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Dividenden-Trickserei : Gier frisst Anstand

  • -Aktualisiert am

Der Cum-Ex-Skandal erreicht die Deutsche Börse. Selbst wenn hier nur eine Gesetzeslücke ausgenutzt wurde: In der Finanzbranche darf sich niemand über den ruinierten Ruf wundern.

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          Es ist verwunderlich, dass der Cum-Ex-Skandal erst spät die Deutsche Börse mit nun neuen Durchsuchungen der Geschäftsräume erreicht hat. Denn bei ihr laufen Abermillionen Transaktionen von Wertpapieren durch die Bücher und sie verwahrt so viele Wertpapiere wie keiner sonst in Europa. Wert: gut 11 Billionen Euro.

          Wenn also jemand weiß, wer wann wie rund um den Dividendenstichtag getrickst und Banken und ihren Kunden so zur mehrfachen Rückerstattung einer nur einmal entrichteten Kapitalertragsteuer verholfen hat, dann ist es die dafür zuständige Börsentochtergesellschaft Clearstream. Es ist ein sehr trauriges Kapitel deutscher Finanzgeschichte. Denn es verstärkt die vielfach vorhandenen Vorurteile, in der Finanzbranche beherrsche Gier alles Tun und der Anstand bleibe auf der Strecke.

          Selbst wenn hier nur eine Gesetzeslücke ausgenutzt wurde, musste jedem Beteiligten klar gewesen sein, dass eine mehrfache Erstattung einer nur einmal gezahlten Steuer nicht anständig ist. Und es sind keine armen Leute, für die das Modell erdacht wurde. Es geht um vermögende Kunden (einst) renommierter Banken und mit der Deutschen Börse um einen Dienstleister ersten Ranges.

          In der Finanzbranche darf sich niemand wundern, dass der Ruf ruiniert ist und die Politik wenig Lust hat, den Wünschen nach weniger Regulierung nachzukommen. Solange die Gier derart schamlos um sich greift, ist schärfste Kontrolle nötig.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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