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Wichtige Wochenenden : Gewalttätige Proteste bedrohen Frankreichs Kaufhäuser

Der große, bunt geschmückte Weihnachtsbaum in den Galeries Lafayettes ist selbst eine Attraktion. Bild: Reuters

Die Protestbewegung der „Gelbwesten“ verursacht nun sogar breite volkswirtschaftliche Schäden. Konkret betroffen ist zum Beispiel das Geschäft der Galeries Lafayette. Und nun?

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          Die Protestbewegung der „Gelbwesten“, deren Aktionen an diesem Wochenende in Paris teils zu bürgerkriegsähnlichen Szenen führten, verursacht jetzt auch breitere volkswirtschaftliche Schäden. Die Einzelhandelsunternehmen, die von den Samstagen und Sonntagen vor Weihnachten abhängen, rechnen infolge der zahlreichen Blockaden mit empfindlichen Umsatzverlusten.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Wie ein Symbol standen dafür am Samstag die heruntergelassenen Schutzgitter vor den Eingangstoren der großen Kaufhäuser Printemps und Galeries Lafayette am Boulevard Haussmann von Paris. Die Geschäfte mussten aus Sicherheitsgründen am späten Nachmittag schließen. Auf die Versicherungsunternehmen kommen ebenfalls neue Belastungen zu.

          Die „Gilets jaunes“ (benannt nach ihren gelben Warnwesten) protestierten ursprünglich gegen Ökosteuern, die das Benzin teurer machen. Doch zunehmend schließen sich radikale Kräfte an, die alleine auf blinde Zerstörung aus sind.

          In der französischen Hauptstadt zündeten die Gewalttäter nicht nur Autos an, sie plünderten auch einige Geschäfte und legten dort Feuer. Marken der Luxuswarenbranche sowie teure Hotels, aber auch die Banken, Immobilienagenturen sowie das alte Börsengebäude im Herzen von Paris wurden zum Ziel von Angriffen.

          Riesige Umsatzeinbußen

          Nicht nur in Paris kam es zu Protesten. Der Flugverkehr von Nantes war am Samstag zeitweise blockiert, weil Demonstranten auf die Flugbahn vordrangen. Auch in Nizza war der Zugang zum Flughafen blockiert. In Marseille wurde unter anderem ein Juwelier geplündert; in Chambery versperrten die Demonstranten mit aufgetürmten Einkaufswagen die Zufahrt zu einem Einkaufszentrum.

          In Avignon klagte der Vorsitzende des Einzelhändler-Verbandes: „Die Umsatzrückgänge erreichen 70 Prozent. Die Bewegung protestiert gegen die Falschen.“ Schon in den vergangenen Tagen haben die „Gelbwesten“ an mehrere Maut-Stationen der Autobahnen dafür gesorgt, dass die Fahrzeuge umsonst durchfahren konnten.

          Der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire berichtete in der vergangenen Woche, dass die großen Ketten des Einzelhandels am Samstag des 17. November – als die Protestbewegung begann – rund 35 Prozent ihres Umsatzes eingebüßt hätten; am darauffolgenden Samstag kam abermals ein Minus von 18 Prozent hinzu, und unter der Woche beliefen sich die Rückgänge auf 8 bis 15 Prozent.

          Weil Kreisverkehre und andere Verkehrsknotenpunkte blockiert waren, blieben viele Menschen zu Hause. Bäcker, Metzger oder Friseure sprachen von Umsatzverlusten in Höhe von 60 bis 70 Prozent. Der Tierfutterhersteller Royal Canin, der zum amerikanischen Mars-Konzern gehört, hat aufgrund der Blockaden in Südfrankreich 1400 Beschäftigte in die Kurzarbeit geschickt.

          Diese Belastungen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das französische Wachstum hatte sich im dritten Quartal dieses Jahres gegenüber den beiden Vorquartalen auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verdoppelt, weil vor allem der private Konsum zunahm. Gleichzeitig blieben die Unternehmensinvestitionen hoch.

          Nun ist dieser Trend wieder in Frage gestellt. Um die Regierungsprognose von 1,7 Prozent zu erreichen, wäre im vierten Quartal ein weiterer kräftiger Schub nötig, was schon vor den Ausschreitungen zweifelhaft erschien. Allenfalls der wieder gesunkene Ölpreis und der schwache Euro könnten für einen gewissen Ausgleich sorgen. Der französische Arbeitgeberverband Medef forderte, dass die öffentliche Ordnung rasch wieder hergestellt werden müsse. Der Verband unterstützt laut einer Mitteilung „im Prinzip“ die Ökosteuern, doch er fordert ein System, „das im Verhältnis zur Belastbarkeit der wirtschaftlichen Akteure steht“.

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