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Gerechtigkeit im Beruf : Gleichen Lohn einfordern: So geht’s!

  • -Aktualisiert am

In der Politik sind die Gehälter relativ transparent, Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will das in der freien Wirtschaft Frauen erfahren können, was ihre männliche Kollegen verdienen. Bild: AFP

Das Lohngleichheitsgesetz soll es Frauen ermöglichen, gleichwertige Entlohnung einzufordern. Wir zeigen, wie das funktioniert.

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          Zurzeit müssen Sie als Frau schon zufällig herausfinden, dass ein männlicher Kollege mehr verdient, um Ihr Recht auf gleiche Bezahlung durchsetzen zu können. Solche Zufälle kommen natürlich ausgesprochen selten vor. Mit dem neuen Lohngleichheitsgesetz, für das beim Koalitionsgipfel in der vergangenen Woche der Weg frei gemacht wurde, erhalten Arbeitnehmer nun ein „individuelles Auskunftsrecht“.

          Wenn Sie wissen möchten, was männliche Kollegen auf vergleichbarer Ebene verdienen, können Sie zukünftig vom Arbeitnehmer einen entsprechenden Durchschnittswert einfordern. Der Grundgedanke ist klar: Nur wenn Frauen wissen, wie viel sie weniger verdienen, können sie auch auf gleichen Lohn pochen. Aber auch Männer, die sich benachteiligt fühlen, dürfen fragen.

          Wie Sie Ihr Auskunftsrecht einfordern können, hängt vom Unternehmen ab. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen haben wir nach Unternehmensgröße- und Typ zusammengestellt.

          Mehr als 200 Beschäftigte, ohne Tarifbindung

          Gehören Sie einem Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigen an, das nicht tarifgebunden ist, können Sie sich mit Ihrer Auskunftsforderung direkt an die Geschäftsführung wenden. Wer dort die Ansprechpartner sind, haben die Unternehmen selbst zu bestimmen. Nach dem Gesetzesvorhaben von Familienministerin Schwesig soll Ihr Arbeitgeber dazu verpflichtet werden, Ihnen Ihren Lohn zu erläutern. Diese neue Erklärungspflicht hat zwei Bestandteile:

          Zum einen wird Ihnen Ihre Entlohnung grundsätzlich erklärt: Warum sind Sie dem Unternehmen ein Gehalt von X wert? Dafür gibt es vom Gesetzgeber jedoch keine konkreten Vorgaben, weshalb Sie auf den guten Willen Ihres Arbeitgebers angewiesen sind.

          Zum anderen können Sie eine Auskunft über das Durchschnittsgehalt von vergleichbaren männlichen Kollegen einfordern. Dazu nennen Sie dem Unternehmen die Tätigkeit, mit der Sie verglichen werden möchten. Das Unternehmen bildet dann den Durchschnitt der Gehälter aller männlichen Kollegen im Betrieb (es müssen mindestens fünf sein), die dieser Tätigkeit nachgehen. Männer können sich im Gegenzug mit ihren Kolleginnen vergleichen lassen. Für diese Vergleichsauskunft haben die Unternehmen einen Monat lang Zeit.

          Hält der Arbeitgeber die von Ihnen genannte Tätigkeit für nicht gleichwertig, steht es ihm frei eine andere als Vergleichsgrundlage herbeizuziehen. Sollten Sie unterhalb des ermittelten Durchschnittswerts verdienen, haben Sie nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz Anspruch auf Nachzahlung.

          Mehr als 200 Beschäftigte, mit Tarifbindung

          Sind Sie in einem tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt, gelten die Neuerungen weitestgehend gleichermaßen. Wichtigster Unterschied: Die Betriebsräte fungieren hier als Bindeglieder zwischen Ihnen und der Unternehmensführung. Sie stellen Ihre Auskunftsanfrage an den Betriebsrat, und dieser ist verpflichtet, Ihr Anliegen weiterzuleiten. Die Betriebsräte sollen Ihnen dabei den Rücken stärken, damit sich auch Vorsichtige zu einer solchen Anfrage durchringen. Auch gebündelte Auskunftsanfragen mit Kolleginnen, die eine gleichwertige Tätigkeit ausüben, werden so möglich. Das Familienministerium sieht darin eine eindeutige Stärkung der Betriebsräte.

          Sollten Sie im öffentlichen Dienst beschäftigt sein, gilt dieser Auskunftsanspruch über den Betriebsrat ebenso. Ist Ihr Unternehmen zwar tarifgebunden, verfügt aber über keinen Betriebsrat, können Sie sich an von den regionalen Tarifparteien benannte Vertreter wenden.

          Sonderregelungen für die Großen und Kleinen

          Beschäftigt Ihr Unternehmen weniger als 200 Angestellte, ändert sich für Sie durch den aktuellen Gesetzesentwurf erst einmal nichts. Ein Auskunftsrecht ist für Sie nicht vorgesehen. Das Familienministerium gelobt lediglich die Situation in solchen Betrieben zu „evaluieren“. Damit ist vor allem ein noch auszugestaltendes Forschungsprojekt gemeint, das die Bedürfnisse dieser Unternehmenskategorie ausloten soll. Eine Ausweitung des Auskunftsrechts auf Kleinunternehmen könnte laut einer Sprecherin des Familienministeriums frühestens nach der kommenden Bundestagswahl Gegenstand von Koalitionsverhandlungen werden.

          Für Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten werden noch zusätzliche betriebliche Prüfverfahren eingeführt. Alle fünf Jahre sollen diese vom Familienministerium auf Lohngerechtigkeit überprüft werden. Bei Kapitalgesellschaften mit mehr als 500 Angestellten kommen zusätzliche Berichtspflichten über „Maßnahmen zur Gleichstellung und zur Entgeltgleichheit im Unternehmen“ hinzu.

          Ab wann Sie in den Genuss des neuen Auskunftsrecht tatsächlich kommen werden, ist unklar. Familienministerin Schwesig möchte das Gesetz aber noch in dieser Legislaturperiode durch den Bundestag bekommen.

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