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Giorgetto Giugiaro : „Autos müssen gefallen“

2005: Ferrari GG50 Bild: Hersteller

Italiens Vorzeige-Designer Giorgetto Giugiaro hat den ersten VW Golf gezeichnet. Doch sein Name steht auch für Sportwagen wie Maserati Ghibli, BMW M1 oder zuletzt den Lamborghini Gallardo.

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          Italiens Vorzeige-Designer Giorgetto Giugiaro lässt sich in seinem Urteil nicht von der spartanischen Stimmung in der Autobranche anstecken. Während alle vom Benzinsparen reden und von der Reduzierung der Schadstoffe, erinnert der Maestro an einen ganz anderen Grundsatz: "Alle wollen fasziniert werden. Die Autos müssen gefallen. Denn wir leben in einer hedonistischen Welt."

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Technisch anspruchsvolle, leichte und sparsame Autos wie der aus Aluminium gefertigte Audi A2 sind für Giugiaro ein willkommenes Beispiel: Dieses Auto sei sehr vernünftig gewesen, doch habe es nicht gefallen und sei deshalb nicht gekauft worden.

          50 Millionen Autos aus Giugiaros Hand

          Dass die Autos umweltfreundlicher werden können und müssen, streitet Giugiaro nicht ab. Schließlich steht sein Name nicht nur für Sportwagen wie Maserati Ghibli, BMW M1 oder zuletzt der Lamborghini Gallardo. Giugiaro ist auch der Vater vieler vernünftiger Autos. Mit den Formen aus seiner Hand kamen grob geschätzt 50 Millionen Autos auf die Straßen, einschließlich der Volkswagen Golf, Passat, Scirocco, des Fiat Grande Punto der Alfa-Modelle Brera und 159. Zu seinen Designstudien gehört auch ein kastenartiges Auto namens "Capsula" von 1982, nach Giugiaros Worten "hässlich, aber komfortabel", mehr hoch als breit, das in verkehrsreichen Städten als Taxi dienen sollte; daneben mancher Vorläufer heutiger Großraumwagen.

          2005: Ferrari GG50 Bilderstrecke

          Giugiaro, der im Alter von 17 Jahren seine Karriere als Designer bei Fiat begann und vor 49 Jahren, mit 22, als Jungstar und Designchef von Nuccio Bertone eingestellt wurde, hat sein Leben vor allem mit dem Entwerfen von Autos verbracht. Doch gibt er sich nie als schwärmerischer Autofreak, sondern mehr als nachdenklicher Autokonstrukteur. Genauso sehr wie manche gelungene Form freuen ihn technische Innovationen, etwa der Umstand, dass er mit einer neuen Produktionsidee den Autos der siebziger Jahre die althergebrachte "Dachrinne" abnahm. Dementsprechend hatte er in der Vergangenheit auch schon einmal Zweifel geäußert, ob Autos mit modernen Sicherheitsstandards und exzellenter Straßenlage immer noch auf Tempolimits von 80, 100 oder 130 Stundenkilometer begrenzt sein müssten.

          Neue Formen für alternative Antriebe

          Als Autodesigner muss Giugiaro in der Zukunft leben und Vorschläge für die Automanager parat haben, die in fünf Jahren ein neues Modell auf den Markt bringen wollen. Umso mehr zeigt er auf seine diplomatische Weise sein Unverständnis, wenn Politiker schon in einem Zeitraum von zwei oder drei Jahren neue Regeln setzen wollen. "Aufgabe der Politik ist es, für die Autos in zwanzig Jahren oder den Verkehr in fünfzig Jahren neue Rahmenbedingungen zu setzen, dann kann sich die Industrie daran orientieren."

          Er selbst experimentierte immer wieder mit Formen, die zu alternativen Antrieben passen, zuletzt 2007 mit einem zweisitzigen Sportwagen namens "Vad.HO", der zwei hintereinander sitzende Passagiere und einen Wasserstoffantrieb von BMW vereinte. "Wir werden ein System finden, um mit Elektroantrieben zu fahren", sagt Giugiaro.

          Höher und kürzer

          Während sein Sohn und Nachfolger Fabrizio zum vierzigjährigen Bestehen des Designhauses gerade wieder eine extrem flache Designstudie präsentiert hat, meint Giorgetto, er könne nicht umhin, im Stau etwas Mitleid zu empfinden, wenn er nebenan auf einen Fahrer herabschaue, der in einem niedrigen Auto eingezwängt sei. Höhere Autos zu bauen sei nicht nur komfortabler für Ein- und Ausstieg und für den Lebensraum der Passagiere.

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