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Geschäfte mit Tierliebe : Was Bello und Mausi mundet

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Die Tierliebe nimmt zuweilen irre Züge an Bild: dpa

Feinkost für Hunde, Särge für Hamster: Die Tierliebe der Deutschen nimmt irre Züge an. Und wird zum großen Geschäft. Die Schlacht ums Tier hat erst begonnen.

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          Als Menü der Woche empfiehlt Birgitta Ornau Rind mit Zucchini, Kürbis und Oregano, wahlweise für Kalorienbewusste etwas Leichtes: Pute mit Sellerie, Ananas, Sanddornbeeren. Und zwischendurch vielleicht ein Snack gefällig? Lumpis getreidefrei etwa oder Struppis Apfel?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Um Missverständnissen vorzubeugen: Birgitta Ornau, eine Münchner Jungunternehmerin, die einst von einer Mode-Karriere geträumt hat, verdient ihr Geld nicht mit Sterne-Restaurants, sondern mit Feinkost für Bello: Hausmannskost in Dosen für den Besserverdienerhund. Eine Idee mit Potential, in ihrer Luxusnische knapst Ornau ordentlich ab vom Milliardenmarkt rund ums Tier.

          Um 80 Prozent will sie in diesem Jahr den Umsatz steigern, von 4 auf dann 7 Millionen Euro: „Nach dem ersten Quartal liegen wir zu 96 Prozent im Plan“, sagt die Gründerin von Terra Canis. So heißt Ornaus Firma, mit der sie nun von München-Schwabing aus die Welt erobert: „Erster Testmarkt ist Frankreich“, sagt die Betriebswirtin. „2013 starten wir dann in allen europäischen Ländern.“

          Särge für Hamster

          Für die Franzosen sprechen zwei Argumente: „Die Hundedichte dort ist höher als in Deutschland: Es gibt in Frankreich deutlich mehr Hunde pro Kopf.“ Außerdem hat Feinkost dort Tradition: „Im Mutterland der Haute Cuisine hat auch der Hund Anspruch auf hochwertige Ernährung. Die Franzosen geben extrem viel Geld für ihre Haustiere aus.“

          Seelachs-Trüffel und Cantuccini: Luxus-Leckerlis für Haustiere

          Dabei nimmt die Tierliebe auch hierzulande irre Züge an. Jeder sechste Deutsche würde umziehen, wenn der Hund nicht mehr die Treppe hochkommt, so ergab eine Emnid-Umfrage für das Magazin Chrismon (siehe Grafik). 15 Prozent lassen ihr Haustier im eigenen Bett schlafen, 14 Prozent würden Bello bei Bedarf auch eine Zahnspange kaufen, 22 Prozent ihn vom Bestatter beerdigen lassen. Und wo ein Bedürfnis sprießt, wächst auch ein kommerzielles Angebot: Särge für Hamster wie Hunde hat der Fachhandel längst im Angebot, allerhand exklusives Tierzubehör sowieso.

          Im Internet hat sich ein soziales Netzwerk für Hunde formiert. Im realen Leben bieten Tiermasseure ihre Dienste an, Verhaltenstherapeuten, Psychologen, Trainer jeder Art, auch ein erster ökumenischer Kirchentag für Mensch und Tiere wurde bereits abgehalten. Fachpublikationen schreiben aufrüttelnde Geschichten (“Mein Hund ist zu dick, was tun?“) und bieten Lebenshilfe (“Abnehmen für Hunde leicht gemacht“). Unternehmer wie Birgitta Ornau machen aus alledem ein Geschäft: Selbstredend hat sie, die Hunde-Fitness-Welle im Blick, eine Light-Serie auf dem Speiseplan. Schließlich soll die Firma zügig wachsen - auch mit Hilfe von fremdem Kapital.

          Birgitta Ornau hat Investoren gefunden, denen sie jetzt knapp 30 Prozent der Anteile verkauft hat. Den Namen der Geldgeber verrät sie nicht. Es handle sich um alteingesessene, sehr vermögende Familien, sagt sie nur. Mit deren Hilfe könne sie nun „wesentlich aggressiver in die Werbung gehen, mit einem deutlich größeren Marketing-Budget“. Die Schlacht ums Tier hat erst begonnen.

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