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Giorgio Napolitano : Der Vermittler

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Giorgio Napolitano Bild: dpa

Giorgio Napolitano ist für eine zweite Amtszeit als italienischer Staatspräsident wiedergewählt worden. Er soll das Patt im italienischen Parlament lösen. Der 87-Jährige ist einer der wenigen wirklich breit geschätzten Politiker des Landes.

          Er gilt als Gentleman der alten Schule und ist ein leiser, aber nachdrücklicher Vermittler zwischen den Parteien und ideologischen Welten. Seit geraumer Zeit spielt Giorgio Napolitano (87) bei der Überwindung von Regierungskrisen in Italien eine Schlüsselrolle. Seine ruhige Ausstrahlung, sein Pragmatismus und seine untadelige politische Vergangenheit haben es auch ermöglicht, dass er im Mai 2006 als erster Ex-Kommunist in das höchste italienische Staatsamt gewählt wurde. Nun wurde er wieder gerufen, „nationale Einheit“ möglich zu machen und das Patt im Parlament zu lösen.

          Der alte und neue Staatschef des Sorgenkindes Italien ist einer der wenigen wirklich breit geschätzten Politiker des Landes und macht auch bei Reisen ins Ausland eine „bella figura“. Im Spätherbst 2011 fädelte er den Übergang von dem gescheiterten Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu dem Reformer Mario Monti ein. Und auch nach den Parlamentswahlen Ende Februar setzte er alles daran, dass Italien trotz des Patts rasch zu einer Regierung kommen sollte. Das konnte der geschickte Strippenzieher im Quirinale-Palast nicht schaffen - so kurz vor dem Ende seines Mandats waren ihm die Hände gebunden.

          Der aus gutbürgerlichen Verhältnissen in Neapel stammende Napolitano schloss sich mit 17 Jahren dem Widerstand gegen den faschistischen Diktator Mussolini an. 1945 trat er der PCI (Partito Comunista Italiano) bei, 1953 wurde er zum Abgeordneten gewählt.

          Der große Alte

          Vor Jahrzehnten galt er als einer der großen Modernisierer der Kommunistischen Partei PCI und war Anfang der 90er Jahre maßgeblich an deren Umwandlung in die sozialdemokratische DS (Democratici di Sinistra) beteiligt. Schon damals war der stets elegant gekleidete und zurückhaltende Napolitano ein bewährter Vermittler zwischen verhärteten Fronten. Heute ist er „der große Alte“ der Politik des Stiefelstaates. Wegbegleiter haben ihn deshalb gern als bescheidene und gemäßigte Vaterfigur mit schütterem Haar und Brille beschrieben.

          Napolitano hat wichtige Ämter im Parlament bekleidet, so als Präsident der Abgeordnetenkammer (1992-1994) und als Innenminister unter der ersten Regierung von Romano Prodi. In seiner Jugend war Napolitano unter anderem als Schauspieler tätig. Das Schreiben von Gedichten blieb sein großes Hobby. Er hat mehrere Bücher verfasst und ist mit Clio Napolitano verheiratet, mit der er zwei Söhne hat.

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