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Gefühle statt Fakten? : Der Glaubenskrieg um Glyphosat

  • -Aktualisiert am

Ein Traktor fährt über ein Feld und bringt Glyphosat aus. Bild: dpa

Der Streit um Glyphosat zeigt: Die Frage, wie eine Gesellschaft mit Risiken umgeht, ist eine grundsätzliche. Basis einer Debatte sollten aber Fakten sein, die alle anerkennen und nicht was Menschen fühlen.

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          Es gibt gute Gründe, Glyphosat zu verbieten. Der Artenrückgang und das Verschwinden der Insekten sind ernste Bedrohungen, die es geboten erscheinen lassen, ein Totalherbizid vom Markt zu nehmen, das jede Pflanze tötet, die nicht gentechnisch verändert wurde. Man muss sich fragen, warum die EU die Zulassung 2017 um fünf Jahre verlängert hat. Für die Hersteller wäre ein Verbot erheblich, aber das Verfahren ist begründet, transparent und bietet Planungssicherheit. Zulassungen werden mit Grund zeitlich befristet. Glyphosat ist eine Bedrohung für die Artenvielfalt – krebserregend aber ist es nicht.

          Auch wenn die milliardenschweren Schadenersatzklagen in Amerika gegen Bayer etwas anderes nahelegen, wissenschaftlich begründet ist diese Furcht nicht. Eine überwältigende Zahl von Forschungseinrichtungen und staatlichen Zulassungsbehörden hat das bestätigt: die europäische Chemikalienagentur Echa, das Bundesinstitut für Risikobewertung, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die amerikanische Umweltschutzbehörde, der für Pestizidrückstände zuständige Ausschuss der Weltgesundheitsorganisation WHO. Und doch hat im Mai eine Geschworenenjury im kalifornischen Oakland Bayer zu Schadenersatz von 2 Milliarden Dollar verurteilt.

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