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Geringere Wachstumsprognose : Jetzt ist Kostendisziplin gefragt

Funken sprühen bei Arbeiten in einer Gießerei. Bild: dpa

Anwärter auf künftige Ministerposten sollten die schlechteren Wachstumsaussichten als Weckruf verstehen. Denn wenn die Wirtschaft schwächer wächst, gibt es auch weniger zu verteilen.

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          Die wirtschaftliche Erholung hat man sich hierzulande eigentlich anders vorgestellt. Von den Lockdown-Fesseln befreit, standen die Zeichen im Frühsommer noch auf rasche Rückkehr zur Hochkonjunktur. Die muss man einmal mehr verschieben: Schenkt man den Zahlen der Hallenser Wirtschaftsforscher Glauben, bleibt von der erhofften Wachstumsrate von 3 bis 4 Prozent und mehr nicht mehr viel übrig. Bescheidene 2,2 Prozent sollen es in diesem Jahr noch werden. Eine Rückkehr zur Normalauslastung dauert demnach bis Ende 2022. Damit kann sich Europas größte Volkswirtschaft nicht wirklich zufriedengeben.

          Doch die Probleme liegen größtenteils im Ausland. Zwar will auch der Inlandskonsum noch nicht so recht zurückfinden zu dem Niveau, das vor der Pandemie mal als normal galt. Aber allen voran Industrie und Export bremsen. Voriges Jahr und nach der Finanzkrise noch Zugpferde der Erholung, machen ihnen die globalen Lieferschwierigkeiten schwer zu schaffen. Vorprodukte bleiben knapp und teuer, und ein Ende der Materialknappheit ist nicht in Sicht, solange China wegen Corona-Infektionen ganze Häfen abriegelt oder auch andere Marktteilnehmer um knappe Rohstoffe wie Halbleiter kämpfen. Das trübt die wirtschaft­liche Stimmung. Nur ändern lässt es sich eben nicht so ohne Weiteres.

          Als Weckruf verstehen sollten Anwärter auf künftige Ministerposten die schlechteren Wachstumsaussichten gleichwohl. Denn wenn die Wirtschaft schwächer wächst, gibt es schlicht auch weniger Steuern und weniger zu verteilen; „Zukunftsprogramme“ auf Pump haben für viele zu Unrecht ihren Schrecken verloren. Kostendisziplin ist also gefragt – nicht zuletzt beim Dauerbrenner Klimaschutz. Das muss ihn gar nicht schwächen. Im Gegenteil: Nicht staatliche Milliarden-Füllhörner entscheiden über die Qualität des „grünen“ Umbaus, sondern die Mobilisierung von privaten Investitionen und technischem Erfindergeist. Mit der Verbesserung der klimapolitischen Rahmenbedingungen – schnellere Planung und Genehmigung, geringere Steuer- und Abgabenlast auf Strom – hat die künftige Bundesregierung ohnehin schon genug zu tun.

          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

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