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Management : Geschenke für Manager

Vorstände kassieren ab - mit Aktienoptionen. Dafür müssen sie kaum etwas tun. Besonders schlimm ist das bei Daimler und Infineon.

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          Satte 40,8 Millionen Euro verdiente 2003 der Vorstand von Daimler-Chrysler, davon wurden 27,4 Millionen Euro erfolgsabhängig bezahlt. Doch wo ist der Erfolg, schimpfen die Aktionäre. Der Betriebsgewinn schrumpfte um 17 Prozent und war damit schlechter als der der meisten Wettbewerber.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch nicht einmal die Kapitalkosten hat der Autobauer verdient. Beim Tochterunternehmen Mitsubishi brennt es lichterloh, Milliardenbeträge sind für die Sanierung nötig. Und für das Debakel bei der Lastwagenmaut wurden schon mal 100 Millionen Euro Rückstellungen gebildet.

          Teilerfolg für Aktionäre

          In den Gehältern der Vorstände ist all das nicht abzulesen. Besonders in die Kritik ist das Aktienoptionsprogramm geraten, das die Führungsriege zu langfristig überdurchschnittlichem Engagement anregen soll. Doch nur 1,84 Prozent muß die Daimler-Aktie im Jahr zulegen, damit das Management sein Geld aus den Optionen bekommt. Von Raffgier, Bonzentum und Selbstbedienungsmentalität sprechen daher die Aktionäre.

          Sie haben in der abgelaufenen Woche einen Teilerfolg errungen. Die Hauptversammlung beschloß, die Bezahlung der Manager vom kommenden Jahr an deutlich ehrgeiziger auszugestalten und sie auch von der Umsatz- und Kapitalrendite im Vergleich zu den Wettbewerbern abhängig zu machen. "Grundsätzlich ist das neue Programm zu begrüßen", kommentierte Aktionärsvertreter Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW).

          Schlechte Modelle

          Daimler ist keine Ausnahme. Zwei Drittel aller Dax-Unternehmen haben derzeit ein Aktienoptionsprogramm, und fast keines verfolgt richtig ambitionierte Ziele. Das größte Negativbeispiel: Infineon. Hier muß sich der Aktienkurs nur um bescheidene 0,7 Prozent im Jahr erhöhen, damit die Führung Geld aus den Optionen erhält. Die anderen Modelle sind nicht viel besser. Mehr als fünf Prozent Rendite werden kaum verlangt.

          "Manager sollten nur profitieren, wenn die Aktie eine risikolose Rendite aus Bundesanleihen deutlich übertrifft", fordert Jens Wilhelm, Leiter des Aktienfondsmanagements bei der Union Investment, die jährlich die Optionsprogramme analysiert. "Gehen wir von vier Prozent Rendite für solche Anleihen aus und fordern für das Engagement in Aktien eine Risikoprämie von drei Prozent, sollten es also mindestens sieben Prozent sein." Das erfüllt derzeit nur Adidas-Salomon. Die besten Optionsprogramme hätten nach Auswertung von Union Investment die Lufthansa und BASF, die beide einen hohen Eigenanteil der Begünstigten fordern.

          Optionen schmälern Gewinn

          Weiterer Kritikpunkt: Längst nicht alle Programme vergleichen die Entwicklung des eigenen Unternehmens mit der der Wettbewerber, indem sie eine bessere Kursentwicklung als der Branchenindex fordern. "Das ist aber zwingend. Andernfalls würden die Manager für den Rückenwind einer günstigen Branchenkonjunktur entlohnt", sagt Wilhelm. Zudem müßten die Programme längerfristig, das heißt über mindestens fünf Jahre, ausgelegt sein. Und der Aufwand für die Optionsprogramme solle entgegen der weitverbreiteten Praxis in der Bilanz verbucht werden.

          Denn hier tickt eine Zeitbombe. Wenn alle Optionen zur Auszahlung kommen, dann sind hohe Summen fällig, die den Gewinn der Unternehmen kräftig schmälern. Betroffen sind vor allem Technologiefirmen. Sie setzen stärker als andere Gesellschaften auf Aktienoptionen als Teil der Entlohnung. Ihre Gewinne hätten sich 2002 um 61 Prozent reduziert, wenn die Optionen bilanziert worden wären, hat die Investmentbank Merrill Lynch errechnet. Im kommenden Jahr, wenn die Bilanzierung vorgeschrieben sein wird, könnten die Gewinne um zehn bis 20 Prozent niedriger ausfallen, erwartet Morgan Stanley. Für die anderen Branchen sind die Folgen geringer: Bear Stearns rechnet mit drei, Konkurrent Credit Suisse First Boston mit acht Prozent weniger Gewinn.

          Auf Kosten der Aktionäre

          Es zeigt sich: Die derzeitigen Optionsprogramme bringen nicht nur kaum etwas, sie können die Aktionäre auch noch richtig Geld kosten. Kein Wunder, daß die Systeme in der Kritik stehen. Ausgedient haben sie aber noch nicht: In der kommenden Woche sollen die Aktionäre von Axel Springer ein Optionsprogramm beschließen. Am gleichen Tag entscheidet die Hauptversammlung von Schering über eine aktienkursabhängige Entlohnung des Aufsichtsrates.
          "Manche Unternehmen sind offensichtlich unbelehrbar", kritisierte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker den Vorschlag von Schering.

          Es widerspreche einem Urteil des Bundesgerichtshofes und dem Grundgedanken des Kodex für gute Unternehmensführung (Corporate Governance), der aktienkursabhängige Vergütungsbestandteile nur für Vorstände vorsehe. "Wie soll der Aufsichtsrat seiner Kontrollaufgabe gerecht werden, wenn er mit dem Vorstand auf den Kursverlauf starrt?" fragte Hocker. Daimler hatte jüngst ähnliche Pläne für den Aufsichtsrat zurückgezogen. Und die Telekom beendete schon im vergangenen Jahr nach massiver Kritik ihr Optionsprogramm.

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