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Geschäftsreisen : Meilen sammeln und ab ins 3-Sterne-Hotel

Die Dienstreisen nehmen zu, die durchschnittlichen Kosten aber sinken Bild: Seuffert, Felix

Deutschlands Manager gehen wieder häufiger auf Geschäftsreisen. Unterwegs müssen sie aber mehr auf die Kosten achten. Allerdings überlassen ihnen ihre Arbeitgeber allerlei Prämienpunkte.

          3 Min.

          Die Punkte sind im Flug verdient. Mindestens 9.680 Prämienmeilen gibt es für einen Lufthansa-Flug von Frankfurt nach Peking und zurück in der Businessclass - und die meisten Manager, die im Dienste ihres Unternehmens reisen, dürfen die Punkte für sich behalten. Ihr Arbeitgeber könnte die Meilen zwar beanspruchen, damit sie für künftige Geschäftsreisen eingesetzt werden. Doch 61 Prozent der deutschen Betriebe und Konzerne überlassen ihren Mitarbeitern die Punkte nur allzu gern. Von den Unternehmen, die auf die Bonusmeilen verzichten, erwägen nur 7 Prozent, daran etwas zu ändern. Das geht aus der Geschäftsreisestudie des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) hervor, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wird.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Dirk Gerdom, den Präsidenten des VDR und obersten Reisemanager des Softwarekonzerns SAP, haben Unternehmen gute Gründe, nicht selbst zum Meilenjäger zu werden. „Die Unternehmen wollen sich im Wettbewerb um die besten Talente als attraktive Arbeitgeber darstellen“, erklärt er. In Zeiten, in denen Fachkräfte knapp werden, kommt es Betrieben recht, Prämienpunkte zum Locken und Halten von Beschäftigten zu nutzen. „Der Mensch ist ein Jäger und Sammler. Sammelpunkte und Bonusprämien machen sich das zunutze“, erklärt er.

          Meilen als Bonbon sind Vielreisenden geblieben. Ansonsten müssen sie sich immer kostenbewusster zeigen. Businessclass-Flüge spielen auf Strecken in Europa fast keine Rolle mehr, man fliegt Economy. Der Anteil der Fahrten, die früh beginnen und spät abends enden, ist auf einen Rekordwert gestiegen. 55 Prozent aller Geschäftsreisen 2013 gingen nicht über Nacht. Und wer doch übernachten durfte, konnte keinen Luxus erwarten. Laut VDR-Studie, für die 800 Reiseverantwortliche in Unternehmen befragt wurden, quartierten sich 58 Prozent der Geschäftsreisenden im Inland in 3-Sterne-Unterkünften ein - im Jahr 2009 waren es erst 52 Prozent.

          Bild: F.A.Z.

          Mit effizienterer Reiseorganisation haben die Unternehmen abgewendet, dass Beschäftigte auf Reisen verzichten müssen, die für den Geschäftserfolg wichtig sind. Im Gegenteil: 2013 wurde mehr gereist als je zuvor. „Geschäftsreisen sind ein Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft“, sagt Gerdom. Und der geht es offensichtlich gut. Rund 171 Millionen Geschäftsreisen zählte der Verband im vergangenen Jahr, der krisenbedingte Einbruch aus 2008 und 2009 ist mehr als ausgeglichen.

          Doch die Reisekosten sind nicht in gleichem Maße gestiegen. Mit 48,2 Milliarden Euro lagen sie 500 Millionen Euro unter dem Rekordwert von 2007. „Im Vergleich zu 2009 ist das Reisevolumen der größeren Unternehmen um 17 Prozent gewachsen - ihre durchschnittlichen Geschäftsreisekosten jedoch nur um 10 Prozent“, sagt Gerdom. Blickt man weiter zurück, zeigen sich gewaltige Einschnitte. Mit 310 Euro im Durchschnitt kostete eine Geschäftsreise zuletzt 37 Euro weniger als 2003. Unnötiges und besonderes Annehmliches wurde weggespart.

          Bild: F.A.Z.

          Mehr Dienstreisen und steigendes Kostenbewusstsein - beide Trends werden sich in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen. Und das stellt Gerdoms Berufsstand, die Reisemanager, vor Herausforderungen. Übernachtungskosten dürften eines der nächsten großen Handlungsfelder sein. Während Ausgaben für Flüge nach Aufs und Abs mit 12,4 Milliarden Euro auf dem Niveau von vor einem Jahrzehnt liegen, sind Hotelkosten gestiegen. Bis 2011 gab die deutsche Wirtschaft in keinem Jahr mehr als 12 Milliarden Euro für Übernachtungen ihrer Beschäftigten aus, mittlerweile berappt sie 12,2 Milliarden Euro - obwohl der Trend zur Ein-Tages-Reise geht und mehr Drei-Sterne-Unterkünfte gebucht werden.

          „Die Hotels haben viel von der Luftfahrt gelernt, ihr Ertragsmanagement ist viel ausgefeilter geworden“, sagt Gerdom. „Die Hotellerie ist ein Bereich, den wir in der nächsten Zeit beobachten und optimieren müssen.“ Erste Schritte sind getan: Die Zeit, in der Manager und Monteure ganz selbstverständlich in Stammhotels wohnten, neigt sich dem Ende zu. Mittlerweile ist man in Reiseabteilungen mit Hotelportalen wie HRS und Booking gut vertraut. „Der große Vorteil der Portale ist, dass sie den gesamten Markt abbilden. Es kommt immer wieder vor, dass Zimmer während einer Sonderaktion günstiger angeboten werden als zu ausgehandelten Firmenraten.“

          Auch unkonventionelle Wege gehören zur Geschäftsreise der Zukunft - etwa die Nutzung von Appartementvermittlungsportalen wie Airbnb oder das Bilden von Fahrgemeinschaften. Geschäftsreisende, die in dieselbe Richtung aufbrechen, steigen zusammen in einen Wagen - koordiniert vom Arbeitgeber. Dass zwei Manager sich ein Hotelzimmer teilen, wird hingegen nicht angestrebt.

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