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Internet auf dem Land : Telekom, wir brauchen Glasfaser!

  • -Aktualisiert am

Glasfaserkabel der Telekom: Die Landkreise sind mit dem Ausbau nicht zufrieden. Bild: dpa

Auf dem Land ruckelt so manches Internet-Video. Die Landkreise wollen flotte Glasfaserkabel, doch die Telekom verbessert oft nur alte Kupferleitungen. Das sorgt für Streit.

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          Der Deutsche Landkreistag befürchtet eine falsche Weichenstellung für den Ausbau des Breitbandinternets in Deutschland. Seine Sorgen richten sich gegen die Deutsche Telekom. „Wir benötigen einen möglichst flächendeckenden Glasfaserausbau. Von daher sehen wir die Stoßrichtung der Telekom kritisch, die auf die Ertüchtigung alter Kupferkabel setzt“, sagte der Präsident des Landkreistages, der Landrat Reinhard Sager, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Auf lange Sicht wird kein Weg an Glasfaser vorbeiführen. Nur diese Technologie ist langfristig zukunftsfähig.“ Daher schlägt er Alarm und stellt sich auch in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gegen die Telekom.

          Jan Hauser
          (jch.), Wirtschaft

          Schnelles Internet ist an vielen Orten noch nicht in Sicht. „Der bisherige Ausbau des schnellen Glasfasernetzes erfolgt zu langsam und zu fragmentarisch“, sagte Sager, der Landrat des Kreises Ostholstein ist. „Die Menschen und die Unternehmen brauchen leistungsfähige Internetanschlüsse.“ Besonders auf dem Land verlangsamt sich das Abspielen von Filmen oder die Arbeit mit großen Datenbanken über das Internet. Die Landkreise sorgen sich deshalb darum, dass bevölkerungsschwache Teile Deutschlands an Attraktivität verlieren.

          Bund will beim Ausbau helfen

          Sofern der Internetausbau wirtschaftlich nicht erfolgversprechend erscheint und Unternehmen sich in ländlichen Regionen zurückhalten, ist staatliche Hilfe im Gespräch und an manchen Orten schon erfolgt. Auch die Bundesregierung will helfen und beabsichtigt mit Milliarden Euro dort zu fördern, wo sich der wirtschaftliche Ausbau nicht lohnt. Wie das aber geschehen soll, darüber streiten die Beteiligten.

          Zur Diskussion stehen zwei Modelle: Die Kommune zahlt einem Telekommunikationsunternehmen einen Zuschuss für den Ausbau oder sie kümmert sich selbst um den Ausbau und verpachtet das Netz. Im Zuschussmodell (Deckungslückenmodell) zahlt die Kommune dem privaten Unternehmen einen festen Betrag, damit diese das Breitbandnetz errichtet und betreibt. Dieses Geld sieht der Steuerzahler nicht wieder. Im Betreibermodell schreibt die Kommune Baustellen aus und beauftragt private Unternehmen mit dem Bau von Leitungen und Hausanschlüssen. Das Netz bleibt in Besitz der Kommune und wird an einen Betreiber verpachtet. Dafür geht die Kommune ins Risiko: Sie gibt mehr Geld aus und es ist unsicher, wie viel sie später zurückerhält. Der Landkreistag sieht einen weiteren Unterschied: Im Zuschussmodell werde häufig die Kupferleitung ertüchtigt, während im Betreibermodell meist fortschrittlichere Glasfasernetze bis zu den Verbrauchern verlegt werden. Die Interessenvertretung der Landkreise denkt schon an die Zukunft: Wenn der Kommune das Netz gehört, kann sie mit Einnahmen aus der Verpachtung die Leitungen modernisieren, während das private Unternehmen für jeden Fortschritt wieder einen Zuschuss verlangen würde.

          Die Deutsche Telekom bevorzugt das Zuschussmodell, weil hier der Staat möglichst wenig eingreife. „Vorrang sollten immer private Investitionen haben“, teilt das Unternehmen weiter mit. Mittels Vectoring-Technik erhöht die Telekom die Internetgeschwindigkeit in Haushalten, die mit Kupferkabel an den Verteilerkasten angeschlossen sind. Die Telekom fordert staatliche Zuschüsse, die unabhängig von der Technologie vergeben werden. Ob das Internet via Kupferkabel oder Glasfaser ausgebaut wird und ob dies über Festnetz oder Mobilfunk erfolgt, soll der Staat nicht vorschreiben.

          Landkreise wollen Förderung beider Modelle

          Landkreistagspräsident Sager ärgert sich darüber. Er fordert in dem Schreiben an Verkehrsminister Dobrindt, dass die Bundesregierung beide Modelle fördert. „Diese Bitte richte ich nicht zuletzt deshalb an Sie, weil mir ein Ihnen vermutlich auch bekanntes Papier der Deutschen Telekom vorliegt, in dem Betreibermodelle in unhaltbarer Weise diskreditiert werden“, heißt es in dem Brief. „So behauptet die Deutsche Telekom, das Modell der Zuschussförderung greife weniger intensiv in das Markt- und Wettbewerbsgeschehen ein als das Betreibermodell.“ Diese Behauptung werde nicht begründet und sei falsch. Landkreise investieren laut Sager nur dann in eigene Netze, wenn private Unternehmen dies nicht tun. Damit würden sie die infrastrukturellen Voraussetzungen für einen Wettbewerb um die Endkunden eröffnen.

          Er beruft sich auf eine neue Studie, die das Bundesverkehrsministerium herausgegeben hat, und einen Leitfaden der EU-Kommission, nach denen Glasfasernetze gerade im ländlichen Raum nachhaltiger seien. Wie sehr greift der Staat mit dem Internetausbau in die Privatwirtschaft ein? Die Monopolkommission, die die Regierung in Wettbewerbsfragen berät, urteilt, dass der kommunale Einsatz auch in der Telekommunikation dort enden sollte, wo private Unternehmen die Leistungen anbieten können. „Weitgehend unproblematisch ist es, wenn sich kommunale Unternehmen auf den Bau und den Betrieb passiver Netzinfrastrukturen beschränken“, heißt es in dem Hauptgutachten der Kommission aus dem vergangenen Jahr. Darin benennt sie Breitbandnetze als Voraussetzung für Wachstum und Beschäftigung.

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