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Gespräche mit EU-Spitzen : Worüber Erdogan reden will

Sprechen sie miteinander – oder nicht? Der türkische Präsident Recep Tayyip, sein französisches Pendant Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel (von links). Bild: AP

Am Dienstag will sich der türkische Präsident per Videokonferenz mit Merkel und Macron austauschen. Auf seiner Agenda stehen viele Forderungen – für die EU-Mitgliedsstaaten geht es um ihre Glaubwürdigkeit.

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          Sekib Avdagic ist ein freundlicher älterer Herr, schmal und hochgewachsen, das Haar in Ehren ergraut, die Krawatte farblich passend zum dunklen Anzug gebunden. Er mag die Deutschen, er versteht ihre Sprache. Ein Jahr lang hat er in Deutschland gelebt, aber hinfahren mag er nicht mehr so gerne. Erstens, sagt er im Gespräch hoch über dem Bosporus, dauere es zu lange, eine Einreisegenehmigung zu bekommen. Wenn er dann das Visum habe, stellten Grenzbeamte, wie zuletzt auf dem Weg zu einem Vortrag als Gastredner auf einem Wirtschaftstreffen bei der Einreise in Frankfurt, Fragen wie diese: Haben Sie ein Hotelzimmer? Verfügen Sie über eine Krankenversicherung? Zeigen Sie mal ihr Rückflugticket?

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Sekib Avdagi kann sie alle mit „ja“ beantworten, er kann auch sein Rückflugticket vorzeigen. Aber er erfährt die Behandlung zunehmend als würdelos. Es brodelt sichtbar in ihm, als er von Erfahrungen berichtet, „die man nicht als schön empfinden kann“. Avdagi steht hier nicht nur für viel Türken, denen die Einreise in die EU, speziell nach Deutschland erschwert wird. Der Präsident der Handelskammer Istanbul steht auch für 400.000 Unternehmer, die gut ein Viertel der türkischen Wirtschaftsleistung erzeugen und 44 Prozent der Steuereinnahmen des türkischen Staates beisteuern. Trotz mancher Kritik kann Präsident Recep Tayyip Erdogan in dem Punkt auf Unterstützung der Wirtschaft und Zustimmung seiner Landsleute rechnen, wenn er die Wiederaufnahme der Gespräche über Visafreiheit für türkische Staatsbürger in Europa an die erste Stelle seines Forderungskatalogs für das Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron setzt, das an diesem Dienstag in Istanbul stattfinden soll.

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