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Giga-Präsidentin Narlikar : „Es liegt im eigenen Interesse der Jüngeren, das Virus einzudämmen“

Amrita Narlikar, Präsidentin des Hamburger Giga-Forschungsinstituts Bild: dpa

Die Präsidentin des Hamburger Giga-Forschungsinstituts sieht in der Corona-Krise keinen Gegensatz zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Interessen. Doch müsste nun stärker als in der ersten Welle an die Vernunft der Jüngeren appelliert werden.

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          Die Präsidentin des Hamburger Giga-Instituts, Amrita Narlikar, hat davor gewarnt, in der Debatte über die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie einen Gegensatz zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Interessen aufzubauen. „Diesen Gegensatz gibt es nicht“, sagte sie im Gespräch mit der F.A.Z.. „Die Menschen in Deutschland sollten die Einschränkungen akzeptieren, die ihnen wegen Corona abverlangt werden.“ Je besser es gelinge, das Virus einzudämmen, desto größer seien die Chancen, dass Wirtschaft und Arbeitsplätze dauerhaft gerettet werden könnten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Narlikar begrüßte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von ihrer zu Beginn der Pandemie gemachten Aussage abgerückt ist, dass sich alle vor allem an die Regeln halten sollten, um Ältere und Vorerkrankte zu schützen. „Es ist gut, dass sie klar sagt, dass es im Interesse jedes Einzelnen liegt. Bislang hat sie mit dem Fokus auf Alte und Schwache zu stark an den Altruismus der Jüngeren und Gesunden appelliert“, sagte Narlikar. „Es ist dabei nicht klar geworden, dass es im eigenen Interesse auch der Jüngeren liegt, das Virus einzudämmen.“ Wie gefährlich das Virus und die Folgen einer Infektion auch für junge Menschen sein kann, das müsse jetzt in der zweiten Infektionswelle endlich jedem klar sein. „Dieses neue Narrativ der Kanzlerin kommt sieben Monate zu spät und sie muss daher dafür nun viel mehr tun“, sagte Narlikar.

          Positivbeispiel Neuseeland

          Wichtig sei, dass Merkel offensiver Hoffnung verbreite. Sie habe damit erst mit ihrer Rede am Samstag, 17. Oktober, begonnen als sie sagte, dass die Einschränkungen nur vorübergehend seien. „Die früher oft zu hörende Aussage, wir müssten uns an eine neue Normalität mit Corona gewöhnen, war kein Narrativ, das Hoffnung macht“, sagte die Präsidentin des Forschungsinstituts.

          Die neue Linie der Regierung, stärker an die Eigenverantwortung zu appellieren, weil jeder sich aus eigenem Interesse an die Regeln halten sollte, müsse immer wieder betont werden. „Sich um die Alten und Vorerkrankten sorgen und dabei gleichzeitig zu wissen, dass das auch im eigenen Interesse liegt, sind kein Gegensatz“, sagte Narlikar.

          Sie empfahl der Bundesregierung, stärker hervorzuheben, dass es jetzt darum gehe, „das Virus auszutreten, indem alles unternommen wird, Infektionen konsequent vorzubeugen“. Die Wissenschaftlerin, die selbst gerade ein Buch über Narrative im globalen Welthandel veröffentlicht hat, wies auf das Beispiel Neuseeland hin. Dort habe Premierministerin Jacinda Ardern von Beginn der Pandemie an auf klare Einschränkungen gesetzt, aber in ihren öffentlichen Erklärungen auch stets unterstrichen, dass es im Eigeninteresse aller liege, Corona gemeinsam zu besiegen.

          „Für Deutschland wird es jetzt schwieriger sein, diese neue Botschaft zu senden“, sagte Narlikar. Merkel müsse sie einem komplizierten föderalen System vermitteln, in welchem die Länder in hohem Maße autonom seien und das alte, problematische Denken bereits tief sitze. Außerdem werden kurzzeitige Grenzkontrollen und durchsetzbare Quarantäneregelungen notwendig sein, um die Bevölkerung zu schützen. Es sei zentral, dass das neue Narrative daher konsequent weiterentwickelt und verbreitet werde. „Indem wir andere schützen, schützen wir auch uns und die deutsche Gesellschaft insgesamt.“

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