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Gesundheitswesen : Nur noch ein Ausbildungsgang für Pflegeberufe

  • -Aktualisiert am

Das Bundeskabinett hat die Reform der Alten- und Krankenpflegeausbildung gegen vielfältigen Widerstand beschlossen. Demnächst soll es nicht mehr drei Ausbildungsberufe geben, sondern nur noch einen.

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          Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Entwurf für eine Reform der Pflegeausbildung beschlossen. Kern des Vorhabens ist das Zusammenlegen der bisher drei getrennten Ausbildungsgänge für die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. Das Vorhaben steht im Koalitionsvertrag. Die Regierung und ein Teil der Pflegelobby erhoffen sich davon eine größere Attraktivität der Ausbildung und Durchlässigkeit der Berufe, nicht zuletzt auch, um den Personalmangel zu reduzieren. Dass die Reform die Pflege verbessert, wird allerdings vielfach bezweifelt. Kritik kommt aus der Union, von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Krankenhäusern, Fachvereinigungen sowie von Grünen und Linken.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Nach dem Kabinettsentwurf, der jetzt an Bundestag und Bundesrat geht, soll die Ausbildung für die drei Berufe im Grunde gleich sein, allerdings sind in der dreijährigen Lehrzeit wählbare Spezialisierungsmodule für eine fachliche Vertiefung vorgesehen. Der Zugang auch für Hauptschulabsolventen soll gewahrt bleiben, doch soll auch der Anteil der Akademiker in der Pflege wachsen. Das Gesetz soll in diesem Jahr beschlossen werden, der erste Ausbildungsjahrgang könnte dann 2018 starten.

          Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) begründete die neue „generalistische Ausbildung“ so: Pflegekräfte müssten in Altenheimen zunehmend mehrfach und chronisch Kranke versorgen, und eine Pflegekraft im Krankenhaus müsse sich mit der Versorgung Demenzkranker auskennen. Gleichzeitig gebe es bessere Chancen für das Pflegepersonal, sich beruflich weiterzuentwickeln. Das helfe Pflegekräften wie Pflegebedürftigen. Mit mehr als 133 000 Auszubildenden im Schuljahr 2013/2014 würde der neue Pflegeberuf zum größten Ausbildungsberuf in Deutschland. Allein wegen der Alterung der Gesellschaft sei es nötig, mehr Pflegepersonal für die ambulante und stationäre Pflege auszubilden. Dazu soll eine Finanzreform beitragen, mit der etwa das heute noch teilweise in den Ländern von den Schülern verlangte Schulgeld gestrichen wird. Stattdessen sollen alle Auszubildenden eine Vergütung erhalten.

          Die Kosten der dualen Ausbildung im Betrieb und den 1440 Pflegeschulen werden laut Kabinettsentwurf von heute 2,4 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro im Jahr steigen. Das beinhaltet 180 Millionen Euro Mehrkosten für die gesetzliche Kranken-, 90 Millionen Euro für die erstmals direkt beteiligte Pflege- sowie 23 Millionen Euro für die private Krankenversicherung. Das Gros der Kosten tragen die Pflegebetriebe, die - unabhängig von der Frage, ob sie ausbilden oder nicht - mittels einer neuen bundesweiten Umlage an der Finanzierung beteiligt werden.

          Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte, das neue Finanzierungssystem verteile die finanziellen Lasten gerecht auf alle Betriebe und vermeide so Wettbewerbsnachteile für diejenigen, die ausbilden. Indirekt sollen mit dem Gesetz auch die Einkommen der Pflegekräfte verbessert werden.

          Schwesig griff das oft gebrauchte Argument auf, dass die Arbeit am Menschen immer noch weniger wertgeschätzt werde als die Arbeit an Maschinen. Eine angemessene Ausbildungsvergütung sei ein „wichtiges Signal zur Aufwertung eines Berufs, in dem noch immer überwiegend Frauen tätig sind, und damit auch ein wichtiger Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit“.

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