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GKV oder PKV : Eine Frage der Regeln

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70 Millionen Menschen sind Mitglied in einer Gesetzlichen Krankenkasse, die Privaten Krankenversicherer zählen rund 8,6 Millionen Vollversicherte. Sie gehören zu unterschiedlichen Systemen, deren Regeln die Gesundheitsreform 2007 aufgeweicht hat.

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          Die allermeisten Menschen in Deutschland - rund 70 Millionen - sind in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgesichert. Sie ist - wie der Name schon sagt - streng gesetzlich reguliert. Rund 95 Prozent der Leistungen sind bei allen Krankenkassen gleich. Seit 2009 ist auch der Beitragssatz von der Regierung festgelegt und für alle Anbieter einheitlich. Derzeit liegt er für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen bei 15,5 Prozent des Bruttolohns. Ab 1. Juli soll er auf 14,9 Prozent sinken. Dazu schleust der Bund zusätzliche Milliardenbeträge aus der Staatskasse in den Gesundheitsfonds, aus dem seit Anfang des Jahres alle Kassen nach strengen und komplizierten Regeln das Geld zur Versorgung ihrer Versicherten zugeteilt bekommen. In jedem Fall gilt das Prinzip: Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Familienangehörige ohne eigenes Einkommen sind beitragsfrei mitversichert.

          Nach ganz anderen Regeln funktioniert die Private Krankenversicherung (PKV), die 2008 rund 8,6 Millionen Vollversicherte hatte. Sie steht nur Beamten, Selbstständigen und Gutverdienern offen. Hier bemessen sich die Kosten für den Versicherungsschutz grundsätzlich nicht nach dem Einkommen. Es kommt vielmehr auf den Umfang der Leistungen an, den sich der Versicherte wählen kann, sowie auf dessen Gesundheitszustand. Das Prinzip lautet also: Wer wenige Leistungen braucht, muss weniger bezahlen. Die PKV wirbt damit, dass ihre Leistungen umfangreicher sind und Patienten zum Teil Vorzugsbehandlung bekommen.

          Weiterer wichtiger Unterschied sind die Alterungsrückstellungen. Während die GKV immer nur so viel einnimmt, wie sie gerade an Kosten hat (Umlagesystem), legt die PKV für ihre Versicherten Geld „für schlechte Zeiten“ zurück, das heißt für das Alter, wo die meisten Menschen öfter krank sind und mehr Leistungen aus der Versicherung benötigen. Die Summe bei allen PKV-Unternehmen hat inzwischen 130 Milliarden Euro erreicht.

          Mit der Gesundheitsreform 2007 wurden die Unterschiede zwischen beiden Systemen aufgeweicht. Per Gesetz wurde der PKV vorgeschrieben, einen Basistarif anzubieten, der in etwa die Leistungen der GKV umfasst und auch in etwa so viel kostet. Außerdem dürfen die Privatversicherer niemanden mehr ablehnen, weil er zu krank ist. Versicherte können erstmals einen Teil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen, wenn sie zwischen PKV-Unternehmen wechseln.

          Gleichzeitig erhöhte die Reform die Hürde für einen Übertritt von der GKV in die PKV: Wer wechseln will muss nicht nur ein Jahr ein Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 48.600 Euro jährlich haben, sondern drei Jahre lang.

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