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Übernahme in Schweden : Getriebehersteller ZF Friedrichshafen schnappt sich den Nächsten

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ZF Friedrichshafen ist mittlerweile der drittgrößte Autozulieferer in Deutschland. Bild: dpa

Der Getriebehersteller ZF hat im vergangenen Jahr in Amerika zugeschlagen. Jetzt expandiert er nach Schweden - und bootet einen prominenten Konkurrenten aus.

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          ZF Friedrichshafen schnappt dem Achsenhersteller SAF-Holland den schwedischen Lastenwagenbremsen-Spezialisten Haldex vor der Nase weg. Nur wenige Tage nach Beginn der Angebotsfrist zur Übernahme der Schweden durch SAF legte der Autozulieferer eine um 20 Millionen Euro höhere Offerte über 462 Millionen Euro vor.

          ZF hat dafür den Haldex-Vorstand und den größten Aktionär, Aufsichtsratschef Göran Carlson, hinter sich, teilten die beiden Unternehmen nun mit. Die Produktpaletten beider Firmen ergänzten sich vollkommen, erklärte ZF-Chef Stefan Sommer. „Die Führungskräfte sprechen die selbe Sprache wie wir, die Partnerschaft ist sehr sinnvoll.“

          „Die Partnerschaft ist sehr sinnvoll“

          Für den Getriebehersteller vom Bodensee ist es eine weitere große Übernahme nach dem milliardenschweren Kauf des amerikanischen Zulieferers TRW im vergangenen Jahr, mit der die Schwaben zum drittgrößten Zulieferer nach Bosch und Continental aufrückten. Der Zusammenschluss von Haldex und ZF bietet für beide Unternehmen die Möglichkeit, das Produktangebot für Nutzfahrzeuge im Bereich Antriebs- und Fahrwerktechnik sowie für Bremssysteme und Luftfederungen aus einer Hand anzubieten.

          ZF könne damit seine Technologie von Sicherheitssystemen oder Kraftstoffeinsparung vom Personenwagen auf Nutzfahrzeuge übertragen. Der Umsatz von ZF im Nutzfahrzeuggeschäft würde mit Haldex um eine halbe Milliarde auf vier Milliarden Euro steigen bei einem Gesamtumsatz von gut 36 Milliarden Euro im Jahr.

          Der fränkische Zulieferer SAF hätte unterdessen das Nachsehen, wenn mehr als 90 Prozent der Haldex-Aktionäre die Offerte annähmen. Die Franken halten selbst 3,6 Prozent an dem schwedischen Unternehmen. Sie hatten umgerechnet 442 Millionen Euro geboten. SAF wollte mit Haldex sein Produktportfolio für Lkw vervollständigen und hätte mit der Übernahme das Umsatzziel von 1,5 Milliarden Euro vorzeitig erreicht. Ein Sprecher von SAF erklärte: „Wir haben das Angebot zur Kenntnis genommen.“ Für alles weitere sei es noch zu früh.

          Haldex-Aufsichtsratschef Carlson hatte vor Kurzem gesagt, neben SAF sei noch ein weiterer Bieter im Spiel. Er verpflichtete sich gegenüber ZF, unter nicht näher genannten Bedingungen seinen Anteil von 5,7 Prozent zu verkaufen. Sommer zufolge liefen die Gespräche mit den Schweden bereits bei Bekanntwerden der SAF-Offerte Mitte Juli.

          „Lieber investieren, als Kosten zu senken“

          Haldex-Konzernchef Magnus Johansson erklärte, die Aktionäre könnten jetzt den Wert ihres Investments zu einer signifikanten Prämie gegenüber dem aktuellen Kurs und dem SAF-Angebot realisieren. Der Aktienkurs war allerdings in Erwartung einer weiteren Offerte am Mittwoch bereits über 104 Schwedische Kronen gestiegen, während ZF pro Aktie 100 Kronen bietet. Der Kurs kletterte an diesem Donnerstag weiter auf 105 Kronen.

          ZF-Chef Sommer versicherte, er plane keine Einsparungen beim schwedischen Zulieferer mit 2200 Beschäftigten in 18 Ländern. „Wir wollen lieber investieren, als Kosten zu senken“, sagte er. ZF kann sich trotz der gerade erst gestemmten Übernahme von TRW den weiteren Zukauf leisten. Gerade erst sicherte sich das Unternehmen eine Kreditlinie über 3,5 Milliarden Euro.

          Im ersten Halbjahr steigerte ZF den Umsatz auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis betrug 1,1 Milliarden Euro. Um Sondereffekte bereinigt stieg die Rendite damit um fast zwei Prozentpunkte auf 6,3 Prozent.

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