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Gesundheitswesen : Änderungen zum Jahreswechsel

  • -Aktualisiert am

Für Zahnersatz gibt es künftig Festzuschüsse Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Das Tempo, mit dem im Gesundheitswesen neue Regelungen angekündigt, eingeführt und wieder verworfen werden, nimmt zu. Eine Übersicht, was 2005 anders wird.

          3 Min.

          Das Tempo, mit dem im Gesundheitswesen neue Regelungen angekündigt, eingeführt und wieder verworfen werden, nimmt zu. Allein die Ankündigung Anfang dieses Jahres, Zahnersatz und Krankengeld würden 2005 aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ausgegliedert, hat für viel Wirbel gesorgt. Und jetzt kommt es doch anders. Zahnersatz und Krankengeld bleiben Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung. Gleichwohl wird sich mit dem Jahreswechsel wieder einmal einiges ändern im Gesundheitswesen.

          Für Zahnersatz erhält ein Versicherter vom neuen Jahr an in jedem Fall einen Zuschuß seiner Krankenkasse, auch wenn er sich nicht für eine Leistung der Regelversorgung entscheidet. Der sogenannte befundorientierte Festzuschuß orientiert sich alleine an dem zu behebenden Mangel. Für die Diagnose "ein Zahn fehlt" zum Beispiel steht dem Versicherten nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen ein fixer Zuschuß von rund 273 Euro zu.

          Die Differenz zum Implantat, das je nach Material und Aufwand zwischen 1.500 und 3.000 Euro kostet, muß der Versicherte selbst tragen. Bisher allerdings übernahm die Kasse überhaupt keine Kosten für ein Implantat. Es gibt aber auch den Fall, daß sich Patienten schlechter stehen als bisher, zum Beispiel, wenn sie sich bei derselben Diagnose für eine Brücke entscheiden, die 1.000 bis 1.200 Euro kostet.

          Sonderkündigungsrecht für manchen Privatversicherten

          Bekam ein Versicherter bisher einen Zuschuß von 50 Prozent, erhält er künftig ebenfalls den Zuschuß von 273 Euro. Belohnt wird nach wie vor, wer sein Bonusheft pflegt und regelmäßige Vorsorgetermine nachweisen kann. So erhöht sich der Festzuschuß um 20 beziehungsweise 30 Prozent, wenn das Heft fünf beziehungsweise zehn Jahre lang regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen dokumentiert. Wer auf die Ankündigung hin, Zahnersatz werde aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen, eine private Versicherung abgeschlossen hat, erhält ein Sonderkündigungsrecht. Ein entsprechendes Gesetz sei verabschiedet worden, teilen die Ersatzkassenverbände in Hessen mit und verweisen auf weitere Informationen unter www.die-gesundheitsreform.de.

          Patienten werden sich auch darauf einstellen müssen, daß sie für ein Arzneimittel plötzlich stärker zur Kasse gebeten werden. Denn die Festbetragsregelung soll im nächsten Jahr auf weitere Medikamente ausgeweitet werden. Festbeträge sind Höchstbeträge für die Erstattung von Arzneimittel-Preisen durch die gesetzlichen Krankenkassen. Diese kommen nur für den Festbetrag auf. Festbeträge werden für Gruppen vergleichbarer Arzneimittel auf der Höhe der Kosten für die preisgünstigen Arzneimittel innerhalb der entsprechenden Gruppe festgesetzt. Verordnet der Arzt zum Beispiel auf ausdrücklichen Wunsch eines Patienten dennoch ein Präparat, dessen Preis über dem Festbetrag liegt, so muß der Patient diesen Differenzbetrag zusätzlich zur gesetzlichen Zuzahlung entrichten.

          Beitragssenkung ist nicht der erhoffte Segen - Sonderbeitrag

          Zum 1. Juli 2005 schreibt der Gesetzgeber eine Beitragssatzsenkung von 0,9 Prozentpunkten vor. Was auf den ersten Blick erfreulich klingt, entpuppt sich für gesetzlich Versicherte bei näherer Betrachtung nicht als der erhoffte Segen. Denn Arbeitnehmer müssen vom 1. Juli an einen Sonderbeitrag von 0,9 Prozentpunkten an ihre Krankenkasse entrichten. Bei einem Beitragssatz von 14,8 Prozent der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hessen (AOK) zum Beispiel tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bisher jeweils 7,4 Prozent. Wird der Beitragssatz um 0,9 Prozentpunkte gesenkt, entfallen auf beide Parteien noch jeweils 6,95 Prozent. Für den Arbeitnehmer kommen dann aber 0,9 Prozentpunkte Sonderbeitrag hinzu, so daß er statt bisher 7,4 Prozent dann 7,85 Prozent zu zahlen hat. Angehoben wird auch der Beitragssatz für die Pflegeversicherung. Kinderlose haben statt 1,7 künftig 1,95 Prozent zu zahlen.

          Standardisierte Behandlungsprogramme, die es bisher für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und Diabetes mellitus Typ 2 (altersabhängiger Diabetes) gibt, sollen 2005 auf Diabetes Typ 1 (insulinabhängig) ausgeweitet werden. An diesen sogenannten Disease-Management-Programmen können Ärzte und Patienten freiwillig teilnehmen. Ärzte sollen in Form von besonderen Vergütungen, Patienten durch qualitätsgesicherte, einheitliche Therapien profitieren.

          Hartz IV wird die Kassen belasten

          Für Patienten dürfte auch die Entwicklung weiterer Modelle zur integrierten Versorgung interessant werden. Existieren bisher Kooperationen vor allem zwischen Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen, so erwartet Hans-Friedrich Spies, bis 2003 Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen und jetzt Mitglied im Bundesvorstand der KV, zunehmend Verträge mit einzelnen niedergelassenen Ärzten. Die Krankenkassen werden nach seiner Einschätzung versuchen, für ihre Versicherten hohe medizinische Qualität zu guten Preisen auszuhandeln. Wer sich also mit den Angeboten der Kassen befaßt, kann seine Mitgliedschaft auch davon abhängig machen, welche Versicherung attraktive Kooperationen und Leistungen anbietet.

          Mehrbelastungen von jährlich 20 Millionen Euro sieht Andreas Bonn, Pressesprecher der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hessen, durch Hartz IV auf die Kasse zukommen. Denn wer mehr als sechs Stunden pro Woche arbeiten kann, wird in das sogenannte Arbeitslosengeld II integriert und damit Zwangsmitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Die AOK Hessen rechnet mit 30 000 zusätzlichen Mitgliedern, für die die Ausgaben die Beiträge der Bundesanstalt für Arbeit von 125 Euro je Mitglied übersteigen werden. Bonn nennt das einen "klassischen Verschiebebahnhof" und kritisiert: "Die Sozialämter werden entlastet, die gesetzliche Krankenversicherung aber wird belastet."

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