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Gilde : Brauereiverkauf als Politikum

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Traditionsmarke aus Hannover Bild: dpa

Mit der Gilde-Brauerei steht ein Stück Hannover-Geschichte zum Verkauf. Durch die Stadt geht ein Sturm der Entrüstung.

          Die Gilde-Brauerei ist kerngesund, ein ureigenes Stück Hannover-Geschichte - und trotzdem soll sie im Eiltempo ins Ausland verkauft werden. Der Aufsichtsrat machte jetzt den ersten Schritt für eine Übernahme noch in diesem Jahr frei.

          Bis zur Hauptversammlung am 15. November sollen die Angebote auf dem Tisch liegen, sagte Gilde-Vorstand Michael Beck am Mittwoch. Angetrieben wird der Verkauf nicht zuletzt durch die Pläne der Bundesregierung, die Erlöse aus Aktienverkäufen künftig zu besteuern. In Branchenkreisen wird für Gilde ein Preis von mindestens 450 Millionen Euro für realistisch gehalten.

          Sturm der Entrüstung

          Die Hauptversammlung in gut einer Woche wird entscheiden, ob und mit wem über den Verkauf verhandelt wird. Alles läuft darauf hinaus: Schon zur Jahreswende wird das älteste Unternehmen Hannovers unter ausländischer Kontrolle stehen. Anfang der Woche sah es danach aus, als sei der Verkauf kaum noch zu verhindern. Der Großteil der Aktionäre, vorwiegend alt eingesessene Familien der Stadt, hatte sich bereit erklärt, einer Übernahme zuzustimmen.

          Seit die Pläne aber bekannt sind, geht ein Sturm der Entrüstung durch die Stadt. Die Zeitungen berichten auf Sonderseiten über das Thema. „Die Schlacht um Gilde - Finger weg von unserem sexy Bier“ („Bild“), „Heute machen sie das Fass auf“ („Neue Presse“) und „Stimmung auf dem Tiefpunkt“ („Hannoversche Allgemeine Zeitung“) heißt es dort. Ob das die Mehrheit der Aktionäre umstimmen kann, ist offen. „In die Köpfe kann ich nicht hinein schauen“, sagte Beck.

          Gefundenes Wahlkampfthema

          Bei der Gilde kommen gleich mehrere Dinge zusammen. Interessant ist vor allem die bundesweit bekannte Marke Hasseröder, die auch bei Umsatz und Ertrag eine tragende Rolle spielt. Außerdem wollen sich internationale Konzerne weiter Anteile auf dem deutschen Biermarkt sichern. Dazu gehören die belgische Interbrew , die erst vor rund einem Jahr Beck & Co („Beck's“) in Bremen kaufte, die niederländische Heineken-Gruppe und South African Brewery.

          Im nächsten Februar ist Landtagswahl in Niedersachsen - Gilde ist schnell zum Wahlkampfthema geworden: Neben Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) haben sich auch Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) und CDU-Landeschef Christian Wulff lautstark mit der Sorge um die Arbeitsplätze zu Wort gemeldet. Die SPD punktete bereits bei den Wahlen 1998 und 1994 mit der Rettung großer Unternehmen: 1994 war es die ehemalige DASA-Flugzeugwerft Lemwerder, 1998 wurde ein Verkauf der Preussag Stahl AG in Salzgitter ins Ausland verhindert.

          Erfolg macht begehrt

          Gilde-Insider sehen die Zukunft der Brauerei auch unter ausländischer Kontrolle allerdings nicht so schwarz wie manche Politiker. Die Kenner befürchten keinen massiven Abbau von Arbeitsplätzen, weil die Strukturen der Gilde als sehr gesund und effizient gelten. Und auch die Zahlen zeigen, dass die Brauerei mit ihren 900 Mitarbeitern bestens dasteht. 2001 erwirtschaftete die Brauerei bei 306 Millionen Euro Umsatz einen Überschuss von 20 Millionen Euro. Gilde hat keine Schulden bei den Banken. „Wir sind ja gerade wegen unseres Erfolges für eine Übernahme so interessant“, sagte Beck.

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