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Gesundheit : Allein, in Ketten oder im Netz

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Walgreens versorgt die Amerikaner seit 105 Jahren mit Medikamenten Bild:

In Deutschland wird über die Zulassung der ersten Filiale der Internet-Versandapotheke Doc Morris gestritten. In den Vereinigten Staaten hingegen haben Apothekenketten einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent.

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          In Deutschland wird über die Zulassung der ersten Filiale der Internet-Versandapotheke Doc Morris gestritten. Hierzulande sind Einzelapotheken das Leitbild. Höchstens drei Filialen darf ein Apotheker betreiben; Apothekenketten sind verboten. In den Vereinigten Staaten hingegen expandieren Apothekenketten und Internet-Apotheken. Die Ketten haben einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent.

          Der Markt für Arzneimittel in den Vereinigten Staaten ist riesig. 188,5 Milliarden Dollar gaben Amerikaner, teils aus der eigenen Tasche, teils durch ihre Krankenversicherungen, im Jahr 2004 allein für rezeptpflichtige Medikamente aus. 8,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor und viereinhalb mal soviel wie zu Beginn der neunziger Jahre. Zahlen für 2005 liegen noch nicht vor, die Ausgaben dürften aber weiter gestiegen sein.

          Umsatzsteigerung mit Neueröffnungen und Übernahmen

          Davon profitieren nicht nur die Pharmahersteller, sondern auch die Apotheken. Die Umsätze steigen schnell und treiben den Expansionskurs insbesondere der Apothekenketten voran. Geradezu beispielhaft hierfür ist Walgreens, einer der führenden Apothekenbetreiber, der seit inzwischen 105 Jahren die Amerikaner mit Medikamenten versorgt.

          Walgreens setzte in seinen Geschäften, die neben Arzneien auch Drogerieartikel und vieles mehr anbieten, im vergangenen Monat 3,98 Milliarden Dollar um, ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Umsätze der Walgreens-Apotheken legten sogar um 18 Prozent zu. Zugleich öffnete der Konzern im Juli 39 Filialen, einschließlich neun Wiedereröffnungen und übernahm 76 Apotheken von Happy Harry's Drugstores. Damit gab es in 47 der 50 amerikanischen Bundesstaaten und in Puerto Rico Ende vergangenen Monats 5401 Walgreens-Geschäfte, verglichen mit 4891 vor einem Jahr.

          Medikamente, Kosmetik und Süßigkeiten im Angebot

          Noch bessere Zahlen als Walgreens präsentierte Konkurrent CVS, dessen Umsätze im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 28 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar in die Höhe schnellten. Allerdings trug hier die Übernahme von insgesamt 701 Drogeriemärkten von Osco und Sav-On wesentlich zu bei. CVS betreibt inzwischen 6205 Drogeriemärkte mit angeschlossener Apotheke sowie freistehende Apotheken in 44 amerikanischen Bundesstaaten sowie dem District of Columbia. Knapp 70 Prozent des Umsatzes erzielt CVS mit dem Verkauf von Medikamenten, den Rest steuert eine Vielzahl von Produkten bei, von Kosmetik über Zeitschriften bis zu Süßigkeiten. CVS löst auf seinen Märkten rund 20 Prozent aller Rezepte ein.

          Auf Apothekenketten wie Walgreens, CVS oder auch andere entfallen rund 40 Prozent der Gesamtumsätze amerikanischer Pharmazien, bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind es sogar 46 Prozent. Wie der Verband der Apotheken-Ketten-Betreiber ausgerechnet hat, lag vergangenes Jahr der durchschnittliche Betrag einer Verschreibung bei knapp 65 Dollar. Davon erhielt der Pharmahersteller mehr als drei Viertel (76,6 Prozent), der Arzneimittelgroßhändler 3,1 Prozent und die Apotheke 20,3 Prozent.

          Medikamente aus dem Supermarkt

          Neben den Ketten gibt es in Amerika noch eigenständige Apotheken, Internet-Pharmazien sowie eine Reihe von Supermärkten, die ebenfalls Lizenzen zum Verkauf von Medikamenten besitzen. Für die Vergabe und Kontrolle dieser Lizenzen sind die Bundesstaaten verantwortlich. Dort sind die sogenannten State Boards of Pharmacy mit der Überwachung des Apothekengeschäfts verantwortlich.

          Kalifornien und Florida beispielsweise schreiben vor, daß eine Apotheke nur dann Arzneimittel verkaufen darf, wenn ein staatlich lizenzierter Apotheker Dienst hat. Eine solche Lizenz wird vom kalifornischen Board of Pharmacy nur an Personen im Alter von mindestens 18 Jahren erteilt, die entweder über eine mehrjährige College-Ausbildung in Pharmazie oder über einen Doktorgrad in diesem Fach verfügen.

          Strenge Vorschriften für Apotheken

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