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Gesundheitsversorgung : Wenn Mediziner zu Ministern werden

Eine Operation im Krankenhaus. Bild: dpa

Wird ein Arzt zum Gesundheitsminister, dann gibt es mehr Geld für Kliniken und mehr Ärzte. Ob das auch den Patienten hilft, ist nicht so klar.

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          Wenn Ärzte Gesundheitsminister werden, wird dann kompetenter regiert? Mancher denkt so. Ob Fachleute die besseren Minister sind – diesen Streit gibt es ressortübergreifend schon lange. Für unterschiedliche Ministerien haben sich unterschiedliche Traditionen entwickelt.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Justizminister, der kein Jurist ist: kaum vorstellbar. Ein Verteidigungsminister, der nicht gedient hat: Das gibt es selten, kommt aber vor. Im Finanzministerium war selten ein Volkswirt am Werk, seit der Wiedervereinigung einzig Peer Steinbrück, es dürfte aber gerne mal wieder einer sein. Dann gibt es noch das Landwirtschaftsministerium: Wenn da ein Landwirt sitzt, wird er von Umweltschützern kritisch beäugt. Und stellen wir uns mal vor, ein Automanager würde zum Verkehrsminister berufen. Was wäre im Land wohl dann los?

          Ist das Geld für Krankenhäuser verschwendet?

          Gesundheitsminister Jens Spahn ist zwar schon lange Gesundheitspolitiker, aber kein Arzt – anders als etwa sein Vorvorvorgänger Philipp Rösler. Was sagt das über ihre Eignung aus?

          Sicher ist: Alle Gesundheitsminister zusammen haben seit der Wiedervereinigung die Zahl der Ärzte im Land deutlich gesteigert, die in den Kliniken sogar verdoppelt. Die jährlichen Gesundheitsausgaben sind von 2000 Euro auf 4500 Euro je Einwohner gestiegen, schneller als Inflation und Bruttoinlandsprodukt.

          Dafür waren vor allem Ärzte verantwortlich. Denn wenn Mediziner zu Ministern werden, dann sorgen sie für ihresgleichen. Als Gesundheitsminister sorgen Ärzte mehr als andere Politiker dafür, dass Kliniken ausgebaut werden, es gibt mehr Betten und mehr technisches Gerät. In der Folge wird mehr Krankenpflegepersonal beschäftigt und noch mehr Ärzte – so haben es die Ökonomen Adam Pilny und Felix Roesel an den Wirtschaftsforschungsinstituten RWI und Ifo ermittelt. Ihre Studie dazu erscheint demnächst in einer Fachzeitschrift für Gesundheitsökonomik.

          Das Geld bringt den Patienten nicht unbedingt viel

          Die Ökonomen haben dafür die deutschen Länderminister untersucht, die besonders viel Einfluss auf die Krankenhäuser haben. In anderen Staaten haben Politiker andere Einflussmöglichkeiten, dort gibt aber es ähnliche Effekte zu beobachten. So stellte sich heraus, dass es in italienischen Krankenhäusern beispielsweise mehr Kaiserschnitte gibt, wenn der Präsident der jeweiligen Region ein Arzt ist.

          Was aber sollen die Bürger davon halten? Wird die Gesundheitsversorgung besser, wenn Mediziner dafür politisch verantwortlich sind? Die Ökonomen finden Indizien dafür, dass Ärzte mit ihrer Arbeit dann zufriedener sind. Die Patienten allerdings profitieren davon nicht besonders. Die zusätzlichen Kosten werden nicht durch ein längeres Leben ausgeglichen.

          Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Zufriedenheit der Patienten nicht wächst. Bis vor ein paar Wochen wäre die Schlussfolgerung gewesen, dass die ministerialen Doktoren viel Geld für wenig Nutzen ausgeben und für Überkapazitäten sorgen. Nun, während der Pandemie, können die Überkapazitäten vielen Leuten gar nicht groß genug sein. Abgerechnet wird am Ende.

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