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Geschäftsmodelle : Landesbanken mit und ohne Sparkassen

  • -Aktualisiert am

Landesbanken brauchen Privatkunden, um weniger abhängig vom Kapitalmarktgeschäft zu sein. Nur solchen Instituten geben die Sparkassen mit neuem Geld noch eine Chance. Das entlarvt ihre Funktionäre. Denn in Düsseldorf, München oder Hamburg haben sie wider besseres Wissen Fusionen von Landesbanken und Sparkassen verhindert.

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          Die Finanzkrise hat seit längerem bekannte Schwächen der Landesbanken schonungslos offengelegt. Zwischen 2001 und 2005 haben sich Landesbanken mit staatlich garantierten Anleihen zu günstigen Konditionen mehr als 300 Milliarden Euro Kapital eingekauft. Da die meisten öffentlichen Banken kaum Kunden hatten, die Kredit nachfragten, steckten sie das Geld in unverantwortlichem Ausmaß in Finanzanlagen, die sie nicht verstanden. Die Verluste sind heute so gewaltig, dass allein Bayern LB, HSH Nordbank und LBBW zusammen 18 Milliarden Euro neues Eigenkapital brauchen. Nun kommt es zum aufschlussreichen Test: Wer gibt welchen Landesbanken Geld und rettet sie zumindest bis auf weiteres?

          Die vorläufige Bilanz zeigt: Die Bundesländer sind mit Hilfen immer zur Stelle, die Sparkassen selten, und der Bankenrettungsfonds des Bundes Soffin nie – zumindest nicht mit Eigenkapital, allenfalls mit Garantien. Die Sanierung der Landesbanken erfolgt vielmehr auf Kosten der regionalen Steuerzahler, auch weil die Bundesländer den Bund nicht als Eigner mitreden lassen wollen. Lieber päppelt der Freistaat Bayern die Bayern LB mit 10 Milliarden Eigenkapital, die HSH Nordbank bekommt von Schleswig-Holstein und der Hansestadt Hamburg 3 Milliarden Euro. Nur an der Kapitalerhöhung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beteiligen sich auch Sparkassen ihrem Anteil gemäß mit 2 Milliarden Euro.

          Der Riss ist offenkundig

          Der Riss zwischen den örtlichen Sparkassen und ihren regionalen Zentralinstituten ist offenkundig. Den Sparkassenfunktionären in den Verwaltungsräten ist wie den Landespolitikern die Eigentümerkontrolle über das Treiben der Landesbanken entglitten. Die Verzweiflung unter den Sparkassen ist nun groß. Sie werden in diesem Jahr wegen steigender Insolvenzen hohe Ausfälle im Firmenkreditgeschäft verkraften müssen. In Schleswig-Holstein kann die Sparkasse Südholstein die Abschreibung auf ihren HSH-Anteil schon jetzt nicht mehr stemmen. Das ist ein Einzelfall. Da Kommunen in der Regel in den vergangenen Jahren auf Gewinnausschüttungen der Sparkassen verzichtet haben, verfügen die meisten Ortsbanken noch über viel Eigenkapital. Dennoch prüfen die Sparkassen genau, welcher Landesbank sie Geld geben.

          Das ist verständlich. Denn das Grundproblem der hilfsbedürftigen Landesbanken ist nicht gelöst: Es fehlt den meisten an einem Geschäftsmodell, das die Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft verringert. Daran sind auch die Sparkassen schuld, die die Bildung von Landesbank-Sparkassen-Konzernen in Metropolen wie München, Hamburg und Düsseldorf verhindern. Vorbild für eine solche ausbalanciertere Regionalbank ist die LBBW, die nicht nur eine Landesbank mit Kapitalmarkt- und Großkundengeschäft, sondern in Stuttgart auch Sparkasse ist. Über das risikoarme Privatkundengeschäft hinaus betreibt sie auch Kreditgeschäft mit zum Teil sogar kleinen Mittelständlern. Mit beiden Geschäftsfeldern macht die LBBW den Sparkassen zu deren Ärger so stark Konkurrenz wie keine andere Landesbank. Obwohl die Sparkassen diesen Verstoß gegen die vereinbarte Arbeitsteilung stets gegeißelt haben, ist die LBBW die einzige Landesbank, die sie nun in der Krise stützen. Aus Bayern LB und HSH Nordbank dagegen würden sich die Sparkassen lieber früher als später als Eigner ganz zurückziehen; das Verweigern der Kapitalerhöhung und die damit einhergehende Verwässerung ihrer Anteile ist nur ein Vorgeschmack. Auch die besonders ungeliebte West LB wird für Abwicklung und Resteverkauf aller Voraussicht nach kein zusätzliches Eigenkapital von den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen bekommen.

          Aus sechs mach drei

          Daher ist wahrscheinlich, dass sich die Zahl der Sparkassen-Zentralbanken von heute sechs Konzernen auf drei verringert. LBBW, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und Nord LB werden in nicht allzu ferner Zukunft auch Sparkassen betreuen, für die heute noch Bayern LB, HSH Nordbank und West LB zuständig sind. Pikanterweise hätten sich dann neben LBBW mit Helaba und Nord LB zwei weitere Landesbanken durchgesetzt, die gegen das Dogma der Gruppe verstoßen und in Frankfurt und Braunschweig Sparkassen haben. Dass nun nur Landesbanken mit Privatkundengeschäft von den Sparkassen mit Kapital gestützt und damit für überlebenswürdig erachtet werden entlarvt, dass Sparkassenfunktionäre wider besseres Wissen Landesbanken bei der Expansion in aussichtsreiche Geschäftsfelder behindert haben.

          Es ist deshalb ein Fortschritt, wenn diese Sparkassenfunktionäre in den Landesbanken ohne Sparkassen keine Rolle mehr spielen. Gleichwohl stecken die Bundesländer, die jetzt Landesbanken mit Milliarden stützen, das Geld des Steuerzahlers in Banken, die, selbst etwas zurechtgestutzt, erwiesenermaßen nicht funktionieren. Womöglich wird es kurze Erfolge von niedrigem Niveau aus geben. Ministerpräsidenten werden bis dahin Landesbankfusionen verhindern und dem Steuerzahler zunächst schöne Renditen präsentieren wollen. Wie aber Landesbanken ohne Sparkassen und Privatkunden auf Dauer vernünftige Renditen mit verträglichem Risiko verdienen sollen, ist nicht zu erkennen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

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