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Gesundheitspolitik : Hausärzte schließen erstmals Direktvertrag mit Krankenkassen

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Hessische Hausärzte unterlaufen das Monopol der Kassenärztlichen Vereinigungen Bild: dpa

Damit wird das Monopol der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ausgehebelt, die bisher deutschlandweit die einzigen Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen waren.

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          Die hessischen Hausärzte haben erstmals direkt mit den Krankenkassen einen Versorgungsvertrag geschlossen. Damit wird das Monopol der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ausgehebelt, die bisher deutschlandweit die einzigen Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen waren.

          Der Vertrag umfasst nach Angaben des AOK-Landesverbandes Hessen vom Montag strukturierte Behandlungsprogramme für Diabetiker des Typs II, der so genannten Altersdiabetes. Damit werde der Startschuss für ein Disease Management Programm (DMP) in Hessen gegeben.

          Kritik vom Hartmannbund und der Kassenärztlichen Vereinigung

          Nach Darstellung der AOK haben Vertreter des Hausärzteverbandes Hessen und der Krankenkassen in Frankfurt eine Rahmenvereinbarung unterschrieben, die es den Kassen ermöglicht, mit niedergelassenen Hausärzten und diabetologischen Schwerpunktpraxen direkt Verträge für die Behandlung von Diabetespatienten abzuschließen. Das garantiere eine „hochwertige Behandlung“ auf der Basis aktueller medizinischer Erkenntnisse. DMP sehen Standardverfahren zur Behandlung bestimmter Krankheitsbilder vor.

          Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) in Frankfurt und beim Hartmannbund (Berlin), dem Verband der Ärzte in Deutschland, stieß der Vertragsabschluss auf heftige Kritik. Bei der KVH hieß es in einer ersten Stellungnahme, eine vorläufige Prüfung des Behandlungsprogramms habe ergeben, dass die Qualität des DMP „nicht hoch“ sei und nicht den gesamten Versorgungsbedarf der Diabetespatienten abdecke. Der Hartmannbund-Vorsitzende Hans- Jürgen Thomas reagierte mit „Zorn und Entsetzen“ auf den Direktvertrag: „Man kann sich auch selbst entmannen“, urteilte Thomas und nannte den Vertrag einen „ersten Schritt zurück in die Kassenabhängigkeit“. Ärztefunktionäre hätten damit die Interessen Einzelner über die Solidarität des ganzen Berufsstandes gestellt.

          Dagegen betonte Prof. Klaus-Dieter Kossow vom Deutschen Hausärzteverband, der Vertrag lege den Grundstein für eine „qualitätsgesicherte und abgestimmte Behandlung“ von Diabetikern. Der Rahmenvertrag tritt zum 1. April in Kraft. Beteiligen können sich Hausärzte, internistisch tätige Hausärzte, diabetologische Schwerpunktpraxen und Krankenhäuser. Nach den Vorstellungen der AOK können die DMP von Juni an in die Behandlung einfließen.

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