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Golf und Geschäfte : Ausgelocht

  • -Aktualisiert am

Hauch von Silicon Valley im eigenen Haus

Vor allem bei einer bestimmten, relativ neuen Gruppe von Jungmanagern hat Golf einen schweren Stand. Diese Gruppe ist in den vergangenen Jahren entstanden, ihre Mitglieder legen eine völlig andere Karriere hin als ihre Kollegen in der etablierten Geschäftswelt. Diese neue Welt, das ist die Start-up-Branche. Viele der Gründer sind oft noch sehr jung und haben im Falle eines schnellen Erfolges schon beachtliche Verantwortung für Firmen, in die Millionen investiert werden und die Menschen einen Job bieten. Ihr Umfeld ist ein komplett anderes als das der etablierten Manager in Familienunternehmen oder Großkonzernen. Das Milieu ist meistens urban, verankert in der Kultur- und Kreativszene – Orte also, die meilenweit vom Golfplatz entfernt sind. Berufliche und private Netzwerke dieser jungen Manager sind oft vermischt, aus Studienfreunden werden schnell Geschäftspartner. In der Gruppe gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten: Während die einen ihre Ideen schon in wirtschaftlichen Erfolg umwandeln konnten, leben die anderen noch in ungesicherten Verhältnissen. Durch diese Durchmischung wird der Status weniger im klassischen Sinne definiert, sondern viel mehr an Innovation und Kreativität gemessen. Und da sich auch viele der etablierten Unternehmen gerne einen Hauch von Silicon Valley ins eigene Haus holen wollen, um den Anschluss an die digitale Welt nicht zu verlieren, müssen sie sich zwangsweise zum Netzwerken an diese neuen Schauplätze begeben. Wer Kontakt mit solchen Leuten sucht, der findet ihn eher nicht auf dem Golfplatz, der in dieser Szene als spießig und langweilig gilt.

Dem Mitgliederschwund entgegenwirken: Golfclubs setzen auf Jugendförderung.

Diese Gemengelage führt dazu, dass die verbleibenden Golf-Liebhaber unter den Managern sich in ihren Clubs nun mit einer Entwicklung konfrontiert sehen, die nicht allen gefällt. Weil der zahlungskräftige Nachwuchs ausbleibt, kommen die Golfclubs in arge Bedrängnis und sind gezwungen, sich neue Strategien auszudenken, um zu überleben. Eine zentrale Idee ist es, das Eliten-Image loszuwerden. Das hat der Deutsche Golf Verband in seinem „Programm 2018“ festgehalten. Golf soll als moderne, offene und sympathische Sportart rüberkommen. Das ist auch das Ziel im Golfclub Neuhof. „Wir wollen weg vom elitären Image und den Club für die ganze Breite der Gesellschaft öffnen“, sagt Clubpräsident Wolfgang Dambmann. Entsprechende Maßnahmen wurden bereits in die Wege geleitet. Die bisher hohen Aufnahmehürden sind abgebaut, Mitgliedschaften flexibler und günstiger, auch mit Schulen gibt es Projekte. Der Abwärtstrend bei den Mitgliedszahlen konnte so gestoppt werden. So oder ähnlich ist es auch andernorts zu beobachten. Diese neue Offenheit führt allerdings dazu, dass diejenigen, die ihre Golfclubs als exklusiven Rückzugsort unter Gleichen gesehen haben, sich nun mit ganz anderen Gesellschaftsgruppen konfrontiert sehen. Nicht jeder ist darüber erfreut. Da wird Kindern Ruhestörung vorgeworfen, und auch den Platz würden sie kaputt hauen. Auch gibt es Unmutsäußerungen, als erfahrener Golfspieler mit Anfänger spielen zu müssen. Neue exklusive Orte zum Netzwerken sind deshalb gefragt, wie zum Beispiel Jagdgesellschaften oder Polo-Turniere. Da kann auch die Familie und der Hund mit, der Sport wird zum Familienausflug deklariert. Die Zeit der verschlossenen Türen bei den Golfclubs ist jedenfalls vorbei. Und damit auch das Geschäftemachen auf dem Golfplatz.

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