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Golf und Geschäfte : Ausgelocht

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Neue Regelungen als Lustkiller

Ein Lustkiller sind die zunehmend schärferen Compliance-Regelungen in den Unternehmen. Im Frühjahr hat die britische Finanzaufsicht explizit vor Golf-Einladungen an Geschäftspartner gewarnt, auch in Deutschland machen die Konzerne ihren Mitarbeitern sehr konkrete Vorgaben. Sich also mal eben mit einem potentiellen Geschäftspartner zu einer Partie zu verabreden ist heute mit einem Risiko verbunden. Compliance-Verstöße können strafrechtliche Konsequenzen haben. Die Folge: Es kommen längst nicht mehr so viele Einladungen zustande wie früher. „Der Anschein der Vorteilnahme soll gar nicht erst entstehen“, sagt Thomas Kirstan, Compliance-Experte bei der Unternehmensberatung Deloitte. „Im Zweifel nimmt man eine Einladung zum Golfspielen lieber nicht an.“

Gemeinsames Schwitzen in exklusiven Räumlichkeiten: Trend zum Elite-Fitnessstudio.

Doch nicht nur die Aufsichtsbehörden funken der Liebe zwischen Golf und Managern dazwischen. Auch die veränderten Ansprüche in der Arbeitswelt lassen das Traumpaar entfremden. Wer weltweit erfolgreich sein will, muss reisen, viel mehr als früher. Damit fehlt ein für Golfer sehr wichtiger Faktor: die Zeit. „Der Job und das damit verbundene Reisen spannen Manger so ein, dass sie nicht mehr zum Golfspielen kommen“, sagt Michael Ensser, Deutschland-Chef der Personalberatung Egon Zehnder.

In einen Arbeitstag noch vier oder fünf Stunden Golf – zuzüglich der Anreise zum Platz – zu quetschen ist nicht mehr drin. Zusätzlich sorgt die geforderte Flexibilität im Job naturgemäß auch für gewisse Bindungsängste an teure Golfclubs. Wer möchte schon vierstellige Jahresbeiträge investieren, wenn er es höchstens zwei, drei Mal in der Saison auf den Platz schafft?

Exklusive Fitnessstudios im Trend

Das heißt jedoch nicht, dass die Führungskräfte von heute auf der faulen Haut liegen, ganz im Gegenteil. Fitness spielt eine immens wichtige Rolle in ihrem Alltag, nur tun sich unkomplizierte Alternativen zum Golf auf. Mittlerweile gibt es in jeder größeren Stadt sehr teure und exklusive Fitnessstudios mit Wellnessbereich. Und diejenigen, die lieber alleine ihrem Sport nachgehen, schnüren einfach die Laufschuhe und drehen ein paar Runden. Das geht immer und überall. Je nach Ambitionen taugen Halb- oder Marathonzeiten im Zweifelsfall genauso gut als Leistungsausweis wie das einstellige Golf-Handicap.

Das passt auch besser zu den neuen Vorlieben der jungen Generation, deren Prioritäten sich im Vergleich zur älteren Managergarde verschoben haben. Familie steht ziemlich weit oben, und die Rollen sind nicht mehr so klassisch verteilt wie früher: Der Mann verdient, die Frau kümmert sich um die Kinder und den Haushalt, so war es immer. Und wenn der Mann noch meinte, im Sinne des Geschäfts sei es besser, noch eine Runde auf dem Golfplatz zu drehen, dann wurde das zumindest vordergründig akzeptiert. Heute ist das für viele, vor allem junge Manager undenkbar, geht die Herzensdame doch oft einer eigenen Karriere nach. So müssen die Haushaltspflichten geteilt werden.

Zudem ist dem modernen Manager die Familie Ausgleich zum stressigen Job, der dann nicht mehr als der ultimative Lebensinhalt gilt. „Man geht Leuten eher aus dem Weg, die auch beim Sport noch das Geschäft im Blick haben und einem Visitenkarten zustecken“, sagt Personalberater Ensser. Das bedeutet, dass diese Manager immer weniger Lust verspüren, nach einem harten Arbeitstag auch noch mit Kollegen oder Geschäftspartnern die spärliche Freizeit zu verbringen.

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