallen. Denn gerade im Konflikt mit China brauchen die Inder amerikanische Investoren und Waffen.

Auf die setzen auch die anderen Länder im Süden Asiens und des Pazifiks. Und doch kann sich hier niemand festlegen. „Es muss nicht mehr Amerika sein, das eine neue Weltordnung entwickelt“, sagt Danny Quah, Ökonom der Lee Kuan Yew School of Public Policy in Singapur, ohne China als Chance zu nennen. Eine Rückkehr Amerikas nach Asien aber ist gleichwohl gewollt.


AFRIKA

Zurück auf der Landkarte

Von CLAUDIA BRÖLL

Der Kontinent hofft auf mehr Unterstützung

Als Barack Obama die amerikanische Präsidentschaftswahlen 2008 gewann, gab es in Afrika kein Halten mehr. Die Menschen gingen mit Transparenten des ersten schwarzen amerikanischen Staatspräsidenten auf die Straßen, sangen und tanzten. In diesem Jahr war an solche Reaktionen nicht zu denken, auch wenn sich Joe Biden als früherer Vize Obamas in Afrika einer größeren Anhängerschar als Donald Trump sicher sein kann. Wie an anderen Weltbörsen legten die Kurse an der Johannesburger Börse zu, insbesondere Rohstoffaktien erlebten Aufwind, Südafrikas Landeswährung Rand wertete auf.


EUROPÄISCHE UNION

Neue Klima-Partner

Von WERNER MUSSLER

Bei anderen Themen droht ein böses Erwachen

Das Klima wird sich im transatlantischen Verhältnis nach Joe Bidens Wahlsieg allemal verbessern. Das gilt schon deshalb, weil der neue amerikanische Präsident schnellstmöglich wieder dem Pariser Klimaschutzabkommen beitreten will. Es gilt aber vor allem im übertragenen Sinn. Die Stimmung hat sich schon in den ersten Telefonaten der EU-Spitzenpolitiker mit Biden erheblich verbessert. Angesichts der zuletzt miserablen Beziehungen der EU zu den Vereinigten Staaten unter Donald Trump war das auch nicht schwierig. An den neuen Präsidenten knüpfen sich die immer gleichen Hoffnungen: dass mit Biden wieder der Multilateralismus ins Weiße Haus einziehen und der Freihandel wieder eine Chance bekommen werde, dass man in der Corona-Bekämpfung an einem Strick ziehen und eine gemeinsame wirtschaftspolitische Strategie gegenüber China und Russland entwickeln könne. Manche Optimisten glauben gar, dass Bidens Sieg die Position der EU in den Brexit-Verhandlungen stärken werde.


CHINA

Härte statt Harmonie

Von HENDRIK ANKENBRAND

Biden bezeichnete Präsident Xi schon als „Gangster“

Eigentlich hatte Chinas Regierung Joe Biden erst gratulieren wollen, wenn ihn auch Donald Trump als neuen Präsidenten anerkannt hätte. Dass Peking dann doch kundtat, China „respektiere die Wahl des amerikanischen Volks“, spricht Bände darüber, wie das Land seit vier Jahren gelitten hat, in denen die Menschen nur allzu oft beim morgendlichen Blick auf die Schlagzeilen von einer neuerlichen Attacke aus Amerika überrascht wurden. Die Anerkennung Bidens ist aber auch Ausdruck der – leisen – Hoffnung, dass in das Verhältnis zum größten Handelspartner so etwas wie Verlässlichkeit einkehrt. Wie dieses unter Trump aussah, zeigte sich vor wenigen Tagen. Er begann in China mit der Nachricht, dass der scheidende Präsident Amerikanern verboten hatte, Aktien von 13 börsennotierten chinesischen Unternehmen zu kaufen oder zu besitzen. 31 Firmen sind es insgesamt, in die keine Investitionen getätigt werden dürfen. Mit dem Verweis, diese seien mit Chinas Militär verbunden, müssen mit Beginn zum 11. Januar Privatanleger, Fonds und Banken Anteile von gigantischen Staatskonzernen wie China Telecom und China Mobile losschlagen.


LATEIN- UND SÜDAMERIKA

Brodelndes Brasilien

Von TJERK BRÜHWILLER

Biden will den Wald schützen – Bolsonaro ihn roden

Lateinamerika wird in den kommenden Jahren mehr denn je auf die Vereinigten Staaten angewiesen sein. Die Region ist von einer Welle sozialer Unruhen in die Pandemie geschlittert. Nun steht sie am Beginn der tiefsten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte. Schon jetzt lässt sich vorhersagen, dass die Armut massiv zunehmen wird. Die politische Stabilität Lateinamerikas hängt wesentlich von der wirtschaftlichen Prosperität ab. Schon vor einiger Zeit hob Biden in einem Essay hervor, dass die Vereinigten Staaten wieder eine Führungsrolle in der Region übernehmen müssten, um die gemeinsamen Probleme zu bewältigen und den Vormarsch von China und Russland in Lateinamerika zu bremsen.

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